Huthis im Visier? USA sammeln jetzt Luftstreitkräfte für Grossangriff

Philipp Dahm

27.3.2025

Trump: Europäer sind Schmarotzer

Trump: Europäer sind Schmarotzer

Donald Trump bezeichnet die Europäer als Schmarotzer. Auf die Frage eines Journalisten, ob er eine Aussage in einem geheimen Gruppenchat teile, wonach die Europäer schmarotzten, sagt Trump: «Ja, ich denke, sie haben schmarotzt. Die Europäische Union war absolut schrecklich zu uns im Handel, schrecklich.» Zuvor war in Auszügen aus einem Gruppenchat von Mitgliedern der Trump-Regierung über Angriffe im Jemen eine tiefe Verachtung für Europa zu erkennen gewesen.

26.03.2025

Washington zieht im Indischen Ozean offenbar Kräfte für einen grösseren Luftangriff zusammen. Das passt zu Aussagen: die US-Kampagne gegen die Huthis im Jemen werde noch Wochen dauern. Was wollen die USA dort?

Philipp Dahm

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Die USA ziehen auf dem Stützpunkt Diego Garcia im Indischen Ozean angeblich Kräfte für einen grossen Luftangriff zusammen.
  • Hintergrund ist die neuerliche US-Kampagne gegen die Huthis im Jemen, die seit dem 15. März läuft.
  • Was hinter den Kulissen abläuft, ist durch den Signal-Skandal öffentlich geworden. Und was wollen die USA offiziell erreichen?
  • Was JD Vance bei seiner Europa-Kritik nicht bedenkt.

Die amerikanischen Streitkräfte ziehen Flugzeuge im Indischen Ozean zusammen: Wie das «UK Defence Journal» (UKDJ) berichtet, konzentrieren die USA Bomber und weiteres Gerät auf ihrem Stützpunkt Diego Garcia.

Mindestens fünf B-2-Tarnkappenbomber und sieben Transportflugzeuge vom Typ C-17A Globemaster seien auf das kleine Atoll verlegt worden, heisst es weiter. Die Transporter dürften Munition und Personal für einen grösseren Angriff an Bord gehabt haben.

Weiter seien mindestens 18 KC-135-Tankflugzeuge auf Basen wie etwa auf Guam verteilt worden, die eine grössere Luftkampagne unterstützen könnten. «Die Anwesenheit mehrerer B-2, Tankflugzeuge und C-17-Transportflugzeuge deutet darauf hin, dass die USA sich für eine anhaltende Militäroperation positionieren», schreibt UKDJ.

Was wollen die USA?

Das passt zu Aussagen von US-Verteidigungsminister Pete Hegseth, nach die Eskalation mit den Huthis im Jemen noch Wochen an dauern dürfte. Die neuerlichen Angriffe haben am 15. März begonnen: Die Vorbereitung der Attacke hat einen Skandal ausgelöst, weil ein Journalist unbeabsichtigt in die Planung via Signal-Chat eingebunden worden ist.

Seither war das Pentagon nicht untätig: Mindestens drei weitere Luftangriffe auf Ziele im Jemen sind öffentlich geworden.

Trumps Eskalation mit den Huthis

  • 15. März: Amerikanische Luftangriffe fordern angeblich mindestens 53 Opfer im Jemen.
  • 17. März: Die USA fliegen Angriffe auf Jemens Hauptstadt Sanaa und die Hafenstadt Hudaida.
  • 19. März: Ein US-Luftangriff auf Sanaa verletzt neun Personen.
  • 20. März: Israels Luftabwehr fängt Raketen aus dem Jemen ab.
  • 21. März: Der Flugzeugträger Harry S. Truman solle länger im Roten Meer bleiben und wird durch den Träger Carl Vinson verstärkt.
  • 23. März: Israel fängt eine Rakete ab, die vom Jemen aus abgefeuert worden sein soll.
  • 23. März: US-Flugzeuge bombardieren Ziele in Sanaa, in Saada und Hudaida.
Karte des Jemen: Hudaiuda liegt westlich von Sanaa an der Küste. Saada liegt rund 170 Kilometer nördlich der Hauptstadt, ist hier aber nicht eingezeichnet.
Karte des Jemen: Hudaiuda liegt westlich von Sanaa an der Küste. Saada liegt rund 170 Kilometer nördlich der Hauptstadt, ist hier aber nicht eingezeichnet.
Google Earth

Was wollen die USA damit erreichen? Washington will offiziell die freedom of navigation, also die Schifffahrtsfreiheit durchsetzen. Diese wird von den jemenitischen Huthis bedroht, weil die Rebellen Handelsschiffe in der Region angreifen – vorgeblich aus Solidarität mit den Palästinensern.

Die USA setzen seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges die freie Schifffahrt weltweit durch, was ökonomisch auch im nationalen Interesse ist. Heute will das Weisse Haus diese Last aber nicht mehr alleine tragen – und kritisiert Europa scharf dafür, dass es zu wenig beiträgt.

USA für Situation mitverantwortlich

Das zeigt auch der Signal-Skandal: «Ich denke, wir machen einen Fehler», beschwert sich dabei etwa Vize-Präsident JD Vance. «3 Prozent des amerikanischen Handels passieren den Sueskanal 40 Prozent sind es bei den Europäern.» Sprich: Europa soll hier selbst für Ruhe sorgen – oder zahlen.

Doch stimmen die Zahlen? «Fortune» ist sich nicht sicher, auf welche Daten Vance sich beruft. Es würde zwar 40 Prozent des europäischen Handels durch das Rote Meer laufen, doch dabei gehe es nur um Geschäfte mit Asien.

Nicht ganz fair sei auch, dass die USA für die heikle Lage im Nahen Osten mitverantwortlich seien, sagt der Berater Marko Papic: «Es ist wie die Tat eines kleinen Gauners: erst den Lebensmittelladen abfackeln, dann den Täter jagen und am Ende dem Laden-Besitzer die Rechnung schicken.»

Was Vance nicht bedenkt

Vance denkt ausserdem zu kurz: Käme die Schifffahrt im Roten Meer zum Erliegen, würde das Europa sicher härter treffen. Doch die Wirtschaft ist vernetzt: Müssen Schiffe den langen Weg ums Horn von Afrika nehmen, steigen die Preise für den Schiffstransport weltweit.

Das gilt auch für Energiepreise: Die USA sind sicherlich kaum auf Öl und Gas aus dem Nahen Osten angewiesen, doch eine Krise im Roten Meer verteuert die Energie-Preise weltweit, was Produktionskosten hochtreibt und sich auch auf den US-Markt auswirkt.

Signal an Teheran? B-2-Bomber vor dem Start.
Signal an Teheran? B-2-Bomber vor dem Start.
Archivbild: KEYSTONE

Wie geht es nun weiter? Die Truppensammlung auf Diego Garcia macht stutzig. B-2-Bomber greifen normalerweise strategische Ziele im schwer bewachten Luftraum an. Womöglich dienen sie auch der Abschreckung des Irans, der die Houthis unterstützt.

Donad Trump hat Teheran gewarnt, nicht weiter Waffen in den Jemen zu schicken. Den Huthis selbst droht der 78-Jährige, sie würden «vollständig ausgelöscht werden». Europa ist schockiert, nachdem der Signal-Skandal die kritische Haltung der US-Administration öffentlich gemacht hat. Und das Pentagon bereitet gleichzeitig im Indischen Ozean anscheinend einen Grossangriff vor.

Das kann ja heiter werden.


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