«Niemand wird sie sehen»Warum die Ukraine die Flamingos noch nicht fliegen lässt – und Putin sich dennoch sorgen sollte
Philipp Dahm
3.12.2025
Die FP-5 Flamingo
Das ist der neue ukrainische Marschflugkörper FP-5 Flamingo des Herstellers Fire Point, der am 18. August der Nachrichtenagentur AP Einblick in die Produktion gibt.
Bild: KEYSTONE
Die 12 bis 14 Meter lange Rakete wird vom einem Triebwerk auf maximal 950 km/h beschleunigt und kann 1,1 Tonnen Sprengstoff über 3000 Kilometer weit tragen.
Bild: KEYSTONE
Derzeit wird angeblich eine «Flamingo» pro Tag gebaut: Alleine auf diesem Bild sind sechs Exemplare zu sehen. Ab Oktober sollen 200 pro Monat hergestellt werden.
Bild: KEYSTONE
Im Sprengkopf stecken wahrscheinlich FAB-1000-Bomben, glauben Experten: Die Flamingo hat deutlich mehr Sprengkraft als ukrainische Drohnen.
Bild: KEYSTONE
Das Triebwerk wird in Saporischschja gebaut und hat sich bereits bewährt. Eine Raketenstufe bringt die Rakete vom Boden in die Luft, bis das Triebwerk übernimmt.
Bild: KEYSTONE
Der Ort, an dem die Flamingo produziert wird, ist geheim.
Bild: KEYSTONE
Die FP-5 Flamingo
Das ist der neue ukrainische Marschflugkörper FP-5 Flamingo des Herstellers Fire Point, der am 18. August der Nachrichtenagentur AP Einblick in die Produktion gibt.
Bild: KEYSTONE
Die 12 bis 14 Meter lange Rakete wird vom einem Triebwerk auf maximal 950 km/h beschleunigt und kann 1,1 Tonnen Sprengstoff über 3000 Kilometer weit tragen.
Bild: KEYSTONE
Derzeit wird angeblich eine «Flamingo» pro Tag gebaut: Alleine auf diesem Bild sind sechs Exemplare zu sehen. Ab Oktober sollen 200 pro Monat hergestellt werden.
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Im Sprengkopf stecken wahrscheinlich FAB-1000-Bomben, glauben Experten: Die Flamingo hat deutlich mehr Sprengkraft als ukrainische Drohnen.
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Das Triebwerk wird in Saporischschja gebaut und hat sich bereits bewährt. Eine Raketenstufe bringt die Rakete vom Boden in die Luft, bis das Triebwerk übernimmt.
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Der Ort, an dem die Flamingo produziert wird, ist geheim.
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Die ukrainische Flamingo-Rakete wurde als Gamechanger angekündigt, ist bisher aber kaum eingesetzt worden. Nun verrät der Hersteller, woran das liegt – und bereitet Wladimir Putin wahrscheinlich Kopfzerbrechen.
Im August ist sie mit grossem Tamtam vorgestellt worden: Die ukrainischen Streitkräfte präsentieren eine neue Langstrecken-Rakete, die das Zeug dazu hat, den Krieg zu verändern. Die FP-5 Flamingo soll 1150 Kilogramm Sprengstoff mit 900 km/h 3000 Kilometer weit tragen können.
Zum Vergleich: Der relativ neue ukrainische Marschflugkörper R-360 Long Neptune hat nur einen 260 Kilogramm schweren Sprengkopf und eine Reichweite von 1000 Kilometer. Nicht nur deshalb liefert die Flamingo deutlich mehr Schlagkraft, und das dreimal so weit – sie sollte inzwischen auch in hoher Stückzahl verfügbar sein.
Bis zum Dezember wolle man die Produktion auf sieben Exemplare pro Tag hochschrauben, hiess es noch im August. Doch die bisher bestätigten Einsätze der Waffe lassen sich an einer Hand abzählen. Beim ersten Abschuss am 30. August werden Ziele auf der Krim getroffen.
Alles gelogen?
In den weiteren Wochen bleibt es jedoch still um Kiews Innovation. Im Oktober räumt Präsident Wolodymyr Selenskyj einen zweiten Einsatz ein, ohne ins Detail zu gehen. Am 9. Oktober postet ein pro-russischer Blogger Bilder, die angeblich Flamingo-Wrackteile zeigen sollen, ohne dabei den Fundort zu benennen.
Auch die russischen Medien berichten an jenem Tag von einem Abschuss: Die Flamingo sei demnach von einem Flugabwehrsystem 9K37 Buk in 100 Meter Höhe über russischem Territorium abgefangen worden sein, als der Flugkörper rund 600 km/h schnell gewesen sein soll.
Ukrainian forces released a video showing the launch of several Flamingo missile. According to UA forces the missiles were used in the last night‘s strike against energy facilities in Oryol, Russia.
Es dauert bis zum 13. November, bis Kiews Armee mal wieder einen Flamingo-Einsatz einräumt – und schon wieder werden keine Details genannt. Und das war's: Für einen Gamechanger erzielt Kiews neue Waffe bisher zu wenig Wirkung. Kein Wunder, dass mancher überlegt: «Die ukrainische Flamingo-Rakete könnte eine Lüge sein».
Was der Flamingo noch fehlt
Wo sind also nun die Flamingos? Die Produktion läuft, versichert Denys Shtilerman, der Mitbesitzer und Chef-Designer der Herstellerfirma Fire Point. Es gibt ein technisches Problem, erklärt er. Seine Raketen können noch nicht so tief fliegen, wie sie sollen – weil Daten fehlen.
Once Ukraine has terrain maps of Russia, the Flamingo missile will fly at an altitude of 30-40 meters, and no one will be able to see it from the ground, Denys Shtilerman, co-owner and chief designer of Fire Point company, said.
«Wenn wir über Karten mit genauen Höhenangaben verfügen, können wir Geländemerkmale ausschliessen und einen Kartenabgleich auf der Grundlage des TERCOM-Systems durchführen, das seit Ende der 1980er-Jahre in Betrieb ist», sagt er. TERCOM meint einen Gelände-Kontur-Abgleich zur Navigation der Rakete.
«Leider hat die Ukraine derzeit keine akkuraten Geländekarten der Russischen Föderation», bedauert Shtilerman. «Aber das Problem wird vom Militär sehr schnell gelöst werden.» Das sei auch wichtig für die Steuerung anderer ukrainischer Raketen-Typen.
Warum Putin ein Problem hat, wenn Kiew sein Ziel erreicht
Mit Blick auf den Abschuss einer Flamingo am 9. Oktober in Russland ergänzt der Ukrainer: «Unsere Rakete wurde auf einer Höhe von 114 Metern abgefangen – man kann sie jetzt schon kaum sehen. Ich will nicht zu viel sagen, aber bei einer Höhe von 30 bis 40 Meter über Grund wird sie vom Boden niemand sehen.»
❗️🇺🇦Ukrainian FP-5 Flamingo cruise missile, reportedly used in the overnight attack on 🇷🇺Orel
Eine gute Abfangchance habe Russland nur dann, wenn Kampfjets mit einem guten Radargerät in der Luft seien: «Nur dann kann sie gesehen werden.» Woher Kiew nun die fehlenden Höhendaten für die Flamingo-Tiefflüge beziehen will, wurde – selbstverständlich – nicht ausgeführt.
Die ukrainischen Streitkräfte sind, wie auch die russische Seite bestätigt, in der Lage, in bestimmten Gebieten Russlands die Flamingo in gut 100 Metern Höhe fliegen zu lassen. Sollte die Flughöhe auf 30 Meter absinken, bleibt die Rakete im Radarschatten stationärer Anlagen – und genau daran arbeitet Kiew.
#UkrainianView
FP-5 Flamingo is now just a month from IOC, and Ukraine starts to exceed Russian capabilities, it's a watershed moment in the war as a whole. Meanwhile Russian system fail as budgets are slashed.
Bleibt die Frage, ob Fire Point tatsächlich eine Produktionszahl von 210 Exemplaren im Monat erreichen kann. Die grosse Frage hierbei ist, woher die Triebwerke für diese hohe Anzahl herkommen sollen. Dieses Rätsel klärt nun «Defense Express» durch eine Nachfrage beim Hersteller: Fire Point hat unter einem Deckmantel den entsprechenden Markt leergekauft.
Tricksereien auf der Waffenschau in Abu Dhabi
Die Ukrainer haben die Flamingo bereits im Februar bei der Waffenschau IDEX 2025 präsentiert – allerdings nicht unter eigenem Namen, sondern als Projekt am Stand der Rüstungsfirma Milanion Group, die in Grossbritannien und den Vereinigten Arabischen Emiraten beheimatet ist.
Alle wie bei der ukrainishen FP-5 Flamingo: Werbung für die FP-5 von Milanion.
PR
Was der Mummenschanz soll? First Point nutzt den Deckmantel, um den Markt an alten Triebwerken des Typs AI-25 und AI-25TL leerzukaufen, ohne Verdacht der Russen zu erregen, erzählt Shtilerman «Defense Express». Als Moskau realisiert habe, dass nicht Milanion am Werk ist, sondern seine Firma, sei es zu spät gewesen.
850 bis 950 km/h und 3000 mKilometer Reichweite: Ein: IDEX-2025-Messebericht über das vermeintliche Milanion-Konzept vom Februar auf einer pro-russischen Website.
vpk.name
Die Triebwerke sind von Iwtschenko Progress in Saporischschja gebaut worden und können so weit überholt werden, dass sie vier Stunden Flugzeit haben, so «Defense Express»: Das passe genau zur maximalen Flugdauer der Flamingo.
AI-25TL-Triebwerk, ausgestellt im Szolnoki Repülőmúzeum in Ungarn. In verschiedenen Versionen wurde das Triebwerk gut 9300 Mal gebaut.
Commons/VargaA
Fazit: Kiew dürfte inzwischen über ein kleines Arsenal an FP-5-Raketen verfügen. Sobald es den Sicherheitsdiensten gelingt, die Höhendaten aus Russland zu beschaffen, könnten die ukrainischen Streitkräfte den Gegner mit ganzen Salven dieser neuen Waffe konfrontieren – massive Schläge, die Putin wohl sehr weh tun würden.
Neuer Rückschlag für den Kreml – Putins «Wunderwaffe» scheitert bei Test – wieder einmal
Eine Rakete hebt ab – Sekunden später ein Feuerball. Die angebliche Wunderwaffe «Satan 2» kippt, brennt und stürzt ab. Ein weiterer Test, der Russlands Prestigeprojekt schwer ins Wanken bringt.