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Enge Partnerschaft, aber keine Hilfe? Irans Präsident Masoud Pezeshkian (links) und der chinesische Machthaber Xi Jinping Ende 2025 in Peking.
Archivbild: IMAGO/APAimages/xapaimagesxIranianxPresidencyxOfficexxapaimagesx
China hat die Angriffe auf den Iran scharf verurteilt - hält sich ansonsten aber bislang zurück. Welche Strategien und Ziele verfolgt der enge Wirtschaftspartner der Islamischen Republik mit Blick auf den Krieg?
Nach den Angriffen der USA und Israels gegen den Iran blicken viele Beobachter auch auf die Reaktion Chinas. Die Volksrepublik, einer der engsten Partner Teherans, hat die Angriffe und den Tod Ali Chameneis zwar offiziell scharf verurteilt, agiert jedoch auf diplomatischer und militärischer Ebene auffallend zurückhaltend.
Wie reagiert die Führungsriege? Welche potenziellen Folgen hat der neue Krieg für die Wirtschaft des Landes? Verfolgt China mit Blick auf den Iran bestimmte Ziele und Strategien? Die wichtigsten Punkte im Überblick.
Die rhetorische Antwort auf die Angriffe fiel scharf aus. Das chinesische Aussenministerium sprach von einem «eklatanten Verstoss gegen die Souveränität in schwerwiegender Weise» und warf den USA und Israel vor, die Grundsätze der UN-Charta mit Füssen zu treten.
Aussenminister Wang Yi bezeichnete die Tötung Chameneis in einem Telefonat mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow als «unverhohlene Tötung» und warnte vor einem «Gesetz des Dschungels», in dem die USA willkürlich mit Bomben agierten, wie unter anderem die «Deutsche Welle» berichtet.
Interessanterweise berichtete das chinesische Staatsfernsehen diesmal mit einer «bemerkenswerten Offenheit» über die Ereignisse, wie unter anderem der «Economist» berichtet. Während man die iranischen Massenproteste Ende 2025 noch zwei Wochen lang ignorierte oder als Werk «externer Kräfte» abtat, habe man den Luftschlag sofort gemeldet.
Im Gegensatz zu einer Volksbewegung, so die Analyse der britischen Zeitschrift, gelte ein gezielter Raketenangriff auf einen Führer den Chinesen als «eher handhabbares Ereignis», das sich zudem hervorragend eigne, um die «Kriegstreiberei der Amerikaner» anzuprangern.
Hinter der Fassade der Empörung steckt laut «Economist»-Analyse ein «unsentimentales China», das sich aus mehreren Gründen zurückhält. Trotz aller Partnerschaften ist der Iran für Peking nicht existenziell, die Bindung rein transaktionsorientiert.
Ein Zusammenbruch des Mullah-Regimes würde Chinas Stellung in der Region nicht entscheidend schwächen, da Peking enge Handelspartner in fast allen Lagern hat. Man pflegt ebenso enge Beziehungen zu den Erzrivalen Saudi-Arabien und den VAE. Jonathan Fulton vom Atlantic Council betont: «China ist in diesem Teil der Welt wirklich ein Status-quo-Akteur».
Fan Hongda von der Shaoxing-Universität analysiert in der «FAZ»: «China strebt gute Beziehungen zu allen wichtigen Regionalmächten an und verlässt sich nicht auf eine einzige». Zudem hat China keine echten militärischen Verbündeten, sondern nur strategische Partnerschaften.
Zu den genannten Gründen kommt laut FAZ-Analyse eine realistische Einschätzung der eigenen Macht: China verfügt schlicht nicht über die militärische Kapazität, um in einem Nahostkrieg zu intervenieren. Mit nur einer kleinen Marinebasis in Dschibuti sei Peking kaum in der Lage, in dieser Region Macht zu demonstrieren.
Obwohl der Iran Mitglied der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO) und der BRICS+ ist, bedeutet das keinen automatischen Beistandspakt. Zudem habe China laut der Analyse eines Experten in der «New York Times» kein Interesse daran, sich in einem «unpopulären Krieg im Nahen Osten zu verzetteln».
Ein weiterer entscheidender Faktor ist das Verhältnis zu US-Präsident Donald Trump. Peking will die mühsam erreichte «Waffenruhe» im Handelsstreit nicht für Teheran opfern. Die «NYT» betont, dass Peking die Beziehungen zu Washington viel wichtiger sind als die Ereignisse im Nahen Osten. Ein Gipfeltreffen steht kurz bevor, und Peking hofft auf Konzessionen bei Halbleitern und Taiwan.
Nicht zuletzt, so heisst es im «Economist», sei Peking zunehmend skeptisch gegenüber der Unberechenbarkeit des Iran und dessen nuklearen Ambitionen.
China ist der grösste Energieimporteur der Welt, und der Iran eine seiner Hauptquellen. Schätzungen zufolge werden «90 Prozent der iranischen Ölproduktion nach China exportiert», wobei laut «Deutscher Welle» ein Grossteil über Schattenflotten und Drittländer abgewickelt werde.
Dass der Iran den Schiffsverkehr durch die Strasse von Hormus gestoppt hat, ist für die Chinesen kritisch. Die Hälfte der dort täglich transportierten 20 Millionen Barrel Öl geht laut «Deutscher Welle» nach China. Insgesamt gefährdet die Blockade fast 20 Prozent des weltweiten Ölverbrauchs.
Während Peking beim Öl strategische Reserven für 110 bis 140 Tage aufgebaut hat, ist die Lage beim Gas kritisch: Chinas Gasspeicher decken laut FAZ nur etwa sechs Prozent des jährlichen Verbrauchs ab – deutlich weniger als in Europa oder den USA. Ein langfristiger Ausfall der Lieferungen aus dem Nahen Osten würde die chinesische Industrie hart treffen.
Trotz wirtschaftlicher Risiken könnte der Krieg Peking laut manchen Experten geopolitisch sogar nützen: Binden die USA ihre Ressourcen im Nahen Osten, können sie sie nicht im Pazifik gegen China einsetzen. «Wir haben nur eine begrenzte Anzahl von Flugzeugträgern und nur begrenzt Zeit und Aufmerksamkeit des Präsidenten», zitiert der «Economist» einen US-Experten. Ein neuer unpopulärer Krieg der USA würde China den Rücken für seine Ambitionen in Asien freihalten.
Laut «New York Times» könnte China dadurch auch seine moralische Führung im Globalen Süden untermauern: Indem man die USA als «Quelle globaler Instabilität» darstellt, würde Pekings Position bei Ländern gestärkt, die dem westlichen Vorgehen skeptisch gegenüberstehen.
Nicht zuletzt sieht Peking sich Analysen zufolge bereits als Profiteur der Nachkriegszeit. Sollte die Ära der Mullahs enden und der Wiederaufbau beginnen, stünden chinesische Firmen mit ihrer Expertise in Infrastruktur und Technologie bereit. «China könnte sogar zum Nutzniesser werden», prognostiziert Ding Long von der Shanghai International Studies University im «Economist».
Das gilt auch für die nukleare Stabilität: Trotz der Partnerschaft betrachtet Peking Irans Streben nach Atomwaffen kritisch. Ein Ende des aktuellen Regimes könnte dieses Problem aus chinesischer Sicht paradoxerweise lösen.