Einladung aus der SchweizVance stellte sich hinter Orbán – und kassiert nun viel Häme im Netz
Dominik Müller
14.4.2026
Kurz vor der Wahl: Vance (r.) zu Besuch bei Orban.
Bild:Keystone
Donald Trump und JD Vance stellten sich demonstrativ hinter Viktor Orbán. Genützt hat es nichts – im Gegenteil: Manche machen genau diese Unterstützung für Orbáns Pleite bei den Wahlen in Ungarn verantwortlich.
16 Jahre lang hat Viktor Orban in Ungarn als regierender Ministerpräsident geamtet. Nun ist er seinen Posten unfreiwillig los: Die Partei seines Herausforderers Péter Magyar hat in einem Erdrutschsieg die Parlamentswahlen gewonnen.
Tausende Menschen feierten am Sonntag den Machtwechsel bis tief in die Nacht hinein und tanzten auf dem Batthyani-Platz in Budapest ausgelassen zu harten Techno-Rhythmen. Kater- statt Partystimmung dürfte zur gleichen Zeit in Washington geherrscht haben: Sowohl US-Präsident Donald Trump als auch sein Vize JD Vance haben sich im Vorfeld der Wahl öffentlich für Machthaber Orbán ausgesprochen.
«Geht raus und wählt Viktor Orbán», schrieb Trump in Grossbuchstaben auf der Plattform Truth Social. Und weiter – ebenfalls in Grossbuchstaben: «Ich stehe voll und ganz hinter ihm.» Rechtspopulist Orbán gilt als Verbündeter Trumps.
US-Vizepräsident Vance reiste letzten Dienstag gar nach Ungarn und leistete Wahlkampfunterstützung vor Ort. Dabei geizte er nicht mit unverhohlenem Lob: «Der Präsident der Vereinigten Staaten und der Ministerpräsident von Ungarn waren gemeinsam dazu fähig, wunderbare Dinge zu tun.»
Orbán sei gemäss Vance ein «weiser Staatsmann», auf den Trump und er gerne hörten, um bei den – derzeit stillstehenden – Friedensbemühungen zur Beilegung des russischen Kriegs gegen die Ukraine weiterzukommen. «Viktor war besser als jeder andere, um uns dabei zu helfen, damit wir verstehen, was brauchen die Ukrainer, was brauchen die Russen, um zu einem Frieden zu kommen», sagte Vance.
Genützt hat es bekanntlich wenig. Im Gegenteil: Orbán hat die Wahl in Ungarn verloren. In den sozialen Medien bringen nun prominente und weniger prominente Menschen ihre Häme zum Ausdruck. Der Tenor: Nicht trotz, sondern wegen der US-Unterstützung habe Orbán eine krachende Niederlage erlitten. Vor allem Vance bekommt in zahlreichen Memes sein Fett weg.
«Das Gesetz der unbeabsichtigten Folgen»
So lobt etwa der britische Moderator Rod Whiting Vance dafür, die Abwahl Orbáns überhaupt erst ermöglicht zu haben. Whitings Fazit: «Das Gesetz der unbeabsichtigten Folgen scheint ein wiederkehrendes Problem der aktuellen US-Regierung zu sein.»
Credit to JD Vance for enabling the defeat of Victor Orban in the Hungary elections. The law of unintended consequences seems to be a reoccurring issue for the current US administration. pic.twitter.com/0qMSAfquOw
Das bringt Politiker*innen auf Ideen: SP-Co-Präsident Cédric Wermuth lädt den US-Vizepräsidenten ironisch in die Schweiz ein. «Lieber JD Vance, wären Sie bitte so freundlich, in die Schweiz zu kommen und die SVP zu unterstützen? Nach Ihrem grossartigen Erfolg in Ungarn würden wir Ihre Unterstützung für Menschenrechte und Demokratie wirklich wertschätzen», schreibt Wermuth auf Blue Sky.
Dear @jd-vance-1.bsky.social, would you please be so kind and come to Switzerland for an official endorsement of the Swiss People’s Party? After your great success in Hungary we would really appreciate your support for human rights and democracy. Best regards.
Auch die deutsche Grünen-Abgeordnete Ricarda Lang stimmt mit ein und will den US-Vizepräsidenten überreden, in Deutschland Wahlkampf zu machen. Hintergrund: JD Vance hatte sich in der Vergangenheit immer wieder öffentlich hinter die deutsche, rechtspopulistische Partei AfD gestellt.
Hey @JDVance, dont you want to visit Germany for a little bit of campaigning?
Warum sich Ricarda Lang wohl eine AfD-Kampagne mit Vance wünscht, demonstriert die Grafik, die der tschechische EU-Abgeordnete Tomáš Zdechovský auf X geteilt hat: Demnach baute Magyar seinen Vorsprung auf Orbán just ab dem Moment deutlich aus, als Vance zu Besuch in Ungarn war.
Die Studentenorganisation SFL listet zwei weitere Ereignisse auf, die das unglückliche Händchen von Vance belegen sollen: den Tod des vorherigen Papstes, kurz nachdem Vance diesen im Vatikan besucht hatte, und die erfolglosen Verhandlungen über ein Ende des Iran-Kriegs in Pakistan, an denen Vance die USA vertrat.
In die gleiche Kerbe schlägt User Evan, nur dass er Vance immerhin attestiert, ohne Panne durch eine Pokalzeremonie führen zu können. Allerdings: Das angefügte Video beweist exakt das Gegenteil.
JD Vance visited the Pope and then the Pope died.
He visited Iran to end the war and the war hasn’t ended.
He visited Hungary to campaign for Viktor Orbán and Viktor Orbán lost.
But at least he can get through a trophy ceremony without…..
Peter Magyar: «Wir haben unser Heimatland zurückerobert»
Der pro-europäische Konservative Peter Magyar versichert seinen Anhängern: «Ungarn wird wieder ein starker Verbündeter innerhalb der EU und der NATO sein.» Seine Partei hat bei den Wahlen am Sonntag eine Zweidrittelmehrheit im Parlament errungen.