Fiktive Zollsätze: US-Präsident Donald Trump am 2. April 2025 im Rosengarten des Weissen Hauses mit seiner Tafel mit den angeblichen Importzöllen anderer Länder auf US-Waren und den geplanten US-Gegenzöllen.
Bild:Keystone/EPA/Kent Nishimura
Maschinenbauer sehen sich mit stark gestiegenen Kosten konfrontiert, während Arbeitsplätze verloren gehen. Trotz Lichtblicken im Baugewerbe und Steuererleichterungen bleibt die Zukunft der Industrie unsicher, da die Handelsstrategie der Regierung Investitionen erschwert.
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19.03.2026, 05:30
19.03.2026, 05:38
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US-Unternehmer warnen: Die Zölle, von denen Trump behauptete, sie würden US-Firmen helfen, treiben in Wirklichkeit viele von ihnen in den Ruin.
Das Problem könnte sich noch verschärfen, da die Regierung eilig neue Zölle ausarbeitet, um die mithilfe eines Notstandsgesetzes erlassenen Importzölle zu ersetzen, die der Oberste Gerichtshof im Februar für rechtswidrig erklärt hatte.
Trumps Hauptargument für Zölle war, diese würden dazu führen, dass mehr Produktionsstätten in den USA eröffnen und genügend Einnahmen generiert würden, um das Haushaltsdefizit des Bundes auszugleichen.
Eingetreten ist das nicht: In den ersten zwölf Monaten seit Trumps Rückkehr ins Weisse Haus gingen 98'000 Jobs im verarbeitenden Gewerbe verloren.
Jay Allen ist ein Anhänger von Donald Trump und hat für ihn gestimmt – im Glauben, dass der Republikaner die Steuern senken und Vorschriften lockern würde. Dies, so hoffte Allen, käme seinem Unternehmen Allen Engineering im Nordosten des US-Staates Arkansas zugute, das Industriemaschinen für die Verlegung, Bearbeitung und Versiegelung von Beton herstellt.
Doch die Zölle, die den Kern von Trumps Wirtschaftsagenda bilden, haben Allen schwer zugesetzt. Die Einfuhrzölle trieben die Kosten für unter anderem in Deutschland hergestellte Motoren, Stahl, Getriebe und Kupplungen in die Höhe, die Allen benötigt, um Glättmaschinen für Verkaufspreise bis zu 100'000 Dollar pro Stück herzustellen.
Allens Erfahrungen zeigen: Die Zölle, von denen Trump behauptete, sie würden US-Unternehmen helfen, treiben in Wirklichkeit viele von ihnen in den Ruin. Das Problem könnte sich noch verschärfen, da die Regierung eilig neue Zölle ausarbeitet, um die mithilfe eines Notstandsgesetzes erlassenen Importzölle zu ersetzen, die der Oberste Gerichtshof im Februar für rechtswidrig erklärt hatte.
Allen zufolge wies sein Unternehmen im Jahr 2025 wegen der Zölle einen Verlust aus. Seine Belegschaft schrumpfte von einem Höchststand von 205 auf 140 Mitarbeiter. Um dieses Jahr über die Runden zu kommen, hob er die Preise um acht bis zehn Prozent an, auch wenn das geringere Umsätze bedeuten könnte. «Was wirklich traurig ist: Die unbeabsichtigten Folgen der Zölle schaden der Fertigungsindustrie in unserem Land», sagt der Unternehmer. «Leider geraten die Menschen in der Arbeiterklasse immer mehr unter Druck.»
Zahl der Jobs im verarbeitenden Gewerbe geht zurück
Trumps Hauptargument für Zölle war, diese würden dazu führen, dass mehr Produktionsstätten in den USA eröffnen und genügend Einnahmen generiert würden, um das Haushaltsdefizit des Bundes auszugleichen. Eingetreten ist das nicht: In den ersten zwölf Monaten seit Trumps Rückkehr ins Weisse Haus gingen 98'000 Jobs im verarbeitenden Gewerbe verloren.
US-Unternehmen, die die Zölle zahlen mussten, klagen gegen die Trump-Regierung auf Rückerstattungen in Höhe von mehr als 130 Milliarden Dollar. Gleichzeitig wird ein Anstieg des Haushaltsdefizits über die nächsten zehn Jahre prognostiziert.
Das Weisse Haus gibt an, dass die Ausgaben im Bausektor hoch seien, mehr Arbeitskräfte für den Bau von Fabriken eingestellt, neue Investitionen getätigt würden und die Produktivität im verarbeitenden Gewerbe steige – was letztendlich zu einer Wiederbelebung der produzierenden Industrie führen könnte. «Es braucht Zeit, bis die Produktion anläuft, und daher wird es noch eine Weile dauern, bis sich die Vorteile der Politik des Präsidenten voll auswirken», teilte der amtierende Vorsitzende des Wirtschaftsberaterstabs des Weissen Hauses, Pierre Yared, mit.
Einige der vom Weissen Haus angeführten Lichtblicke im Baugewerbe scheinen das Ergebnis von Programmen zu sein, die noch von Trumps Vorgänger Joe Biden ins Leben gerufen wurden. Die Ausgaben für den Bau von Produktionsstätten steigen seit 2022, in der Erwartung von staatlicher Unterstützung durch Bidens «CHIPS and Science Act», der umfangreiche Subventionen für Fabriken zur Herstellung von Computerchips vorsah. Das Gesetz trug massgeblich zu einem historischen Anstieg der Ausgaben für den Bau von Produktionsanlagen bei, wie Skanda Amarnath betont, Geschäftsführer der Denkfabrik Employ America.
Die Ausgaben für den Bau von Produktionsstätten seien während Trumps Präsidentschaft zurückgegangen, doch das Tempo bleibe vor allem aufgrund der fortgesetzten Arbeiten an den Projekten aus der Biden-Ära in Arizona, Texas und Idaho relativ hoch, sagt Amarnath.
Er wertete zudem Interviews aus, die regionale Notenbanken mit Unternehmen geführt hatten. Die Aussagen lassen keinen allgemeinen Aufschwung aufgrund von Trumps Zöllen im produzierenden Gewerbe erkennen. «Man hat nicht den Eindruck, dass gerade eine neue Renaissance des verarbeitenden Gewerbes im Gange ist», sagt Amarnath.
In Verordnungen, Proklamationen und anderen Erklärungen kündigte Trump bisher mehr als 50 zollpolitische Massnahmen an – von Zollandrohungen, die er regelmässig in sozialen Medien oder in Gesprächen mit Journalisten ausspricht, aber noch nicht offiziell umgesetzt hat, ganz zu schweigen. Die Flut von Ankündigungen, Kehrtwenden, Ausnahmeregelungen und rechtlichen Anfechtungen erschwerte kleineren Produktionsunternehmen die Planung. So importiert Allen Engineering beispielsweise seine 75-PS-Dieselmotoren aus Deutschland. Eine Produktion in den USA würde eine Investition von 20 Millionen Dollar erfordern – ein enormes Risiko, solange die Zoll-Situation unklar ist.
Werden die Motorenhersteller wirklich «so viel Geld ausgeben, um die Produktion von Deutschland in die USA zu verlagern, wenn sie nicht wissen, wie die Lage in drei Jahren aussieht?», fragt Allen. «Ich weiss nicht, wer dann im Weissen Haus sitzen wird, und wie die Einstellung zu diesen Zöllen aussehen wird.»
Joseph Steinberg ist Wirtschaftswissenschaftler an der Universität von Toronto. Nach seinen Angaben zeigen Untersuchungen, dass es im besten Fall ein Jahrzehnt dauern würde, bis die Beschäftigung im verarbeitenden Gewerbe wieder über das Niveau vor der Einführung der Zölle steige. Doch Steinberg zufolge «ist die aktuelle Situation keineswegs ein Best-Case-Szenario», da die US-Handelspolitik ungewiss sei und die Unternehmen daher mit Expansionsplänen zögerten.
Der US-Verband der Maschinenhersteller berichtete im Februar, der Anteil der USA an der weltweiten Fertigung bleibe deutlich hinter China zurück. Der Verband forderte Steuergutschriften zum Ausgleich der Zollkosten und insbesondere Zollbefreiungen für Rohstoffe, Teile und Komponenten, die im Inland nicht in ausreichendem Umfang beschafft werden können.
Besonders die Stahlzölle geben Anlass zur Sorge. Trump hatte sie im März 2025 eingeführt und im Juni auf 50 Prozent angehoben. Von der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs waren sie nicht betroffen. Trump zufolge waren sie dafür verantwortlich, dass US-Stahlwerke wieder Gewinne machten. Doch sie schadeten Unternehmen, die diesen Stahl verwenden, wie Calder Brothers im US-Staat South Carolina, das Maschinen für den Asphaltbau herstellt.
«Die Stahlzölle waren das erste, was mir aufgefallen ist», sagt Firmenchef Glen Calder. «Der Marktpreis ist einfach in die Höhe geschnellt. Und ist auf diesem hohen Niveau geblieben.»
Chinas Handelsüberschuss wächst
Ein Teil von Trumps Bemühungen zur Stärkung des verarbeitenden Gewerbes bestand darin, US-Unternehmen im Wettbewerb mit China zu helfen. Doch das US-Handelsdefizit im verarbeitenden Gewerbe stieg unter Trump im vergangenen Jahr erneut. Chinas Handelsüberschuss gegenüber dem Rest der Welt kletterte gleichzeitig auf einen Rekordwert von 1,2 Billionen Dollar.
Dieser Trend offenbare eines der grossen Probleme von Trumps Zollstrategie, sagt Lori Wallach, Leiterin des Programms Rethink Trade bei der Nichtregierungsorganisation American Economic Liberties Project. Anstatt China als geeinte Gruppe entgegenzutreten, entschied sich Trump gegen eine Zusammenarbeit mit Partnern. US-Hersteller seien im Nachteil, so Wallach, da es keine Koalition von Staaten gebe, die Sanktionen wegen unfairen Arbeitspraktiken, Währungsmanipulationen oder Subventionen verhängen könne. «Die generelle Abneigung dieser Regierung gegen internationale Zusammenarbeit bedeutet, dass sie versucht, alles alleine zu machen.»
15 statt 10 Prozent: Trump legt nach Zoll-Niederlage nach
Washington, 22.02.2026: Zollaufschlag vom US-Präsidenten: Donald Trump erhöht die Zölle auf US-Importe auf 15 Prozent und nutzt damit die volle Obergrenze eines Handelsgesetzes. Kurz davor sprach Trump lediglich von 10 Prozent.
Das Oberste US-Gericht hatte seine frühere Praxis, Zölle auf Grundlage eines Notstandsgesetzes aus dem Jahr 1977 zu verhängen, kürzlich eigentlich gestoppt.
Dieses Urteil könnte eine Welle an Rückforderungen bereits gezahlter Zölle hervorbringen. Befürchtet wird ein Chaos.
Trump kündigt aber an, andere Wege zu nutzen, um seine Zölle weiterhin durchzusetzen. Der jetzige Vorstoss sei ein Teil davon.
Der US-Präsident beruft sich deshalb nun auf ein anderes Gesetz aus den 1970er-Jahren – gegen Zweifel von Experten.