Sie nannte ihn «Onkel Jeffrey»Wie Epsteins Schatten eine der mächtigsten Juristinnen stürzte
Oliver Kohlmaier
13.2.2026
Die Chefjurisitin von Goldman Sachs, Kathryn Ruemmler, ist zurückgetreten.
AP Photo/Charles Dharapak/Keystone (Archivbild)
Die Chefjuristin der Investmentbank Goldman Sachs räumt nach veröffentlichten E-Mails zwischen ihr und Jeffrey Epstein ihren Posten. Antworten auf die wichtigsten Fragen.
Redaktion blue News
13.02.2026, 16:48
13.02.2026, 17:00
Oliver Kohlmaier
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
Die Chefjuristin der renommierten Investmentbank Goldman Sachs, Kathryn Ruemmler, ist von ihrem Posten zurückgetreten.
Ruemmler war zuvor unter Druck geraten, weil neu veröffentlichte Dokumente eine enge Verbindung zwischen ihr und Jeffrey Epstein nahelegten.
In E-Mails nannte sie den verstorbenen Sexualstraftäter «Onkel Jeffrey». Ausserdem erhielt sie teure Geschenke von ihm.
Kathryn Ruemmler hat eine schillernde Karriere hinter sich. Sie war einst im Weissen Haus für Barack Obama tätig und zuletzt Chefjuristin bei Goldman Sachs.
Nun zeigen neue Dokumente das Ausmass ihrer Kontakte zu Jeffrey Epstein. Daraufhin tritt Ruemmler zurück. Wer ist die Frau – und was stand in den E-Mails?
Was ist passiert?
Chefjuristin Kathryn Ruemmler wird Goldman Sachs zum 30. Juni verlassen, wie das Kreditinstitut unter anderem der «Financial Times», der «New York Times» und dem Finanzdienst Bloomberg bestätigte.
Zuvor war aus der jüngsten Veröffentlichung grosser Mengen an Epstein-Dokumenten klar geworden, dass Ruemmlers Verbindungen zu ihm weitaus enger waren als zuvor bekannt.
Der Rücktritt Ruemmlers ist der bislang prominenteste in der Finanzbranche. Von Goldman-Sachs-Chef David Solomon hiess es, man werde Ruemmler «vermissen», respektiere jedoch ihre Entscheidung und nehme den Rücktritt an.
Kathy Ruemmler wurde in Richland im US-Bundesstaat Washington geboren. Nach einem Bachelor in Englisch erwarb sie einen Doktor in Jus am Georgetown University Law Center, wo sie auch Chefredaktorin des Georgetown Law Journal war.
Bereits mit Ende 20 arbeitete sie als Beraterin für den damaligen Präsidenten Bill Clinton und erwarb sich rasch einen Ruf als scharfsinnige Juristin. Zwischen 2001 und 2007 war sie als Staatsanwältin des Bundes tätig. In der Enron Task Force des Justizministeriums nahm sie eine leitende Position ein und lieferte das Plädoyer im Verfahren gegen die früheren Enron-Vorstände Kenneth Lay und Jeffrey Skilling, die beide verurteilt wurden.
Ab 2009 startete dann ihre politische Karriere, als sie im Justizministerium für die Administration von Barack Obama arbeitete. Nach einer Tätigkeit als Rechtsanwältin ging sie 2020 schliesslich ins Top-Management der renommierten Investmentbank Goldman Sachs, wo sie den Posten der Chefjuristin bekleidete.
Als junge Staatsanwältin ging Kathryn Ruemmler – hier mit Kollege Sean Berkowitz – gegen den Energiekonzern Enron vor.
AP Photo/Pat Sullivan/Keystone (Archivbild)
Was stand in den E-Mails?
Aus den E-Mails zwischen Kathryn Ruemmler und dem verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein geht unter anderem hervor, dass sie ihn in Medienfragen beriet und teure Geschenke von ihm erhielt. Während dieser Zeit war Ruemmler als Anwältin tätig.
Ruemmler stand in den Jahren 2014 bis 2019 in regem Austausch mit Epstein und taucht in etwa 10'000 Dokumenten auf.
Mit dem derzeitigen Wissen über Epstein wirken die Formulierungen in den E-Mails befremdlich. So schrieb Ruemmler in einer E-Mail im Dezember 2015, nachdem Epstein ihre First-Class-Reise nach Europa gebucht und bezahlt hatte: «Ich verehre ihn.»
Und nur wenige Monate vor Epsteins Festnahme 2019 schrieb die Top-Juristin: «Ich bin heute total von Onkel Jeffrey ausgestattet worden! Jeffrey-Stiefel, Handtasche und Uhr!»
Wie aus den E-Mails ausserdem hervorgeht, beriet sie Epstein hinsichtlich der Beantwortung einer Medienanfrage aus dem Jahr 2019 zu der offenbar besonderen rechtlichen Behandlung, die er aufgrund seiner Verbindungen erhalten hatte.
Weitere E-Mails zeigen, dass sie Epstein bat, ihr einen Posten bei Facebook zu verschaffen. Ausserdem gab sie ihm allgemeine Ratschläge, wie er auf die Berichterstattung über seine Verbrechen in den Medien reagieren sollte.
Warum tritt sie genau jetzt zurück?
Zunächst entdeckte das «Wall Street Journal» in den Unterlagen einen Hinweis darauf, dass Ruemmler zu jenen Personen gehörte, die Epstein unmittelbar nach seiner Festnahme anriefen. Die Zeitung beruft sich auf handschriftliche Notizen von FBI-Mitarbeitern. Auch diese wurden vom Justizministerium veröffentlicht.
Anschliessend versuchte Ruemmler immer wieder, sich von den E-Mails und weiteren Dokumenten zu distanzieren. So weigerte sie sich auf Nachfrage auch, ihren Spitzenposten zu räumen.
«Ich hatte keine Kenntnis von einem andauernden kriminellen Verhalten seinerseits und kannte ihn nicht als das Monster, als das er sich entpuppt hat», sagte sie der Nachrichtenagentur Reuters noch Anfang Februar. Allerdings räumte Epstein bereits 2008 ein, bei einer Minderjährigen Prostitution gefördert zu haben, lange bevor Ruemmler für den Finanzmogul tätig wurde.
Auch Goldman Sachs hatte anfänglich bestritten, dass Kathryn Ruemmler wegen ihrer Verbindungen zu Jeffrey Epstein ihren Posten verlieren könnte.
Schliesslich wurde der Druck zu gross. Der «Financial Times» sagte Ruemmler: «Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass die Medienaufmerksamkeit, die sich auf meine frühere Arbeit als Strafverteidigerin bezieht, zu einer Ablenkung wird.»