«Tötet alle»US-Militär jagt Überlebende auf Drogen-Boot – Trump verteidigt Hegseth
dpa
2.12.2025 - 04:30
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth Hegseth spricht von «fabrizierten» Medienberichten. (Archivbild)
Bild:Keystone/AP Photo/Darron Cummings
Berichte über einen möglichen Verstoss gegen das Völkerrecht sorgen für öffentlichen Druck auf Pentagon-Chef Pete Hegseth. Im Weissen Haus pocht man auf die Rechtmässigkeit der Operation in der Karibik.
,
DPA, Redaktion blue News
02.12.2025, 04:30
dpa
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
Die US-Armee soll nach einem Angriff auf ein Drogen-Boot in der Karibik Überlebende gezielt getötet haben.
Kritiker sprechen von völkerrechtswidrigen Hinrichtungen.
Das Weisse Haus stellt sich demonstrativ hinter Pentagon-Chef Pete Hegseth.
In der Debatte um einen möglicherweise völkerrechtswidrigen US-Angriff auf ein Boot in der Karibik stellt sich das Weisse Haus hinter Pentagon-Chef Pete Hegseth. Der Minister habe die Operation autorisiert, räumte Sprecherin Karoline Leavitt ein. Zugleich wies sie aber Darstellungen zurück, wonach Hegseth einen zweiten Schlag auf dasselbe Boot persönlich angeordnet habe.
When asked about a report that Secretary Hegseth ordered the military to kill all passengers aboard a boat suspected of ferrying drugs in September, White House press secretary Karoline Leavitt said Adm. Mitch Bradley made the order for the second strike. https://t.co/OCgRFWVPPMpic.twitter.com/kWNoEeLY4I
Hintergrund sind Berichte des Senders CNN und der «Washington Post» aus der vergangenen Woche, wonach das US-Militär am 2. September ein mutmassliches Drogenschmugglerboot in der Karibik zunächst mit einem Schlag angegriffen und zwei überlebende Männer anschliessend durch einen zweiten Schlag getötet haben soll. Der zweite Angriff könnte laut Experten gegen das Völkerrecht verstossen haben – die Männer hatten sich der «Washington Post» zufolge an das schwelende Wrack geklammert und stellten keine unmittelbare Bedrohung dar.
Berichte: Hegseth ordnete an, «alle zu töten»
Beide Medien berichteten, Hegseth habe zuvor selbst die Anweisung gegeben, «alle zu töten». Laut CNN ist aber unklar, ob der Minister vor dem zweiten Angriff von den Überlebenden wusste. Nach Informationen der «Washington Post» wurde der zweite Schlag angeordnet, nachdem die Überlebenden gesichtet worden waren, um Hegseths Anweisung zu erfüllen.
Defense Secretary Pete Hegseth is declining to comment on a report that he ordered the military to kill all passengers aboard a boat suspected of ferrying drugs in the Caribbean Sea in September.
Seit Wochen greift das US-Militär Boote mit angeblichen Drogenschmugglern in der Karibik und im Pazifik an. Die rechtliche Grundlage der Operationen ist allgemein umstritten. Bei dem Schlag am 2. September – es war der erste bekannte dieser Art – wurden nach Angaben der US-Regierung elf Menschen getötet. Insgesamt wurden demnach seit Beginn der Angriffe rund 80 Menschen getötet.
Hegseth spricht von «fabrizierten» Berichten
Hegseth hat die Vorwürfe im Kontext der Schläge am 2. September zurückgewiesen. Auf der Plattform X sprach er von «fabrizierten» Medienberichten, die darauf abzielten, das US-Militär zu diskreditieren. Präsident Donald Trump stellte sich hinter seinen Minister. Auf die Frage, ob ein solcher Befehl akzeptabel wäre, sagte der Republikaner über Hegseth: «Er sagt, er hat es nicht getan, also muss ich diese Entscheidung nicht treffen.»
As usual, the fake news is delivering more fabricated, inflammatory, and derogatory reporting to discredit our incredible warriors fighting to protect the homeland.
As we’ve said from the beginning, and in every statement, these highly effective strikes are specifically…
In der Pressekonferenz im Weissen Haus am Montag hakten dann mehrere Reporter hartnäckig bei Sprecherin Leavitt nach, wer den zweiten Schlag angeordnet habe und ob bewusst keine Überlebenden zurückgelassen wurden. Leavitt erklärte, Hegeseth habe den zuständigen Admiral autorisiert, die Schläge auszuführen. Sie sagte nicht, dass Hegseth den zweiten Schlag direkt angeordnet habe und betonte stattdessen, der Admiral habe «innerhalb seiner Befugnisse und des Gesetzes gehandelt».
Demokrat nennt Hegseth «unqualifiziert»
Auf die Frage, welches Recht es erlaube, Überlebende gezielt zu töten, erklärte die Sprecherin, der Angriff sei «zur Selbstverteidigung» erfolgt und «im Einklang mit dem Recht bewaffneter Konflikte» durchgeführt worden.
Sen. Mark Kelly just unloaded:
“We have a president who doesn’t understand the Constitution, who installed an unqualified secretary of defense. I can’t think of a single SecDef in U.S. history less qualified than Pete Hegseth. He should’ve been fired after Signal-gate.” pic.twitter.com/EbFTad3eb3
Der demokratische Senator Mark Kelly zeigte sich besorgt. Angehörige des US-Militärs müssten die Gesetzeslage kennen, sagte er und forderte eine Untersuchung des Vorfalls. Ein «unqualifizierter Verteidigungsminister» habe aber dafür wichtiges Personal entlassen. Hegseth laufe herum und rede von «Kriegermentalität und darüber, Menschen zu töten», kritisierte Kelly – das sei «nicht die Botschaft, die vom Verteidigungsminister kommen sollte».
Tote bei erneutem US-Angriff auf mutmassliches Drogenboot
Das US-Militär hat bei einem Angriff auf ein mutmassliches Drogenschmugglerschiff drei Menschen getötet. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth teilte in einem Beitrag auf X einen Clip, der ein Boot im Wasser zeigt, das offenbar getroffen wird.