Abgeordnete erheben Vorwürfe Wen schützt das US-Justizministerium in der Causa Epstein?

Jan-Niklas Jäger

10.2.2026

Auch nach der Veröffentlichung eines grossen Teils der Epstein-Akten bleiben Fragen offen.
Auch nach der Veröffentlichung eines grossen Teils der Epstein-Akten bleiben Fragen offen.
Bild: Keystone

Die beiden US-Abgeordneten Thomas Massie und Ro Khanna hatten Einblick in die ungeschwärzten Epstein-Akten. Nun erheben sie schwere Vorwürfe an das Justizministerium: Geschützt würden die Falschen.

Jan-Niklas Jäger

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Abgeordnete des US-Kongresshauses wurde Einsicht in die ungeschwärzten Epstein-Akten gewährt.
  • Nun erheben einige von ihnen Vorwürfe gegen das Justizministerium: In mindestens sechs Fällen seien keine Opfer geschützt worden, sondern Männer, die durch die Veröffentlichung der Akten belastet werden könnten.
  • Die Namen der Männer gaben die Abgeordneten nicht preis. Einer sei aber ein ranghohes Mitglied einer Regierung, ein weiterer eine «ziemlich prominente Persönlichkeit».
  • Sie riefen das US-Justizministerium auf, seine Fehler zu berichtigen und die Namen zu veröffentlichen.
  • Das Justizministerium hat stets bestritten, dass die Schwärzungen dem Schutz von möglichen Mitwissern oder Tätern dienten.

Die Vorgehensweise der US-Regierung bei der Veröffentlichung der sogenannten Epstein-Akten stösst auf immer breitere Kritik. Nachdem Donald Trump bereits – selbst innerhalb der MAGA-Bewegung – für dessen gebrochenes Wahlversprechen einer sofortigen Veröffentlichung der Akten im Falle seiner Wahl in der Kritik stand, musste der US-Präsident einem im November 2025 überparteilich verabschiedetem Gesetz zur Freigabe zustimmen.

Doch die Veröffentlichung liess zuerst auf sich warten: Die durch den Kongress festgelegte Deadline ignorierte das Justizministerium. Später wurden die Akten nach und nach veröffentlicht und fielen vor allem durch starke Schwärzungen auf.

Das Ministerium betrachtet die Veröffentlichungen der Unterlagen im Fall des verurteilten Sexualstraftäters als vollendet an – mehrere Millionen Dokumente sind bis heute nicht publik gemacht worden.

Zwei Stunden Zeit für Millionen von Akten

Nun haben Mitglieder des Kongresses Einblick in die ungeschwärzten Epstein-Akten bekommen. So auch das überparteiliche Duo, dass den Gesetzesentwurf vorlegte, der Trump zum Einlenken zwang: Der Republikaner Thomas Massie und der Demokrat Ro Khanna.

Um die extrem umfangreichen Akten einzusehen, hatten die Abgeordneten nur etwa zwei Stunden Zeit. Sie musste dazu zu einer Aussenstelle des Justizministeriums in Washington reisen, berichtet CNN. Danach wandten sich Massie, Khanna und weitere Abgeordnete mit ihren Einsichten an die Presse.

Von «unzähligen völlig unnötigen Schwärzungen» berichtete etwas der demokratische Abgeordnete Jamie Raskin. Auch Donald Trumps Name sei geschwärzt worden – genau das hat das Justizministerium stets bestritten. «Wir haben niemanden geschützt», hatte Vize-Justizminister Todd Blanche betont, als die letzten der vom Ministerium freigegebenen Unterlagen veröffentlicht wurden. Die Schwärzungen dienten zum Schutz der Opfer.

Mindestens sechs Männer sollen geschützt worden sein

Trumps Name sei ihm nicht untergekommen, sagte unterdessen der Republikaner Massie. Dass er seinen Parteikollegen schützen möchte, ist unwahrscheinlich: Trump hat Massie längst zu seinem Feind erklärt und dessen Herausforderer bei der nächsten Kongresswahl in dessen Heimatstaat Kentucky seine volle Unterstützung zugesichert.

Der Republikaner Thomas Massie (l.) und der Demokrat Ro Khanna sind für ihren unnachgiebigen Einsatz für Transparenz im Fall Epstein bekannt geworden.
Der Republikaner Thomas Massie (l.) und der Demokrat Ro Khanna sind für ihren unnachgiebigen Einsatz für Transparenz im Fall Epstein bekannt geworden.
Bild: Imago/UPI Photo/Bonnie Cash

Stattdessen sprach Massie von «mindestens sechs Männern, deren Namen geschwärzt wurden und deren Erwähnung in diesen Unterlagen sie wahrscheinlich belasten würden». Man habe «lange graben müssen, um sie zu finden».

Wer genau die sechs Männer sind, möchten Massie und Khanna jedoch noch nicht verraten. Ein paar Details aber schon: Einer der Männer sei ein ranghohes Mitglied der Regierung eines anderen Landes, so Massie. «Einer der anderen ist eine ziemlich prominente Persönlichkeit», fügte Khanna hinzu.

Justizministerium soll nun handeln

Bei mindestens einen von ihnen handle es sich ausserdem um einen US-Bürger. Das ist deswegen erwähnenswert, weil die Veröffentlichung der Akten bislang ausschliesslich ausserhalb der USA Konsequenzen zu haben scheint.

Der britische Premierminister Keir Starmer sieht sich über die Entsendung eines Botschafters in die USA, von dessen Verbindungen zu Epstein er gewusst habe, starkem politischen Druck ausgesetzt. Der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit könnte wegen ihrer Kontakte zu dem Sexualstraftäter ihr Anrecht auf den Thron abgesprochen werden.

Als Begründung für ihre Zurückhaltung bei der Nennung von Namen gaben Massie und Khanna an, dem Justizministerium die Chance geben zu wollen, seine Fehler zu korrigieren. «Am besten wäre es, wenn sie die Namen dieser Männer selbst entschwärzen würden», sagte Massie.