Frachter auf dem Weg nach Iran Versorgt China das Regime mit Chemikalien?

Oliver Kohlmaier

8.3.2026

Für seine Raketen ist Iran auf Chemikalien aus dem Ausland angewiesen.
Für seine Raketen ist Iran auf Chemikalien aus dem Ausland angewiesen.
Vahid Salemi/AP/dpa

Zwei Frachter verlassen einen chinesischen Hafen Richtung Iran – womöglich beladen mit militärischen Chemikalien. Offiziell ruft Peking im Iran-Krieg zur Zurückhaltung auf. Spielt China ein doppeltes Spiel?

Redaktion blue News

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  • Laut einem Medienbericht haben zwei beladene Frachter einen chinesischen Hafen verlassen, der als Umschlagsplatz für militärische Chemikalien gilt.
  • Die beiden Containerschiffe sind demnach unterwegs nach Iran.
  • Einem Experten zufolge handelt es sich im eine bewusste politische Entscheidung Pekings. Offiziell ruft China im Iran-Krieg hingegen zur Zurückhaltung auf.

Zwei Frachtschiffe einer iranischen Firma, die mit dem Raketenprogramm Teherans in Verbindung steht, haben einen Lagerhafen in China verlassen und sind auf dem Weg nach Iran. Dies berichtet die «Washington Post» unter Berufung auf Schiff-Tracking-Daten, Satellitenbilder sowie Dokumente des US-Finanzministeriums.

Dem Bericht zufolge gehören die beiden Schiffe der staatlichen Islamic Republic of Iran Shipping Lines (IRISL). Dabei handelt es sich um ein Unternehmen, das von den USA, Grossbritannien und der Europäischen Union mit Sanktionen belegt ist. Der Firma wird demnach vorgeworfen, Iran mit militärischen Gütern zu beliefern. Experten zufolge ist der chinesische Hafen Gaolan in Zhuhai dafür bekannt, Chemikalien umzuschlagen, die als wichtige Bestandteile für Raketentreibstoff verwendet werden.

«Bewusste politische Entscheidung»

Die Frachter «Shabdis» und «Barzin» können 6500 respektive 14'500 Container aufnehmen und sind unterwegs in internationalen Gewässen. Dem Bericht zufolge haben neben den beiden Frachtern in diesem Jahr rund ein Dutzend weitere Schiffe den Hafen Richtung Iran verlassen.

«Der Hafen von Gaolan beherbergt einige der grössten Terminals für die Lagerung flüssiger Chemikalien in Südchina», sagt indessen Miad Maleki, ein ehemaliger Beamter des US-Finanzministeriums, der an Sanktionen gegen den Iran mitgearbeitet hat.

Isaac Kardon, Senior Fellow bei der Carnegie Endowment for International Peace, erklärt gegenüber der Zeitung: «China hätte diese Schiffe im Hafen festhalten, eine administrative Verzögerung verhängen, eine Zollsperre erfinden können – es hätte eine Vielzahl bürokratischer Instrumente einsetzen können, hat dies aber nicht getan. Das ist eine bewusste politische Entscheidung, die während eines aktiven Krieges getroffen wurde, in dem Peking öffentlich zur Zurückhaltung aufruft.»

Die Vereinigten Staaten werfen China seit Jahren vor, seinem Verbündeten Iran Technologie und Materialien im Zusammenhang mit Raketen zur Verfügung zu stellen. Peking hat direkte Unterstützung oft bestritten und erklärt, die Vorwürfe der USA würden den Handel mit kommerziellen Gütern überbewerten.


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