Friedensplan à la Putin Verkauft Trump im Hinterzimmer Kiews Zukunft?

SDA

20.11.2025 - 14:03

Im Dunkeln lässt sich's munkeln: Haben sich Wlöadimir Putin (links) und Donald Trump im Geheimen auf einen Diktatfrieden geeinigt?
Im Dunkeln lässt sich's munkeln: Haben sich Wlöadimir Putin (links) und Donald Trump im Geheimen auf einen Diktatfrieden geeinigt?
Bild: Keystone

Aufruhr in Kiew: Die USA sollen sich im Geheimen mit Wladimir Putin über einen Friedensplan für die Ukraine geeinigt haben, der weitgehend Moskaus Vorstellungen folgt. Gebietsabtretungen, militärische Einschränkungen und gesellschaftliche Eingriffe wären die Folge.

Keystone-SDA

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Die US-Regierung soll sich im Geheimen mit Russland über einen Friedensplan für die Ukraine geeinigt haben.
  • Der Plan soll 28 Punkte umfassen und Kiew in Bedrängnis bringen, weil Moskaus bisherige Forderungen weitgehend erfüllt würden.
  • Das wird der Ukraine angeblich abverlangt.
  • Pro-ukrainische Kommentatoren sind entsetzt.
  • Heute treffen sich eine ukrainische Delegation mit US-Militärs in Istanbul.

Die Ukraine gerät durch einen angeblich von der US-Führung mit Moskau im Geheimen ausgehandelten Friedensplan unter Druck. Von dem angegriffenen Land verlange der Rahmenentwurf grosse Zugeständnisse, berichtete die «Financial Times» unter Berufung auf am Gesprächsprozess beteiligte Personen.

Die Ukraine solle die umkämpften Gebiete Donezk und Luhansk vollständig räumen und ihre Armee halbieren. Vor dem Hintergrund der Berichte steht für den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj heute in Kiew ein Treffen mit einer US-Militärdelegation an.

In Brüssel kommen unterdessen die EU-Aussenminister zu Beratungen zusammen. Thema sollen etwa mögliche neue Massnahmen gegen die sogenannte russische Schattenflotte zur Umgehung von Energiesanktionen sein.

Kiewer Führung angeblich über Plan informiert

Das Nachrichtenportal «Axios» in Washington berichtete, der Plan sei Ende Oktober von Trumps Sondergesandten Steve Witkoff und dem Moskauer Vertreter Kirill Dmitrijew ausgehandelt worden.

Den Angaben nach soll Witkoff die Überlegungen dem Chef des ukrainischen Sicherheitsrates, Rustem Umjerow, zur Kenntnis gegeben haben. In Moskau sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow, es gebe zwischen Russland und den USA keine neuen Vorschläge für ein Kriegsende.

Es gelte weiter, was von Kremlchef Wladimir Putin und Trump bei ihrem Gipfel in Alaska im August besprochen worden sei. Der neue Plan entspricht nach Einschätzung der «Financial Times» weitgehend bekannten russischen Forderungen an Kiew.

Moskau will Russisch als Staatssprache

Moskau soll demnach die Teile von Donezk und Luhansk bekommen, die es bislang nicht erobern konnte. Allerdings sollen sie demilitarisiert werden. Die südliche Frontlinie durch die Gebiete Saporischschja und Cherson soll weitgehend eingefroren werden. Der Ukraine drohen demnach auch Begrenzungen der Reichweite ihrer Waffen.

Dem Bericht zufolge wird ebenfalls gefordert, dass Russisch als Staatssprache anerkannt und die frühere moskautreue orthodoxe Kirche wieder zugelassen werde. Die Kiewer Führung versucht, diese Kirche als Sicherheitsrisiko zu verbieten.

Was über den angeblichen Friedensplan bekannt ist

  • Die Ukraine muss Luhansk und Donezk räumen und damit auch den Festungsgürtel in Donezk verlassen, den die Russen bisher nicht erobern konnten. Das Gebiet soll aber «demilitarisiert» werden.
  • Die Front soll in Cherson und Saporischschja auf dem aktuellen Niveau eingefroren werden.
  • Kiew muss Russisch als Amtssprache akzeptieren und die russisch-orthodoxe Kirche wieder zulassen.
  • Die Ukraine muss Russlands Ansprüche auf die besetzten Gebiete anerkennen.
  • Das ukrainische Militär soll auf 400'000 Personen verkleinert werden und keine Langstrecken-Waffen mehr einsetzen dürfen.
  • Die Waffenhilfe für Kiew soll zurückgefahren werden. Es dürfen keine ausländischen Truppen in der Ukraine sein.
  • Welche Konzessionen der Kreml machen muss, ist unklar.

Über einen militärischen Rückzug der Ukrainer hatte Trump schon früher gesprochen und es Gebietsaustausch genannt. In den letzten Wochen zeigte er sich allerdings zunehmend enttäuscht wegen Putins mangelnder Verhandlungsbereitschaft.

Ukraine doppelt in Schwierigkeiten

Trump sagte einen zweiten Gipfel in Budapest vorerst ab und verhängte schmerzhafte Sanktionen gegen die grossen russischen Ölexporteure Rosneft und Lukoil. Die angebliche Wiederannäherung zwischen Washington und Moskau trifft die Ukraine in einem doppelt ungünstigen Moment.

An der Front im Osten ist der Fall der lange umkämpften Stadt Pokrowsk nur noch eine Frage der Zeit. Auch weiter südlich hat die ukrainische Armee Stellungen räumen müssen. Innenpolitisch steht Selenskyj unter Druck wegen eines Korruptionsskandals, der bis in sein Umfeld reicht.

Donald Trump schwärmt am 22. August im Weissen Haus von seinem Gipfeltreffen mit Putin in Alaska.
Donald Trump schwärmt am 22. August im Weissen Haus von seinem Gipfeltreffen mit Putin in Alaska.
Bild: Keystone

Zwei Minister mussten bislang zurücktreten. Nach Selenskyjs Rückkehr von einer Auslandsreise werden für heute weitere Gespräche in Parlament und Regierung über personelle Konsequenzen erwartet. In Kiew wird auch über eine Entlassung von Andrij Jermak diskutiert, der als Leiter des Präsidentenbüros als mächtig gilt.

Selenskyj: Nur Trump kann Krieg beenden

Eine direkte Reaktion der Ukraine auf den amerikanisch-russischen Plan gab es nicht. Selenskyj beschwor jedoch Trump, sich für einen gerechten Frieden einzusetzen. «Nur Präsident Trump und die USA haben genügend Kraft, dass dieser Krieg zu einem Ende kommt», schrieb er in sozialen Netzwerken.

Nach Gesprächen in Ankara dankte er dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, dass die Türkei weiter als Gastgeberin für Verhandlungen bereitstehe. Doch das Wichtigste für ein Ende des Blutvergiessens und einen dauerhaften Frieden sei, dass die USA sich stark und effektiv engagierten.

Erdogan rief in Ankara zu neuen Gesprächen zwischen Kiew und Moskau in Istanbul auf. Wie bei Trumps Friedensinitiative für Gaza sollen laut «Axios» Katar und die Türkei ebenfalls an dem Ukraine-Plan beteiligt sein.

Europäer bleiben bislang aussen vor

In den europäischen Hauptstädten war zu dem Plan wenig bekannt. Aus EU-Kreisen in Brüssel hiess es, dass es Gespräche der USA mit beiden Kriegsparteien gebe, den neuen Plan habe man aber noch nicht gesehen. Aktuell scheine eher Russland ein Interesse an der Verbreitung solcher Nachrichten zu haben. Es sei eine Art Ablenkungsmanöver, denn der Druck durch die US-Sanktionen gegen die russische Ölindustrie sei gewachsen.

Das Nachrichtenportal «Politico» zitierte einen nicht genannten Vertreter der Trump-Administration mit der Einschätzung, dass Selenskyj unter dem Druck innen und an der Front einlenken müsse. Die gemachten Vorschläge seien vernünftig. Auf die europäischen Verbündeten sei dabei kaum Rücksicht genommen worden.

Selenskyj trifft heute eine US-Militärdelegation in Kiew. Sie wird von Daniel Driscoll geführt, dem für das Heer zuständigen Staatssekretär im US-Verteidigungsministerium. In einem Gespräch am gestrigen Mittwoch versuchte der ukrainische Verteidigungsminister Denys Schmyhal, die Ukraine als verlässlichen und wichtigen Partner der USA darzustellen. Sein Land habe in der Drohnentechnik etwas zu bieten.


Europäer reagieren verhalten auf US-Vorstoss zu Ukraine-Krieg

Europäer reagieren verhalten auf US-Vorstoss zu Ukraine-Krieg

STORY: Führende Vertreter der Europäischen Union haben verhalten auf den neuen US-Vorstoss für Friedensverhandlungen zwischen der Ukraine und Russland reagiert. Die EU-Aussenbeauftragte Kaja Kallas sagte zum Auftakt eines Treffens der Aussenministerinnen und Aussenminister am Donnerstag in Brüssel, damit ein Plan funktioniere, brauche es die Ukrainer und Europäer an Bord. Auch Bundesaussenminister Johann Wadephul äusserte sich bei seiner Ankunft am Vormittag ähnlich. «Alle Verhandlungen über einen Waffenstillstand, über auch eine weitere friedliche Entwicklung der Ukraine angeht, das kann nur mit der Ukraine besprochen und verhandelt werden. Und da wird Europa einzubeziehen sein.» // «Wir begrüssen jede Initiative, die ergriffen wird, um in einen Verhandlungsmodus zu kommen. Aber die erste Voraussetzung ist, dass Wladimir Putin seinen aggressiven Angriffskrieg gegen die Ukraine beendet, dass wir zu einem Waffenstillstand kommen, ohne jede Vorbedingung.» Die Nachrichtenagentur Reuters hatte am Mittwoch unter Berufung auf zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen berichtet, die USA drängten die Ukraine zu Gebietsabtretungen als Voraussetzung für ein Ende des Krieges. Vorgesehen sei auch, dass die ukrainische Armee auf bestimmte Waffen verzichte und verkleinert werde. Demnach forderte die US-Regierung den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj auf, den von Washington entworfenen Rahmen zur Beendigung des Krieges zu akzeptieren.  Ein solcher Plan wäre ein herber Rückschlag für Kiew, das mit weiteren russischen Gebietsgewinnen in der Ostukraine und einem Korruptionsskandal konfrontiert ist. Das Weisse Haus lehnte eine Stellungnahme ab.  Aus Russland hiess es am Donnerstag, es gebe Kontakte mit den USA, aber derzeit keine Verhandlungen über einen Friedensplan. Ein solcher Plan müsse aber die Ursachen des Konflikts beseitigen, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow.

20.11.2025