Das passierte in der Nacht Iran-Krieg: Trump macht mal wieder eine Drohung nicht wahr

Helene Laube

22.4.2026

Eine Frau geht in Teheran an einem Anti-USA- und Anti-Israel-Wandgemälde vorbei. (20. Aprl 2026)
Eine Frau geht in Teheran an einem Anti-USA- und Anti-Israel-Wandgemälde vorbei. (20. Aprl 2026)
Bild: Keystone/EPA/Abedin Taherkenareh

Die Friedensgespräche zwischen dem Iran und den USA sollten diese Woche in die zweite Runde gehen. Jetzt wurden sie fürs Erste ausgesetzt – und die Waffenruhe unerwartet ausgeweitet. Und: Der Iran reagiert mit Skepsis. Das sind die Entwicklungen der vergangenen Stunden.

Redaktion blue News

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • US-Präsident Donald Trump hat die Waffenruhe mit dem Iran überraschend in letzter Minute einseitig für verlängert erklärt.
  • Der Iran reagiert mit Misstrauen und Drohungen.
  • Der US-Vizepräsident wird laut der US-Regierung vorerst nicht zu neuen Iran-Gesprächen fliegen.
  • An den Ölmärkten zeichnet sich vor diesem Hintergrund keine echte Entspannung ab.

Donald Trump macht mal wieder eine Drohung nicht wahr: Die Waffenruhe mit dem Iran gilt weiter – auf unbestimmte Zeit. Das Regime in Teheran spielt erfolgreich auf Zeit.

blue News fasst zusammen, was in der Nacht auf Mittwoch (22.4.) passiert ist.

Trump verlängert erneut Waffenruhe mit Iran

US-Präsident Donald Trump hat die Waffenruhe mit dem Iran überraschend in letzter Minute einseitig auf unbestimmte Zeit verlängert. Auf Bitten Pakistans werde er von Angriffen absehen, bis die Führung im Iran einen «geeinten Vorschlag» zur Beilegung des Krieges unterbreite, teilte er auf Truth Social mit. Die US-Seeblockade iranischer Häfen werde jedoch fortgesetzt.

Teheran habe keine Verlängerung der Waffenruhe erbeten, berichtete die iranische Nachrichtenagentur Tasnim unter Berufung auf Quellen. Eine offizielle Position des Iran werde zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben, hiess es.

Ein Berater des iranischen Parlamentspräsidenten Mohammed Bagher Ghalibaf wies derweil Trumps Ankündigung auf der Plattform X als bedeutungslos zurück. Die «Verliererseite kann die Bedingungen nicht diktieren», schrieb Mahdi Mohammadi. Die Fortsetzung der US-Seeblockade sei mit Bombardierungen gleichzusetzen und müsse militärisch beantwortet werden.

Iran zeigt Misstrauen und droht

Der Iran werde die für den globalen Ölmarkt wichtige Strasse von Hormus nicht freigeben, solange die US-Blockade andauere, meldete die Nachrichtenagentur Tasnim. Notfalls werde sie mit Gewalt durchbrochen, schrieb das Sprachrohr der mächtigen Revolutionsgarden. Aussenminister Abbas Araghtschi hatte kurz vor Ablauf der Feuerpause auf X geschrieben: «Iranische Häfen zu blockieren, ist ein kriegerischer Akt und somit ein Verstoss gegen die Waffenruhe».

Nahost-Konflikt

Immer wieder kommt es zu Eskalationen im Nahen Osten. Jüngst sorgten die USA und Israel mit Angriffen auf den Iran für Unruhen.  blue News informiert dich laufend über alle wichtigen Entwicklungen in Nahost.

Der Berater des Parlamentspräsidenten Ghalibaf argwöhnt, dass Trumps Verlängerung der Waffenruhe eine List sei, «Zeit für einen Überraschungsangriff zu gewinnen». Es sei an der Zeit, dass Teheran die Initiative ergreife, schrieb Mohammadi auf X weiter. Ein Sprecher des iranischen Militärs schrieb auf der Plattform, man bleibe in «höchster Alarmbereitschaft» und sei bereit, auf Bedrohungen oder Taten der Gegner «schnell und entschieden zu reagieren».

Ein Kommandeur der Revolutionsgarden nannte laut der Agentur Fars Ölfelder und Raffinerien in benachbarten Golfstaaten als potenzielle Ziele, falls diese den USA und Israel weiterhin erlauben würden, «ihr Territorium zu nutzen». Das US-Regionalkommando Centcom schrieb auf X, man bleibe einsatzbereit.

Der Nahost-Experte Thomas Juneau von der University of Ottawa beschrieb die Lage auf X als «fragiles Patt». Beide Seiten erwarteten, dass die andere Seite zuerst nachgibt. Vorerst bevorzugten beide, die Kämpfe nicht wieder aufzunehmen. «Jede Seite wähnt sich im Vorteil», schrieb er. Der Iran glaube, dass Trump eine «deutlich niedrigere Schmerzschwelle» habe und angesichts wachsender Unzufriedenheit in seinem eigenen Land und der bevorstehenden Zwischenwahlen zögern werde, den Krieg wieder aufzunehmen, hiess es.

Das US-Magazin «Time» berichtete, seit Kriegsbeginn habe sich die Machtlage im Iran weiter konsolidiert. Die Zuständigkeit für Fragen des Krieges, der Diplomatie und der Eskalation habe sich zunehmend auf einen relativ geschlossenen militärisch-sicherheitspolitischen Kern verlagert. Irans Entscheidungsprozesse hätten sich verändert, seit Modschtaba Chamenei nach der Tötung seines Vaters zum Obersten Führer ernannt wurde, hiess es.

JD Vance streicht geplante Reise nach Pakistan

US-Vizepräsident JD Vance sagte seine Reise nach Pakistan am Dienstag ab. Damit sind die Verhandlungen fürs Erste ausgesetzt. Wie die «New York Times» berichtet , begründet die US-Regierung den Schritt damit, dass Teheran nicht auf US-Positionen und Forderungen eingegangen sei.

Was macht Israel?

Unklar bleibt vorerst, ob sich der Iran an die von Trump verkündete Feuerpause gebunden fühlt. Gleiches gilt auch für Israel. Vonseiten des Büros des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu gab es zunächst keine Reaktion auf Trumps Ankündigung. Irans Erzfeind und die USA hatten den Krieg gemeinsam am 28. Februar begonnen. Ohne Verlängerung wäre die Waffenruhe laut Trump in der deutschen Nacht zu Donnerstag ausgelaufen.

Kein Aufatmen am Ölmarkt

An den Ölmärkten zeichnet sich vor diesem Hintergrund keine echte Entspannung ab. Die Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juni kostete vor Trumps Ankündigung erstmals seit gut einer Woche wieder über hundert Dollar. Anschliessend gab der Preis nur etwas nach und lag zuletzt bei 99 Dollar.

Konflikt in Hormus treibt Gaspreise nach oben

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Amsterdam, 20.04.2026: Der Preis für europäisches Erdgas zieht deutlich an. Grund sind neue Spannungen in der Strasse von Hormus: Der Iran hat die angekündigte Öffnung zurückgenommen und geht militärisch gegen Schiffe vor, die Märkte reagierten sofort. An der Börse in Amsterdam steigt der richtungsweisende TTF-Terminkontrakt für die Lieferung in einem Monat um fast sechs Prozent auf gut 41 Euro je Megawattstunde. Bereits am Wochenende hatte sich die Lage zugespitzt: Die USA brachten einen iranischen Frachter unter ihre Kontrolle. Teheran sprach von «bewaffneter Seepiraterie» und kündigte Gegenmassnahmen an. Die Entwicklungen verschärfen die Unsicherheit auf den Energiemärkten weiter.

21.04.2026