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Polnische Soldaten verlegen Stacheldraht an der Grenze zu Kaliningrad (Archivbild).
EPA PAP
Ein US-Journalist warnt auf Instagram vor einem russischen Einmarsch in Polen. Der britische «Telegraph» titelt: «Russland plant einen Angriff». Was ist dran an dem Alarm?
«Die Vereinigten Staaten haben Polen angeblich gesagt, dass Russland einen Angriff auf die Nato plant – insbesondere auf Polen –, um die Entschlossenheit der Nato zu testen», berichtet US-Journalist Aaron Parnas seinen 3,1 Millionen Followern auf Instagram.
Das Land könnte mit einem Raketenhagel eingedeckt werden. «Oder russische Soldaten greifen Polen an Land an: im Prinzip eine Bodeninvasion Polens», heisst es weiter. Parnas führt die polnische Website Onet als Quelle an. «Sie besagt, dass die Vereinigten Staaten Polen eindringlich vor einer möglichen russischen Attacke warnen.»
Moskau wolle auf diesem Wege seine Aussichten bei etwaigen Friedensverhandlungen mit der Ukraine verbessern. Ziel sei es, Druck auf Kiews Verbündete im Westen aufzubauen, damit diese ihre Militärhilfen einstellten. Ein Angriff mit konventionellen Kräften würde den Artikel 5 der NATO betreffen: Die USA müssten Polen dann verteidigen.
Das tönt dramatisch: Was ist an der Geschichte dran? Ryan McBeth geht mit seinem Landsmann hart ins Gericht: «Russland kann sich nicht mal in der Ukraine verteidigen», kommentiert der Veteran, Software-Experte und Geheimdienstanalyst, «und das absolut Letzte, was Russland will, ist die Nato in den Krieg hineinzuziehen.»
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Es wäre «ein absolutes Desaster» für den Kreml: Das westliche Bündnis würde in 36 bis 48 Stunden die Lufthoheit gewinnen: «Ihr habt gesehen, was mit dem Iran passiert ist.» Auch dort hätten die USA demonstriert, wie überlegen ihre Luftwaffe ist. Russland verfüge zwar mit der Exklave Kaliningrad über eine Festung inmitten des Nato-Gebiets, doch das dortige 11. Armeekorps sei grossteils in die Ukraine verlegt worden.

Kaliningrad auf der Landkarte.
Google Earth
«Russland hat vielleicht um die 6000 Kräfte in Kaliningrad», sagt McBeth. Hinzu kämen wahrscheinlich S-400-Flugabwehrsysteme, ballistische Raketen vom Typ Iskander und Drohnen. Polens Streitkräfte verfügten über 215'000 Soldaten und Reservisten. Was das bedeute, könne man sich selbst ausrechnen, so der 50-Jährige.
Auch für einen Angriff über Belarus habe «Russland einfach nicht die Kräfte» – zumal Minsk nicht sehr erpicht darauf scheint, in Moskaus Kriege hineingezogen zu werden.
Belarus’s president says his army will not take part in Russia’s invasion of Ukraine, seemingly ruling out Kyiv’s fears that Moscow was pressuring Minsk to join its war effort. Lukashenko told an audience of senior officers & military graduates on Monday that Belarus wouldn’t send troops to Ukraine.
— Jon Cooper (@joncooper-us.bsky.social) 6. Juli 2026 um 15:20
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Trotz dieser Vorzeichen schreibt auch der «Telegraph», Moskaus Soldaten könnten via Kaliningrad oder Belarus die Grenze nach Polen überqueren: «Russland plant einen Angriff auf Polen, um die Entschlossenheit der NATO auf die Probe zu stellen, warnen die USA», titeln die Briten.
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«Das ist Clickbaiting», nervt sich McBeth, denn in der Originalquelle auf dem polnischen Portal Onet heisst es: «Entscheidend ist, dass es laut unseren Gesprächspartnern nicht um einen klassischen Krieg mit einer gross angelegten russischen Invasion in unserem Land geht, sondern – wenn überhaupt – um eine militärisch begrenzte Provokation.»
Wie könnte so eine begrenzte Provokation aussehen? Es geht um Massnahmen, die Russland zum Teil schon getestet hat: Vorgeblich fehlgeleitete Drohnen dringen in den Luftraum ein und treffen womöglich ein Umspannwerk oder andere Strom-Infrastruktur.
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Truppen könnten sich wegen GPS-Problemen «verirren» oder ein Helikopter fliegt wegen «mechanischer Probleme» über die Grenze und muss geborgen werden. Der «Telegraph» selbst hält fest, dass nur eine polnische Quelle davon spricht, dass im «extremsten Szenario» allenfalls «hybride Angriffe in der Grenzregion» möglich seien.
📢🇵🇱 I do not believe that Poland will go to war against Russia. I believe that there will be no war against Russia, because we are strong enough to stop the invasion, the attack will not succeed, — former Polish President Duda.
— MAKS 26 👀🇺🇦 (@maks23.bsky.social) 4. Juli 2026 um 11:29
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Ein Krieg mit der Nato ist also eher unwahrscheinlich. Journalist Parnas glaubt trotzdem daran. Und er bezweifelt, dass die USA Polen im Falle eines russischen Angriffs zur Seite stehen würden: «Wir wissen nicht, ob die Trump-Administration sich an den Artikel 5 halten wird – insbesondere, weil wir in den letzten 24 Stunden erfahren haben, dass Verteidigungsminister Pete Hegseth kurz davor war, US-Truppen aus Polen abzuziehen», sagt Journalist Parnas auf Instagram.
Auch das ist Clickbaiting, meint McBeth – wie auch Abgesänge auf das Ende der Nato: «Tatsache ist, dass wir 80'000 Soldaten in Europa stationiert haben: Haben Sie auch nur eine Ahnung davon, was es braucht, um 80'000 Soldaten heimzuholen?»
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Zumal offenbar das Gegenteil der Fall ist: Wie die polnische Zeitung «Dziennik Gazeta Prawna» berichtet, wollen die USA ihre Truppen [in Polen] in den nächsten drei Monaten um 5000 Soldaten aufstocken, womit dann 11'000 US-Kräfte in dem Land stationiert wären.
Poland invities US to establish a permanent military base on NATO's eastern flank to strengthen regional security. While Warsaw claims Washington shows interest in the co-financed proposal, the Pentagon remains noncommittal following a sudden halt of 4,000 troops in May.
— Flingjore (@flingjore.com) 18. Juni 2026 um 08:42
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Warschau verhandele zudem mit Washington über die Errichtung eines permanenten US-Stützpunktes, die in sechs bis zwölf Monaten abgeschlossen werden solle. In den nächsten Monaten werde sich deswegen Präsident Karol Nawrocki mit Donald Trump treffen, endet die «Dziennik Gazeta Prawna».