Plötzlich sagt er «bitte»Warum eine Neuwahl in Tennessee zur nächsten Nagelprobe für Trump wird
Philipp Dahm
3.12.2025
Wenn der republikanische Kandidat im 7. Wahlkreis in Tennessee nicht klar gewinnt, hat Trump ein Problem.
KEYSTONE
Die Neuwahl im US-Bundesstaat Tennessee ist eigentlich eine glasklare Sache: Im 7. Wahlkreis hat Donald Trump stets mit deutlichem Abstand gewonnen. Was, wenn der republikanische Kandidat heute nur knapp siegt – oder gar gegen die demokratische Gegenkandidatin verliert?
Weil ein Republikaner in die Privatwirtschaft wechselte, finden im 7. Wahlkreis von Tennessee heute Wahlen statt. Der Republikaner Matt Van Epps tritt gegen die Demokratin Aftyn Behn an.
Der Wahlreis ist tiefrot: Trump hat bei den letzten drei Wahlen mit zweistelligem Vorsprung gewonnen – zuletzt mit 22 Prozent.
Ein Prognosemarkt räumt der Demokratin dennoch eine 15-prozentige Siegchance ein. Auf 68 Prozent wird die Chance taxiert, dass der Republikaner nur mit einstelligem Vorsprung gewinnt.
Gewinnen die Republikaner nur knapp, käme das einem «riesigen Wechsel nach links» gleich – und wäre aus diesem Grund ein böses Omen für Trump und die Zwischenwahlen 2026.
Update 3. Dezember, 8.15 Uhr: Van Epps hat Behn mit rund 9 Prozent Vorsprung besiegt, schreibt heute die BBC.
Donald Trump schlägt neue Töne an: «Bitte geht raus und wählt morgen», fordert der US-Präsident alle «Amerika-Zuerst-Patrioten» im 7. Wahlkreis im US-Bundesstaat Tennessee auf, wo heute zur Wahl gerufen wird.
Die Wahl wird fällig, weil der republikanische Abgeordnete Mark Green in die Privatwirtschaft gewechselt ist. Für ihn will Matt Van Epps ins Repräsentantenhaus einziehen und den Republikanern dort die schmale Mehrheit erhalten.
«Er wird ein grossartiger Abgeordneter sein, und im Gegensatz zu seiner Konkurrentin schätzt er das Christentum und Countrymusik», schreibt Trump mit Blick auf die Demokratin Aftyn Behn. «Sie hat offen eingeräumt, dass sie sie beide hasst.»
In der Theorie muss sich der 79-Jährige keine Sorgen machen, dass die ohnehin schon knappe republikanische Mehrheit im Repräsentantenhaus weiter schmilzt: Der Wahlkreis ist tiefrot. Donald Trump hat ihn bei den letzten Präsidentschaftswahlen stets mit deutlichem Abstand gewonnen.
Und dennoch hat Trump Grund dazu, nervös zu sein.
«Riesiger Wechsel nach links»
Wie rot dieser Wahlkreis ist, zeigt CNN: Bei der Präsidentschaftswahl 2016 hat Trump hier mit 17 Prozent Vorsprung gesiegt. Auch gegenüber Joe Biden hatte er dort 2020 einen Vorsprung von 15 Prozent. Und 2024 hat er den 7. Wahlkreis sogar mit 22 Prozent Unterschied für sich entschieden.
USA TODAY: “Trump says ‘whole world is watching’ TN-7 as GOP works to avert disaster… Signaling a potential blue wave in the 2026 midterm elections, Behn and Van Epps are locked in a tight race in a district that Trump carried by 22 points…” www.usatoday.com/story/news/p...
Für den republikanischen Kandidaten sollte das Rennen – zumal mit Trumps Unterstützung – also eigentlich schon gelaufen sein. Ein Prognosemarkt räumt der Demokratin Aftyn Behn dennoch eine 15-Prozent-Chance ein, für eine Überraschung zu sorgen. Das tönt nach wenig, ist für den republikanisch dominierten Bezirk aber dennoch beachtlich.
Spannender findet CNN-Analyst Harry Enten jedoch einen anderen Wert: Der Prognosemarkt terminiert die Chance, dass sich Matt Van Epps mit einem nur einstelligen Prozentsatz durchsetzt, bei 68 Prozent. Das wäre eine «signifikant niedrigere Spanne», sagt Enten über dieses Szenario: «Wir reden über einen riesigen Wechsel nach links.»
Gute Nachrichhten für die Demokraten
Dass der demokratischen Kandidatin überhaupt eine Siegchance eingeräumt wird, sei bemerkenswert. Hinzu komme, dass die Demokraten bei den bisherigen Neuwahlen in diesem Jahr besser abgeschnitten hätten, als es Kamala Harris im November 2024 bei der Präsidentschaftswahl getan habe.
Im 7. Wahlkreis von Arizona, in Florida, Texas und Virginia haben die demokratischen Kandidierenden samt und sonders besser abgeschnitten als Kamala Harris im November 2024. Zur Verdeutlichung: Im Fall etwa von Florida haben dennoch Republikaner gewonnen.
YouTube/CNN
Enten hat eine weitere Statistik parat: In fünf von fünf Fällen hat die Partei, die seit 2005 bei Neuwahlen dominiert hat, bei den Zwischenwahlen das Repräsentantenhaus gewonnen. Die Ergebnisse seien für die Demokraten mit Blick auf die Midterms im kommenden Jahr also gute Nachrichten.
TN CD-7
“While Matt Van Epps says there is ‘no policy’ of Donald Trump’s that he disagrees with, even if it means skyrocketing costs for Tennessee families, Aftyn Behn is laser-focused on lowering grocery, housing, and health care costs.”
#USDemocracy #MomSky
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Die Wahl in Tennessee findet vor der Hintergrund sinkender Umfragewerte für den Präsidenten statt: Eine Gallup-Umfrage vom 28. November sieht Trumps Zustimmung bei nur noch 36 Prozent. 60 Prozent der Teilnehmenden sind mit seiner Arbeit unzufrieden.
Den niedrigsten Umfragewert bei diesem Institut hatte der New Yorker – notabene am 6. Januar 2021 beim Sturm auf das Kapitol – mit 34 Prozent erreicht.