Blauer Anstrich, grosse EmpörungUnter Touristen tobt in Washington neuer Streit um Trump
SDA
16.5.2026 - 20:09
Das Wasserbecken vor der Lincoln Memorial-Statue lässt Trump im «Blau der amerikanischen Flagge» streichen.
Keystone
US-Präsident Trump treibt seine Umbaupläne für Washington weiter voran. Derzeit löst seine Regierung mit dem blauen Anstrich eines historischen Wasserbeckens heftige Kritik aus.
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16.05.2026, 20:09
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Donald Trump lässt das Wasserbecken auf der National Mall in Washington blau anstreichen und löst damit heftige Diskussionen aus.
Kritiker werfen ihm Grössenwahn, Korruption und einen «diktatorischen Ansatz» vor, Anhänger loben seine Umbaupläne dagegen als effizient.
Auch weitere Prestigeprojekte wie ein Triumphbogen und ein neuer Ballsaal im Weissen Haus sorgen für Kontroversen.
«Die Stadt wird die Narben dieses Verrückten noch lange tragen»: Auf der riesigen National Mall im Herzen von Washington findet Sammy deutliche Worte für die Pläne von US-Präsident Donald Trump, das Wasserbecken an diesem symbolträchtigen Ort neu streichen zu lassen.
Der republikanische Milliardär «mischt sich überall ein», schimpft die junge Frau aus dem Nachbarstaat Virginia, die ihren Nachnamen nicht nennen wollte. «Er ist so narzisstisch.»
Zum 250. Jahrestag der Unterzeichnung der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung am 4. Juli ordnete Trump an, das Anfang der 1920er-Jahre gebaute Becken zwischen dem Obelisken des Washington Monument und der berühmten Lincoln Memorial-Statue in «Blau der amerikanischen Flagge» zu streichen.
Die bereits begonnenen Arbeiten haben das Symbol nationaler Einheit in einen neuen Streitpunkt verwandelt. Während Kritiker des Präsidenten Korruption und Grössenwahn anprangern, loben seine Anhänger einen Staatschef, der in den Vereinigten Staaten «wieder Ordnung schafft».
Triumphbogen geplant
Der frühere Immobilienunternehmer scheint regelrecht besessen von dem Projekt, das Teil einer Reihe umstrittener Umbauten in der US-Hauptstadt ist. Seit seiner Rückkehr ins Amt vor einem Jahr liess er unter anderem einen ganzen Flügel des White House abreissen, um dort einen Ballsaal zu errichten.
So soll der geplante Ballsaal im Weissen Haus einst aussehen.
The White House
Seine Regierung stellte zudem Pläne für einen monumentalen «Triumphbogen der Vereinigten Staaten» vor. Dieser soll mehr als 76 Meter hoch werden – und damit höher als der Arc de Triomphe in Paris.
Trump, der vergangene Woche persönlich die Baustelle besuchte, erklärte, die Sanierung des Beckens sei längst überfällig gewesen. «Es war schmutzig, ekelhaft und hat seit Jahren überall geleckt», sagte er in einem Video des Weissen Hauses.
Seine Anhänger vertrauen auf seine Erfahrung als Bauunternehmer – ein Image, das er gezielt pflegt, um seinen Anspruch zu untermauern, sowohl öffentliche Gebäude als auch Wirtschaft und Politik der USA umzugestalten.
«Er weiss, was er tut»
«Er weiss, was er tut mit all den Gebäuden, die er gebaut hat», sagt Elizabeth Miller aus Pennsylvania beim Besuch des Lincoln Memorials. «Er macht Amerika stolz, indem er wieder Ordnung schafft.»
Trump erklärte, er habe einen ursprünglich geplanten Umbau für 300 Millionen Dollar über drei Jahre hinweg abgelehnt und stattdessen einen ihm bekannten Poolbauer beauftragt – für Kosten von lediglich 1,8 Millionen Dollar.
«Wenn es billiger, schneller und genauso effizient ist, warum sollte man dann Steuergeld verschwenden?», fragt Russ, ein Tourist aus Arizona, der nur seinen Vornamen nennen wollte.
Nach Angaben der «New York Times» belaufen sich die Kosten inzwischen allerdings bereits auf 13 Millionen Dollar. Zudem habe die Regierung den Auftrag ohne Ausschreibung vergeben und dies mit der Dringlichkeit begründet, die Arbeiten bis zum 4. Juli abzuschliessen.
Als Reaktion auf diese Berichte erklärte Trump, er kenne den Auftragnehmer nicht – und widersprach damit scheinbar früheren Aussagen.
«Diktatorischer Ansatz»
Das beunruhigt Margaret Herro aus Wisconsin. «Ich dachte, es gäbe ein Verfahren für die Restaurierung nationaler Monumente, und ich habe nicht den Eindruck, dass er sich daran gehalten hat», sagt sie. «Das wirkt ein wenig wie ein diktatorischer Ansatz.»
Eine Organisation zum Schutz kultureller Landschaften reichte Klage ein, um das Projekt zu stoppen, das sie als «Entweihung» bezeichnete. Die Arbeiten gingen dennoch weiter.
Neben den politischen und symbolischen Kontroversen gibt es auch Zweifel daran, ob das Projekt das Becken tatsächlich instand setzen kann. «Das ist nicht die richtige Lösung», meint Obe, ein Ingenieur aus Maryland, der ebenfalls nur seinen Vornamen nennen wollte. «Man hätte die Entwässerung reparieren müssen, statt es einfach blau anzustreichen, damit es heller aussieht.»
Zwischen den Touristen am Lincoln Memorial fasst Gregory Scott aus Atlanta schliesslich die Frage zusammen, die viele beschäftigt: «Was wird er als Nächstes machen?»
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