Weisses Haus nutzt verfälschtes Video, um Journalisten hinauszuwerfen

8.11.2018 - 13:58, Tobias Bühlmann

Die fragliche Szene von hinten: Eine Praktikantin versucht, CNN-Journalisten Jim Acosta bei einer Fragerunde im Weissen Haus das Mikrofon wegzunehmen.
Bild: Keystone

Weil er sich ungebührlich verhalten habe, verliert ein CNN-Journalist den Zugang zum Weissen Haus. Zum Beweis verbreiten Trumps Leute ein Video, das die Szene zeigt – die Aufnahme scheint allerdings manipuliert zu sein.

Das Weisse Haus hat CNN-Reporter Jim Acosta den Zutrittsausweis entzogen. Begründet wird das mit seinem Verhalten an einer Medienkonferenz von Donald Trump nach der Wahl. Acosta geriet mit Trump aneinander und weigerte sich, das Mikrofon wieder aus der Hand zu geben. Stattdessen bohrte er weiter.

Später verteidigt die Sprecherin des Weissen Hauses, Sarah Sanders, auf Twitter den Rauswurf des CNN-Journalisten mit seinem «unangemessenen Verhalten». Der Vorwurf: Acosta sei eine junge Praktikantin, die ihm das Mikrofon wegnehmen will, unangemessen angegangen.

Sanders untermauert ihre Worte mit einem Video, dass dies klar belegen soll. Darauf ist der CNN-Journalist zu sehen, wie er eine junge Frau offenbar ziemlich unsanft daran hindert, ihm das Mikrofon wegzunehmen.

Das Problem dabei: Das Video ist offenbar manipuliert, wie Video-Journalist Aymann Ismail von Slate.com ebenfalls auf Twitter aufzeigt. Demnach wurde das von Sanders verbreitete Video so verändert, dass die Szene harscher aussieht als auf dem Originalmaterial. Die Bewegung Acostas gegen den Arm der Frau wurden beschleunigt und das Video an anderer Stelle wieder verlängert. 

Dass Trump-Sprecherin Sanders ein Video verbreitet, das allem Anschein nach manipuliert worden ist, ist für sich alleine schon problematisch. Noch brisanter wird die Sache mit der Herkunft des Videos: Dieses war kurz vor Sander's Tweet  von einem gewissen Paul Joseph Watson verbreitet worden.

Der Brite gilt als konservativer Scharfmacher und arbeitet unter anderem für das ultra-rechte Portal Infowars.com, das wegen dem Verbreiten rechter Propaganda und Verschwörungstheorien unter Druck geraten ist. Aus diesem Grund haben Facebook und Twitter die Accounts des Portals Anfang September gesperrt.



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