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Trotz Waffenruhe

USA und Iran greifen sich erneut an – Luftalarm in zwei Golfstaaten

Dieses vom US Central Command zur Verfügung gestellte Bild zeigt eine F/A-18E Super Hornet, die von der USS Abraham Lincoln (CVN 72) zur Unterstützung der Operation Epic Fury startet.

Dieses vom US Central Command zur Verfügung gestellte Bild zeigt eine F/A-18E Super Hornet, die von der USS Abraham Lincoln (CVN 72) zur Unterstützung der Operation Epic Fury startet.

Keystone/ Uncredited/US Central Command/dpa

Trotz Waffenruhe haben sich die USA und der Iran in der Golfregion erneut angegriffen. Die Lage rund um die Strasse von Hormus bleibt angespannt.

Redaktion blue News
Keystone-SDA

Redaktion blue News, Keystone-SDA

06.06.2026, 06:22•06.06.2026, 07:41

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Trotz Waffenruhe haben sich die USA und der Iran in der Golfregion erneut gegenseitig angegriffen, wobei Raketen und Drohnen abgefangen und militärische Ziele attackiert wurden.
  • Beide Seiten rechtfertigen ihr Vorgehen als Selbstverteidigung, während die Angaben zu Schäden und Erfolgen nicht unabhängig überprüfbar sind.
  • Parallel bleibt die Lage angespannt, da strategisch wichtige Regionen wie die Strasse von Hormus umkämpft sind und auch andere Konflikte in der Region weiter eskalieren.
Zusammenfassung erstellt mitmyAi

Trotz geltender Waffenruhe haben sich die USA und der Iran in der Golfregion erneut gegenseitig angegriffen. Das US-Militär wehrte nach eigenen Angaben sechs vom Iran auf die mit den USA verbündeten Golfstaaten Kuwait und Bahrain abgefeuerte ballistische Raketen ab. Ein weiteres Geschoss habe sein Ziel verfehlt, teilte das für den Nahen Osten zuständige US-Regionalkommando (Centcom) auf der Plattform X mit.

Sechs Raketen soll das Centcom abgewehrt haben.

Sechs Raketen soll das Centcom abgewehrt haben.

Screenshot X/ Centcom

Zuvor hatte das US-Militär im Bereich der Strasse von Hormus nach eigenen Angaben vier iranische Drohnen abgewehrt und anschliessend im Iran Radarstellungen auf der dortigen Insel Qeschm und im Ort Goruk attackiert.

Iran bestätigt Angriffe und nennt US-Stützpunkte als Ziel

Die iranischen Revolutionsgarden – die Elitestreitmacht der Islamischen Republik – teilten laut der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim kurz daraufhin mit, man habe als Reaktion auf die US-Angriffe Stützpunkte des Feindes in der Region attackiert. Kuwaits Luftabwehr war zuvor nach Armeeangaben gegen Angriffe mit Raketen und Drohnen im Einsatz. Auch in Bahrain gab es kurz darauf am frühen Morgen Raketenalarm.

Das US-Militär dementierte derweil iranische Behauptungen, wonach in Bahrain das Hauptquartier der US-Marine im Nahen Osten beschädigt worden sei. Die Angaben beider Kriegsparteien liessen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.

Der Iran hatte zuvor schon mehrfach Geschosse auf Kuwait und andere Staaten am Persischen Golf gefeuert. Dort unterhält das US-Militär Stützpunkte, die nur wenige Hundert Kilometer Luftlinie vom Iran entfernt sind. Erst am Mittwoch hatte eine Drohne den internationalen Flughafen von Kuwait getroffen. Dabei wurde mindestens ein Mensch getötet, Dutzende weitere wurden verletzt.

USA und Iran erheben gegenseitig Vorwürfe

Die Führung in Teheran spricht bei ihren Angriffen stets von Vergeltung für die Angriffe des US-Militärs. Die USA wiederum sprechen von Selbstverteidigung angesichts von Angriffen oder Provokationen seitens des Irans.

Die im Bereich der Strasse von Hormus abgewehrten iranischen Kampfdrohnen hätten eine Bedrohung für die Schifffahrt dargestellt, teilte Centcom etwa in der Nacht mit. Die anschliessenden Angriffe des US-Militärs auf Qeschm und in Goruk seien erfolgt, um sich «gegen weitere Angriffe zu verteidigen». Welche Waffensysteme dabei eingesetzt wurden, blieb zunächst unklar.

Strasse von Hormus als Nadelöhr der Weltwirtschaft

Irans Streitkräfte hatten kurz nach Kriegsbeginn die Kontrolle über die Meerenge übernommen, die als Exportroute für Dünger, Öl und Flüssiggas für die Weltwirtschaft von grosser Bedeutung ist. Die USA haben ihrerseits eine Seeblockade verhängt, um den Iran am Export von Öl zu hindern.

Die Lage rund um die Strasse von Hormus bleibt angespannt.

Die Lage rund um die Strasse von Hormus bleibt angespannt.

sda

Eigentlich gilt seit fast zwei Monaten eine Waffenruhe in dem Krieg, der am 28. Februar mit Angriffen der USA und Israels gegen den Iran begonnen hatte. Jedoch kam es zuletzt immer wieder zu vereinzelten gegenseitigen Angriffen der Kriegsparteien. Parallel laufen zähe Verhandlungen für ein Rahmenabkommen zwischen den USA und Iran, um den Krieg zu beenden.

Um sich gegen die iranischen Angriffe besser zu schützen, kauft Kuwait in den USA Abwehrsysteme gegen Drohnenangriffe. Man habe den Verkauf entsprechender Rüstungsgüter im Wert von rund zwei Milliarden US-Dollar (rund 1,7 Milliarden Euro) genehmigt, teilte das US-Aussenministerium mit. Wann das System geliefert werden soll, blieb zunächst unklar. Bei Rüstungsgeschäften geht es häufig um langfristige Beschaffungszeiträume.

Trump: Iran hat noch ein Fünftel seiner Raketen

Nach Schätzung von US-Präsident Donald Trump verfügt der Iran noch über gut ein Fünftel seines Raketenarsenals. Die meisten Drohnenfabriken, Abschussrampen und Einrichtungen zur Raketenproduktion seien ausgeschaltet worden, sagte er dem TV-Sender NBC News. «Aber sie verfügen weiterhin über Kapazitäten. Sie haben noch einige Raketen und einige Drohnen.» Trump ergänzte: «Prozentual würde ich sagen, vielleicht noch 21 bis 22 Prozent ihrer Raketen.» Das seien noch viele, aber nicht mehr das, was sie anfangs hatten.

Nach Schätzung von US-Präsident Donald Trump verfügt der Iran noch über gut ein Fünftel seines Raketenarsenals

Nach Schätzung von US-Präsident Donald Trump verfügt der Iran noch über gut ein Fünftel seines Raketenarsenals

Jacquelyn Martin/AP/dpa

Es blieb unklar, worauf Trumps Schätzung des iranischen Raketenarsenals beruhte. Zuletzt hatte es immer wieder Medienberichte gegeben, die unter Berufung auf US-Beamte oder Geheimdiensterkenntnisse nahelegten, dass der Iran weiter über einen grossen Teil seiner Raketen verfügt. Die «New York Times» etwa berichtete Mitte Mai, der Iran verfüge noch über etwa 70 Prozent seiner mobilen Abschussrampen sowie rund 70 Prozent seines Raketenarsenals. Die «Washington Post» hatte ähnliche Zahlen genannt.

Auch Konflikt zwischen Hisbollah und Israel geht weiter

Derweil gehen auch die Kämpfe zwischen der libanesischen Hisbollah-Miliz und Israel weiter, obwohl auch in dem Konflikt eigentlich eine Waffenruhe gilt. In der Nacht schrillten in mehreren Gebieten im Norden Israels wieder die Sirenen. Es sei eine Drohne abgefangen worden, teilte die israelische Armee auf Telegram mit. Zwei weitere Drohnen seien in der Nähe des Einsatzgebietes israelischer Streitkräfte im Südlibanon niedergegangen. Es habe keine Verletzten gegeben.

In der Nacht zum Donnerstag hatten sich Israel und der Libanon nach Angaben des US-Aussenministeriums zwar auf einen neuen Anlauf zur Umsetzung der bisher faktisch kaum wirksamen Waffenruhe geeinigt. Die libanesische Regierung ist keine Konfliktpartei in dem Krieg und hat nur begrenzten Einfluss auf die Hisbollah. Die vom Iran unterstützte Hisbollah, die nicht an den Verhandlungen beteiligt war, lehnte die Bedingungen jedoch ab.


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