US-Alternative zu UN? Wer bei Trumps neuem Club der Diplomaten mitmachen will, zahlt eine Milliarde Dollar

Philipp Dahm

20.1.2026

200 Prozent auf Champagner: Trump droht Frankreich mit Zöllen – wegen Absage an seinen «Friedensrat»

200 Prozent auf Champagner: Trump droht Frankreich mit Zöllen – wegen Absage an seinen «Friedensrat»

Donald Trump will ein neues internationales Gremium zur Konfliktlösung etablieren – mit sich selbst an der Spitze. Frankreich lehnt die Teilnahme ab, worauf Trump mit massiven Strafzöllen droht.

20.01.2026

Ursprünglich soll der Friedensrat sicherstellen, dass der Friedensplan für Gaza umgesetzt wird. Experten befürchten jedoch, dass Donald Trump eine Alternative zu den UN aufbauen will. Dass man seine Einlandung zum Board of Peace nicht einfach so ablehnen kann, muss nun Paris erfahren.

Philipp Dahm

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Das Board of Peace nimmt seine Arbeit auf: Der Friedensrat soll die nächsten Schritte auf dem Weg zum Gaza-Frieden gehen.
  • Die USA haben diverse Staaten eingeladen, mitzumachen, doch eine längere Mitgliedschaft kostet angeblich eine Milliarde Dollar.
  • Auch Russland und Belarus sollen dabei sein.
  • Frankreich hat das Angebot abgelehnt – Trump reagiert mit 200 Prozent Strafzoll auf den Import französischer Weine.
  • Das Problem: Trump kulmuliert im Friedensrat alle Macht und regelt die Finanzen.

«Es ist mir eine grosse Ehre, zu verkünden, dass der Friedensrat gegründet worden ist. Die Mitglieder des Gremiums werden in Kürze bekannt gegeben, aber ich kann mit Sicherheit sagen, dass es das grösste und prestigeträchtigste Gremium ist, das jemals zu irgendeiner Zeit und an irgendeinem Ort zusammengekommen ist.»

Gewohnt blumig verkündet Donald Trump am 15. Januar auf seiner Plattform Truth Social, dass das Board of Peace nun Realität ist. Eigentlich sollte dieser Friedensrat den Friedensplan für Gaza umsetzen, doch mittlerweile hat der US-Präsident mit diesem Instrument offenbar Grösseres vor. Und wer nicht mitmacht, soll es bereuen.

«Einige sagen, dies sei ein neues alternatives Modell zum UN-Sicherheitsrat», erklärt Maya Ungar von der Brüsseler Denkfabrik International Crisis Group dem australischen Sender ABC. «Andere sagen, dies sei ein Machtgriff von Präsident Trump, um anderen Mitgliedsstaaten etwas von ihrer Autorität zu entreissen».

«Macht und Legitimität des Sicherheitsrats untergraben»

Trump ist für seine geringe Meinung über die UN bekannt: «Viele, vor allem hier [am UN-Sitz] in New York, sind sehr besorgt, dass die US-Regierung versucht, die Macht und Legitimität des Sicherheitsrats zu untergraben», sagt die Analystin weiter. «Vor allem, weil man Donald Trump die Macht gibt, im Grunde genommen ein einseitiges Veto gegen jede seiner Entscheidungen einzulegen.»

Das Exekutivkomitee des Friedensrats

  • Donald Trump, Vorsitzender des Komitees
  • Marco Rubio, US-Aussenminister
  • Steve Witkoff, US-Sondergesandter
  • Jared Kushner, Unternehmer und Trumps Schwiegersohn
  • Tony Blair, Ex-Premier Grossbritanniens
  • Marc Rowan von der Privat-Equity-Firma Apollo Global Management
  • Ajay Banga, Weltbankpräsident
  • Robert Gabriel, Trumps stellvertretender Sicherheitsberater
  • Nikolaj Mladenow: Der Ex-UN-Nahost-Gesandte soll als Repräsentant des Exekutivkomitees das Tagesgeschäft überwachen

Das hat auch mit der Konstruktion dieses Friedensrates zu tun, der sich mindestens einmal jährlich treffen soll. Donald Trump ist sein Vorsitzender und verwaltet auch das Geld. Entscheidungen sollen durch die Mehrheit gefällt werden, doch der Vorsitzende hat ein Veto-Recht – ohne Trumps Zustimmung läuft also nichts.

Trump: I need to take over Greenland now, because if I don’t, Russia will. Also Trump: Vladimir will you please join my Board of Peace?

— MeidasTouch (@meidastouch.com) 19. Januar 2026 um 16:40

Staaten, die länger als drei Jahre bei diesem exklusiven Club mitmachen wollen, sollen dafür zahlen – und zwar eine Milliarde Dollar, berichtet «Bloomberg». Auch die Präsidenten aus Russland und Belarus, Wladimir Putin und Alexander Lukaschenko, sollen eine Einladung erhalten haben, meldet «Fox News»

Trumps Zoll-Rache an Macron

Länder wie Argentinien, Kanada, Ungarn und Vietnam haben ihre Teilnahme bereits zugesagt. Frankreich hat wie Aserbaidschan dankend abgelehnt. Die Reaktion? Trump droht Paris nun mit einem Sonderzoll von 200 Prozent auf den Import von Wein – siehe Video ganz oben.

Mitglieder des «Gaza-Exekutivausschusses»

  • Hakan Fidan, türkischer Aussenminister
  • Ali Al-Thawadi, katarischer Diplomat
  • Hassan Raschad, ägyptischer Geheimdienstchef
  • Reem Al-Hashimy, emiratische Ministerin für internationale Kooperation
  • Jakir Gabay, israelischer Geschäftsmann
  • Sigrid Kaag, die ehemalige stellvertretende Ministerpräsidentin der Niederlande und Nahost-Expertin

Emmanuel Macrons Büro begründet die Ablehnung laut «Politico» mit der Satzung des Friedensrates, die «den Rahmen des Gazastreifens sprengt und ernsthafte Fragen aufwirft, insbesondere in Bezug auf die Prinzipien und die Struktur der Vereinten Nationen, die nicht in Frage gestellt werden dürfen.»

Maya Ungar bemerkt: «Du hast diese wirklich interessante Situation, in der Trump von den Ländern verlangt, für die Mitgliedschaft zu zahlen, aber es ändert nichts an dem Grad des Einflusses, den sie haben»


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