Trump lässt nicht locker Was Grönland für die USA so wichtig macht – besonders jetzt

dpa

12.3.2025 - 00:00

Grönland ist sechs Mal so gross wie Deutschland, hat aber nur knapp 57.000 Einwohner. (Archivbild)
Grönland ist sechs Mal so gross wie Deutschland, hat aber nur knapp 57.000 Einwohner. (Archivbild)
Steffen Trumpf/dpa

Trump würde gern Grönland in US-Besitz nehmen, das hat er bereits mehrfach erklärt – so auch erneut kurz vor der Parlamentswahl auf der Insel an diesem Dienstag. Was genau steckt dahinter?

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Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • US-Präsident Donald Trump hat wiederholt ein Interesse an Grönland bekundet. Sein Vorstoss ist Teil einer aggressiven aussenpolitischen «America First»-Agenda.
  • Das sich selbst regierende Territorium von Dänemark hat – auch durch den Klimawandel – eine wichtige strategische Bedeutung erlangt.
  • Das Schmelzen der Eisdecke legt Grönlands Mineralienreichtum offen, und die fortschreitende Meereseis-Schmelze öffnet die einst mythenhafte Nordwest-Passage durch die Arktik

Als US-Präsident Donald Trump 2019 zum ersten Mal die Idee äusserte, Grönland zu kaufen, hielten Leute das für einen Scherz. Aber jetzt lacht niemand mehr. Seit Trump am 20. Januar ins Amt zurückgekehrt ist, hat er mehrere Male sein Interesse an Grönland bekräftigt, so erneut kurz vor der Parlamentswahl auf der Insel am Dienstag auf seiner Social-Media-Plattform Truth Social.

Sein Vorstoss ist Teil einer aggressiven aussenpolitischen «America First»-Agenda, die sich unter anderem in der Androhung einer Übernahme des Panamakanals und Äusserungen, dass Kanada 51. Bundesstaat der USA werden sollte, widerspiegelt.

Warum das Interesse?

Kurz zusammengefasst: Wachsende internationale Spannungen, die Erderwärmung und die sich wandelnde globale Wirtschaft haben Grönland ins Zentrum der Debatte über Welthandel und Sicherheit gerückt. Und Trump möchte sicherstellen, dass die USA dieses rohstoffreiche Land kontrolliert, das sozusagen als ein Torwächter beim Zugang zu Nordamerika von der Arktik und dem Nordatlantik betrachtet werden kann.

Was ist Grönlands Status?

Bislang ist die Insel ein sich selbst regierendes Territorium von Dänemark, einem langjährigen US-Verbündeten, bei dem Trumps Begehren auf entschiedene Ablehnung gestossen ist. Dänemark hat auch das Recht Grönlands auf Unabhängigkeit zu jedwedem gewünschten Zeitpunkt anerkannt.

Vor dem Hintergrund von Trumps Äusserungen und verbreiteten Forderungen, dass es den Grönländern überlassen sein müsse, ihr eigenes Schicksal zu bestimmen, hat der Regierungschef der Insel für (den heutigen) Dienstag vorgezogene Parlamentswahlen angesetzt. Auf der weltgrössten Insel leben etwa 56.000 Menschen, die zumeist der Inuit-Volksgruppe angehören – und bis jetzt vom Rest der Welt weitgehend ignoriert worden waren.

Was hat sich geändert?

Die Erderwärmung dünnt das arktische Eis aus, was die Entstehung eines nordwestlichen Schiffsweges für den internationalen Handel bedeutet und den Wettbewerb zwischen Russland, China und anderen Ländern um den Zugang zu den Mineralien in der Region neu befeuert.

«Lasst uns klar sein: Wir treten bald in das arktische Jahrhundert ein, und sein prägendstes Merkmal wird Grönlands kometenhafter Aufstieg, anhaltende Bedeutung und allgegenwärtiger Einfluss sein», sagt Dwayne Memezes von der Polar Research and Policy Initiative, einer Denkfabrik in London. «Grönland – an der Kreuzung zwischen Nordamerika, Europa und Asien gelegen und mit einem enormen Potenzial an Ressourcen – wird nur noch strategisch bedeutsamer werden, hofiert von all den grossen und kleinen Mächten. Eine ist ziemlich erpicht, einen Schritt weiter zu gehen und es zu kaufen.»

Grönland erteilt Trump eine Abfuhr: Wir wollen keine Amerikaner sein

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US-Präsident Donald Trump hatte in seiner Rede vor dem US-Kongress bekräftigt, die im Arktischen Ozean liegende Insel in die USA eingliedern zu wollen.

07.03.2025

Diese Faktoren treiben das US-Interesse an Grönland an:

Arktischer Wettbewerb

Im Gefolge des Kalten Krieges war die Arktis weitgehend ein Gebiet internationaler Kooperation. Aber der Klimawandel, die Jagd nach raren Ressourcen und wachsende internationale Spannungen infolge der russischen Ukraine-Invasion treiben nun erneut den Wettbewerb in der Region an.

Strategische Bedeutung

Grönland liegt vor der nordöstlichen Küste Kanadas, mehr als zwei Drittel des Territoriums befindet sich innerhalb des Polarkreises. Das hat das Land seit dem Zweiten Weltkrieg, als die USA es besetzten, um sicherzustellen, dass es nicht in die Hände von Nazi-Deutschland fällt, äusserst wichtig für die Verteidigung Nordamerikas gemacht. Und es gilt, essentielle nordatlantische Schiffswege zu schützen.

Die USA haben seit dem Krieg Stützpunkte auf der Insel behalten, und die Pazific Space Base – die ehemalige Luftwaffenbasis Thule – spielt für die USA und Nato eine wichtige Rolle in Sachen Raketenwarnungen, Raketenabwehr und Weltraum-Überwachung. Grönland bewacht ausserdem einen Teil der sogenannten GUIK-Lücke (GUIK steht für Grönland, Island und Grossbritannien), da, wo die Nato Bewegungen der russischen Marine in den Nordatlantik beobachtet.

Natürliche Ressourcen

Grönland verfügt über grosse Ablagerungen sogenannter Seltener Erdmineralien, die benötigt werden, um alles Mögliche herzustellen – von Computern und Smartphones bis hin zu Batterien sowie Sonnen- und Windenergie-Technologien. Die US-Behörde Geological Survery hat auch potenzielle Öl- und Naturgasvorkommen vor der Küste ausgemacht. Die Grönländer würden die Ressourcen gern nutzen, aber es gelten strikte Umweltschutzregeln. Zudem werfen die harschen Klimabedingungen der Insel die Frage auf, inwieweit ein Abbau überhaupt machbar wäre.

Mit zunehmendem Klimawandel werden Schifffahrtsrouten in der Arktis zugänglicher.
Mit zunehmendem Klimawandel werden Schifffahrtsrouten in der Arktis zugänglicher.
Steffen Trumpf/dpa

Klimawandel

Das Schmelzen der Eisdecke legt Grönlands Mineralienreichtum offen, und die fortschreitende Meereseis-Schmelze öffnet die einst mythenhafte Nordwest-Passage durch die Arktik. Grönland liegt strategisch entlang zwei potenziellen Routen durch die Arktik, die die Dauer von Schiffsfahrten zwischen dem Nordatlantik und Pazifik verkürzen sowie das Umgehen der Engpässe des Suez- und Panamakanals ermöglichen würden. Zwar ist es unwahrscheinlich, dass diese Routen in näherer Zukunft kommerziell genutzt werden können, es dürfte viele Jahre dauern, aber der Gedanke findet dennoch Beachtung.

Chinesisches Interesse

2018 hat sich China zu einem «arktiknahen Staat» erklärt, im Bestreben, mehr Einfluss in der Region zu gewinnen. China hat auch Pläne bekanntgegeben, eine «polare Seidenstrasse» zu bauen, als Teil seiner globalen «Belt and Road Initiative», einem Infrastrukturprojekt zur Schaffung wirtschaftlicher Verbindungen zu Ländern rund um die Welt. Der seinerzeitige US-Aussenminister Mike Pompeo wies Chinas Vorstoss in Sachen Arktik zurück, stellte die frage: «Wollen wir den Arktischen Ozean in ein neues Südchinesisches Meer verwandeln, belastet durch Militarisierung und konkurrierende territoriale Ansprüche?». Ein von China gestütztes Seltene-Erden-Projekt in Grönland kam zum Stillstand, nachdem die örtliche Regierung 2021 die Förderung von Uran verboten hatte. 

Unabhängigkeit

Das Gesetz, mit dem Dänemark 2009 Grönlands Autonomie verlängerte, schrieb auch das Recht der Insel auf Unabhängigkeit unter internationalem Gesetz fest. Umfragen zeigen, dass eine Mehrheit der Grönländer für Unabhängigkeit ist, aber es gibt unterschiedliche Meinungen darüber, wann das geschehen sollte. Die Möglichkeit einer Unabhängigkeit wirft die Frage von Einmischung von aussen auf, die den US-Interessen an dem Land in die Quere kommen könnten.

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12.03.2025