Spitzentreffen in PakistanUSA und Iran verhandeln über Frieden – das musst du wissen
Oliver Kohlmaier
11.4.2026
Dauerhafte Friedenslösung gesucht: US-Delegation um Vance in Pakistan
Vor mehr als fünf Wochen griffen die USA mit Israel den Iran an – dann wurde eine kurze Feuerpause verkündet. Eine US-Delegation um US-Vizepräsident JD Vance will jetzt in Pakistan über eine dauerhafte Friedenslösung im Iran-Krieg verhandeln.
11.04.2026
In der Islamabad verhandeln die USA nun direkt mit dem Iran. Warum die Gespräche in Pakistan stattfinden – und weshalb sie schnell scheitern könnten. Antworten auf die wichtigsten Fragen.
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DPA, Agence France-Presse, Redaktion blue News
11.04.2026, 20:24
11.04.2026, 22:38
Oliver Kohlmaier
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
In Pakistan haben die Friedensverhandlungen zwischen den USA und dem Iran begonnen.
Die Delegationen sind jeweils mit langen Listen an Forderungen angereist – eine Einigung ist daher ungewiss.
Ein zentraler Streitpunkt ist die Strasse von Hormus, für deren Durchfahrt Teheran künftig eine Maut verlangen will.
Washington verlangt die Herausgabe von mehr als 400 Kilogramm hoch angereicherten Urans und die Einstellung des iranischen Atomprogramms.
In der pakistanischen Hauptstadt Islamabad haben am Samstag die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran begonnen.
An das diplomatische Spitzentreffen knüpfen sich grosse Hoffnungen auf ein Ende des Krieges in Nahost und eine Erholung der Weltwirtschaft – auch wenn die Positionen der Beteiligten weit auseinanderliegen. Das musst du zu dem Gipfeltreffen wissen:
Was passiert in Islamabad?
Die USA und der Iran hatten sich in der Nacht zum Mittwoch auf eine zweiwöchige Waffenruhe verständigt – nun geht es bei direkten Verhandlungen in Islamabad um eine dauerhafte Friedenslösung.
Davor hatte Gastgeber Sharif bei zwei separaten Treffen mit den jeweiligen Leitern der Verhandlungsdelegationen gesprochen, US‑Vizepräsident JD Vance und Irans Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf. Sharif bemühte sich dabei laut dem arabischen Fernsehsender Al Jazeera um direkte Gespräche unter pakistanischer Beteiligung.
Die von Pakistan vermittelte Verhandlungsrunde ist laut «New York Times» das hochrangigste direkte Treffen zwischen US-amerikanischen und iranischen Beamten seit der Islamischen Revolution im Iran 1979.
Schauplatz des Spitzentreffens in Islamabad ist das in der Nähe des pakistanischen Aussenministeriums gelegene noble Serena-Hotel. Es befindet sich in der sogenannten Roten Zone, in der erhöhte Sicherheitsvorkehrungen gelten. Mehr als 10'000 Sicherheitskräfte, darunter Soldaten, Polizisten und paramilitärische Einheiten, wurden für die Verhandlungen stationiert. Das Regierungsviertel und die diplomatische Zone sind abgeriegelt.
US-Vizepräsident JD Vance bei Vorgesprächen mit Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif.
AP Photo/Jacquelyn Martin, Pool/Keystone
Was ist von den Gesprächen zu erwarten?
In die direkten Gespräche zwischen Washington und Teheran werden grosse Hoffnungen gesetzt. Die Verhandlungen gelten allerdings als äusserst fragil, denn die Delegationen sind mit langen Listen an Forderungen angereist. Sollten sich die USA und Iran nicht auf eine gemeinsame Basis einigen können, wäre auch ein schneller Abbruch der Verhandlungen möglich.
Der iranische Staatssender Irib zitierte vor den Gesprächen Aussenminister Abbas Araghtschi: Er erklärte, man gehe mit «völligem Misstrauen» in die Gespräche und werde mit aller Kraft dafür kämpfen, die Interessen und Rechte der iranischen Nation zu sichern.
Die neue Führung in Teheran sieht sich in einer Position der Stärke: Das Machtsystem der Islamischen Republik ist nach mehr als fünf Wochen Krieg weiter intakt und die US-Verbündeten am Persischen Golf mussten schmerzhafte Gegenangriffe verkraften. Vor allem hält der Iran mit der Kontrolle über die Strasse von Hormus die Weltwirtschaft in Atem. Aus iranischer Sicht steht Washington auch deswegen unter Zeitdruck.
Die Amerikaner hatten indessen eine ganz andere Ausgangslage gezeichnet. Die USA und Israel haben im Iran Tausende Ziele angegriffen, das Land militärisch massiv geschwächt und einen Teil der Führungsriege getötet. Trump meint, die USA hielten deshalb alle Trümpfe in der Hand. «Der einzige Grund, warum sie heute noch am Leben sind, ist, um zu verhandeln!», schrieb er etwa am Freitag.
Welche Forderungen haben die Delegationen?
Die Liste an zu überwindenden Differenzen ist kompliziert und lang. Zu den grössten Streitpunkten zählt Teherans Blockade der Strasse von Hormus. Der Iran beansprucht die Kontrolle der für die weltweite Energieversorgung wichtigen Meerenge und plant ein Mautsystem. Die USA wollen wie vor dem Krieg eine freie und sichere Durchfahrt ohne Maut.
Zudem verlangt Washington die Herausgabe von mehr als 400 Kilogramm hoch angereicherten Urans und die Einstellung des iranischen Atomprogramms. Washington will dem Iran auch eine Begrenzung seines Programms zur Entwicklung ballistischer Raketen auferlegen.
Teheran pocht indes auf die Freigabe eingefrorener iranischer Vermögenswerte sowie Reparationszahlungen für die während des Kriegs entstandenen Schäden. Zudem verlangt der Iran die Aufhebung sämtlicher Sanktionen, eine Garantie, dass es nicht mehr zu Angriffen kommen wird, und einen Abzug von US-Soldaten aus dem Nahen Osten.
Warum finden die Verhandlungen ausgerechnet in Pakistan statt?
Schlagzeilen über militanten Extremismus, eine erodierende Wirtschaft oder den Dauerkonflikt mit Indien prägen oft das Bild von Pakistan - doch nun richtet die südasiatische Regionalmacht die ersten Verhandlungen zwischen Washington und Teheran seit Beginn des Iran-Krieges aus.
Dass sich Pakistan in dem überaus komplizierten Konflikt nun als Vermittler hervortut, hat mit seinem ungewöhnlich weitreichenden diplomatischen Netzwerk zu tun.
Einerseits sind da historisch gewachsene Beziehungen zum Nachbarland: Der Iran war 1947 das erste Land, das die Unabhängigkeit Pakistans anerkannte. Die beiden Staaten teilen sich eine 900 Kilometer lange Grenze und haben tiefgehende historische, kulturelle und religiöse Verbindungen. Pakistan ist Heimat von mehr als 20 Millionen Schiiten – der zweitgrössten schiitischen Bevölkerung der Welt nach dem Iran.
Aber die Regierung in Islamabad pflegt andererseits auch enge Beziehungen zu den USA, Saudi-Arabien und vor allem auch China, das bei der Einigung auf eine Waffenruhe eine wichtige Rolle spielte. Ende März reiste der pakistanische Aussenminister Ishaq Dar zu Gesprächen mit seinem chinesischen Kollegen Wang Yi nach Peking. Wang unterstützte die Vermittlungsbemühungen Islamabads, da sie «den gemeinsamen Interessen aller Parteien» entsprächen.