Forscher verlassen USA «Was wir jetzt sehen – das ist Faschismus»

SDA

30.3.2025 - 23:18

Der Historiker und Autor Timothy Snyder (rechts) trifft im September 2024 in Kiew Wolodymyr Selenskyj: Der Trump-Kritiker verlässt jetzt die USA.
Der Historiker und Autor Timothy Snyder (rechts) trifft im September 2024 in Kiew Wolodymyr Selenskyj: Der Trump-Kritiker verlässt jetzt die USA.
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Drei renommierte Wissenschaftler der US-Universität Yale, die US-Präsident Donald Trump kritisch gegenüberstehen, wollen die USA verlassen. Die Begründungen sind drastisch.

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  • Nachdem die Trump-Regierung mit finanziellem Druck US-Universitäten zu politischen Kompromissen gedrängt hat, verlassen drei renommierte US-Forschende das Land Richtung Kanada.
  • Faschismusforscher Jason Stanley sagt klipp und klar, die USA seien jetzt faschistisch.
  • Die Historikerin Marci Shore befürchtet sogar, dass es in den USA zum Bürgerkrieg kommen könnte.
  • Der bekannte Historiker und Trump-Kritiker Timothy Snyder kehrt der Universität Yale den Rücken.

Goodbye, USA: Die Historiker Timothy Snyder und Marci Shore sowie der Faschismusforscher Jason Stanley wechseln nach Kanada. Stanley begründete seinen Schritt im Interview mit «Zeit Online» mit der politischen Entwicklung in den USA.

Auslöser seines Schritts sei der Druck der US-Regierung auf die New Yorker Columbia University und deren Reaktion gewesen. Der Faschismusforscher Stanley äusserte sich mit drastischen Worten zur politischen Situation in den USA.

Auf die Frage, ob er von faschistischen Zuständen im Land sprechen würde, sagte er: «Ja, natürlich. Welche Begriffe sollen wir denn sonst verwenden?» Faschismus sei nicht einfach nur ein Schimpfwort, sondern ein Konzept, das helfe, die Realität zu verstehen. «Und was wir jetzt sehen – das ist Faschismus.»

The Yale professor Jason Stanley, author of How Fascism Works, fled the US to work in Canada. If the brain drain has started, that means you're screwed.

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— Mehmet (@mehmetdeger.bsky.social) 29. März 2025 um 15:07

Shore, die mit Snyder verheiratet ist, sagte der Zeitung «Toronto Today», sowohl die Stadt Toronto als auch die dortige Munk School seien sehr attraktive Orte. «Aber natürlich hat die amerikanische Katastrophe bei unserer finalen Entscheidung eine Rolle gespielt.» Sie befürchte, dass es einen Bürgerkrieg geben werde.

Stanley über Druck auf Columbia: «Reine Schikane»

Stanley sagte «Zeit Online», er habe beschlossen, Yale zu verlassen, als die Columbia University «unter Beweis gestellt hat, dass sie Feiglinge sind.» Für die Androhung der Regierung, der Universität Bundesmittel zu streichen, habe es keine rechtliche Grundlage gegeben.

«Es war reine Schikane. Und was tut die Columbia? Sie gehorchen allem, was gefordert wird.» Eine Universität lebe von Freiheit. «Würde ich heute an der Columbia unterrichten, wüsste ich: Ein falsches Wort über die Regierung oder Israel – und ich wäre weg.» Künftig würden die Übergriffe der Regierung zunehmen, warnte er.

Columbia hatte sich in der vergangenen Woche bereit erklärt, ihre Richtlinien für Proteste, Sicherheitsregeln und die Abteilung für Nahost-Studien umfassend zu überarbeiten.

Zuvor hatte die US-Regierung Druck gemacht mit der Ankündigung, 400 Millionen US-Dollar an Bundesmitteln für die Uni nur bei weitreichenden Änderungen wieder freizugeben.

Die Regierung hatte der Uni vorgeworfen, sie habe jüdische Studierende nicht ausreichend vor Belästigungen und Bedrohungen auf dem Campus geschützt. Die Uni war im vergangenen Frühjahr zum Schauplatz grosser propalästinensischer Proteste geworden.


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