«Tod dem Diktator»Proteste im Iran spitzen sich zu – Banken und Moscheen brennen
SDA
9.1.2026 - 22:02
Bereits am Donnerstag war es in der Hauptstadt des Irans zu massiven Protesten gegen die Staatsführung gekommen.
Archivbild: Uncredited/UGC/AP/dpa
In den iranischen Millionenmetropolen Teheran und Maschhad kommt es den zweiten Tag in Folge zu Strassenprotesten. Viel geteilte Videos in den sozialen Medien zeigten Menschenansammlungen an zentralen Plätzen.
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Keystone-SDA, Agence France-Presse
09.01.2026, 22:02
SDA
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Die Massenproteste im Iran nehmen weiter zu.
Studierende in der Hauptstadt Teheran berichteten von einer angespannten Sicherheitslage. Auch aus weiteren iranischen Städten werden Proteste gemeldet.
Das geistliche Oberhaupt Ayatollah Chamenei drohte unterdessen in einer im Staatsfernsehen übertragenen Rede US-Präsident Donald Trump.
Unabhängig verifizieren liessen sich die Aufnahmen zunächst nicht. Auch das genaue Ausmass der Demonstrationen war zunächst unklar. Wegen der landesweiten Internetsperre drangen nur noch wenige Aufnahmen nach aussen. Seit mehr als 24 Stunden ist die Bevölkerung vom Rest der Welt abgeschnitten.
Chaos in Tehran. Highways are fully blocked by protestors. Clashes between protestors and Iranian regime forces are ongoing for several hours already. pic.twitter.com/T4A5W7L2wT
In einem von Aktivisten veröffentlichten Video sind Menschenmassen im nordwestlichen Teheraner Stadtteil Saadat Abad zu sehen. Eine Stimme im Hintergrund berichtet von einer angezündeten Moschee. Auf den Aufnahmen sind Brände und chaotische Szenen auf den Strassen zu erkennen. «Tod dem Diktator», ruft die Menge in einem anderen Teil des Videos.
Sicherheitskräfte mit Sturmgewehren
Studierende in der Hauptstadt Teheran berichteten von einer angespannten Sicherheitslage. Auf einer Hauptverkehrsstrasse seien alle zehn Meter Spezialeinheiten der Sicherheitskräfte mit Kalaschnikow-Sturmgewehren postiert, hiess es im studentischen Newsletter «Amirkabir». Die Sorge vor einer Eskalation der Gewalt war demnach gross.
Unterdessen berichtete der Bürgermeister von Teheran, Aliresa Sakani, vom Ausmass der Unruhen in der vergangenen Nacht. Seiner Darstellung nach wurden bei den Unruhen mehr als 50 Banken und mehrere staatliche Einrichtungen angezündet. «Mehr als 30 Moscheen gingen in Flammen auf», sagte er in einem von der Nachrichtenagentur Mehr verbreiteten Video.
Tehran tonight: Over 100,000 people have filled just a few kilometers of Andarzgoo Street. A protester on video says, “They opened fire, and people are going right back at them.”
In Shiraz, protesters control several streets near Darvazeh Saadi and have blocked the path of… pic.twitter.com/W0JR4veXdz
In mehreren Videos war zu sehen, wie Protestteilnehmer in der zentraliranischen Stadt Isfahan den Eingang zum Regionalstudio des Staatsfernsehens in Brand setzten. Auch auf anderen Aufnahmen waren brennende Regierungsgebäude zu sehen: In Schasand, der Hauptstadt der zentraliranischen Provinz Markasi, stand der Sitz des Gouverneurs in Flammen.
Führung in Teheran will nicht zurückweichen
Die Führung in Teheran will trotz der Protestwelle im Iran nicht zurückweichen: Die islamische Republik werde nicht vor «Saboteuren» kapitulieren, sagte das geistliche Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei am Freitag. Aussenminister Abbas Araghtschi warf den USA und Israel eine direkte Einflussnahme auf die seit Tagen wachsende Protestbewegung vor.
Die Proteste im Iran dauern seit mittlerweile fast zwei Wochen an. Sie hatten sich am Zorn über die hohen Lebenshaltungskosten und die schlechte Wirtschaftslage entzündet. Seit Beginn der Protestwelle am 28. Dezember gab es Demonstrationen in mindestens 50 Ortschaften und Städten vor allem im Westen des Landes.
Hamedan has joined the protests once again. Large crowds are on the streets, waving the pre-revolutionary Pahlavi-era flag of Iran and setting up barricades. pic.twitter.com/vSlAEVy27u
Seit Beginn der Proteste wurden nach jüngsten Angaben der Organisation Iran Human Rights (IHR) mit Sitz in Norwegen mindestens 51 Demonstranten getötet, darunter neun Minderjährige. Iranische Behörden und Medien meldeten bislang 21 Tote, darunter auch Sicherheitskräfte.
Der Leiter der Justizbehörden im Iran, Gholamhossein Mohseni Edschei kündigte am Freitag im Staatsfernsehen an, gegen «Randalierer» ohne «jegliche rechtliche Nachsicht» vorzugehen.
Chamenei verurteilt Trump
Derweil meldete sich der in der iranischen Exil-Opposition aktive Pahlavi mit einer weiteren Online-Botschaft zu Wort. Die Proteste am Donnerstag, zu denen er aufgerufen hatte, hätten gezeigt, wie «eine riesige Menschenmenge die repressiven Kräfte zum Rückzug zwingt». Am Freitag sollten nun noch mehr Menschen auf die Strasse gehen, «damit die repressive Macht des Regimes noch schwächer wird», erklärte er. Die USA forderte er zu einer Intervention auf, «um dem iranischen Volk zu helfen».
BREAKING:
Crown Prince @PahlaviReza sends a message to Trump after the Fardis Massacre:
“Mr. President, this is an urgent and immediate call for your attention, support, and action. Last night you saw the millions of brave Iranians in the streets facing down live bullets.… pic.twitter.com/7bJxZR0xFu
Ayatollah Chamenei sagte in einer vom Staatsfernsehen übertragenen Rede vor Anhängern an US-Präsident Donald Trump gerichtet, dessen Hände seien «mit dem Blut von mehr als tausend Iranern befleckt». Wie die bis 1979 im Iran herrschende Schah-Dynastie sei Trump «arrogant» und werde «gestürzt».
Khamenei threatens Trump with “overthrow” amid mass protests in Iran
Iran’s Supreme Leader Ayatollah Ali Khamenei broke his silence and, for the first time since the protests began in Iran, publicly declared that U.S. President Donald Trump would be “overthrown,” along with… pic.twitter.com/TYgpAYrE2e
Trump hatte zuvor seine Drohungen gegen die Führung in Teheran bekräftigt. «Ich habe ihnen klargemacht, dass wir hart durchgreifen werden, wenn sie anfangen, Menschen zu töten, was sie bei ihren Unruhen - und sie haben viele Unruhen - häufig tun», sagte er in einem Radiointerview.
«Die Amerikaner und Israelis haben selbst gesagt, dass sie direkt in die Proteste im Iran eingreifen», sagte der iranische Aussenminister Abbas Araghtschi am Freitag während eines Besuchs im Libanon. «Sie versuchen, die friedlichen Proteste in spaltende und gewalttätige Proteste zu verwandeln.»
BREAKING:
The Iranian anti-regime protesters have practically taken over Iran’s 2nd-largest city Mashhad.
The regime’s security forces have retreated to just a few government buildings and don’t move from there. pic.twitter.com/DEiEvr0kYc
Das iranische Staatsfernsehen zeigte am Freitag Bilder von tausenden Menschen, die an Gegenkundgebungen teilnahmen und in einigen iranischen Städten Slogans zugunsten der Behörden skandierten.