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Die paraguayische Senatorin Celeste Amarilla de Boccia sorgt mit rassistischen Angriffen auf Frankreichs Fussballstar Kylian Mbappé derzeit für massive Kritik.
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Eine Politikerin aus Paraguay beschimpft den französischen Fussballer Kylian Mbappé übel. Der Spieler wehrt sich, auch in seiner Heimat ist die Empörung gross. Wer ist Celest Amarilla de Boccia?
Nach dem hitzigen WM-Achtelfinale zwischen Paraguay und Frankreich (0:1) beleidigte die paraguayische Politikerin Celest Amarilla de Boccia den französischen Fussballspieler Kylian Mbappé in den sozialen Medien.
Sie bezeichnete ihn als «Trottel», der nicht mal schreiben gelernt habe. «Statt Muttermilch hat er Kokosnüsse ausgesaugt, und das Gebildetste, was er je gehört hat, waren Schimpansen. Hättest du ihm doch den Mittelfinger gezeigt, Orlando Gill. Ich mache das im Senat auch, und da passiert überhaupt nichts!!!»
Mbappé reagierte darauf. Er beschrieb sie als «verachtenswerte Frau und unwürdig Ihres Amtes». Frankreichs Fussballverband will nun juristisch gegen die Senatorin vorgehen.
Daraufhin veröffentlichte de Boccia einen Brief. Ihr Problem sei zwischen ihr und dem Spieler und beziehe sich nicht auf das Land Frankreich, war die Kernbotschaft. Sie bedauere Teile ihrer Aussagen.
Gleichzeitig forderte sie von Mbappé aber eine Entschuldigung wegen «geschlechtsspezifischer Gewalt». Sie warnte den Franzosen, dass sie rechtliche Schritte einleiten werde, sollte er seine Äusserungen nicht zurücknehmen.
Wer ist die Politikerin, die auch in Paraguay als umstritten gilt?
Celeste Josefina Amarilla de Boccia wurde am 21. Oktober 1964 in San Juan Bautista im Department Misiones in Paraguay geboren. Nach der Grund- und Sekundarschule besuchte sie das Collège de l’Immaculée Conception in Asunción und studierte anschliessend Rechtswissenschaften an der Universidad del Norte.
Schon während ihres Jurastudiums engagierte sich de Boccia politisch. Sie war Mitglied der Authentisch Radikal-Liberalen Partei PLRA (Partido Liberal Radical Auténtico) und war Mitgründerin von deren Jugendorganisation.
Die Partei ist die zweitgrösste politische Kraft in Paraguay und der historische Hauptgegner der konservativen Colorado-Partei. Als Mitglied der Liberalen Internationale steht sie eigentlich für Demokratie, individuelle Freiheit, Menschenrechte und eine soziale Marktwirtschaft.
In den folgenden Jahrzehnten übernahm de Boccia verschiedene Ämter auf kommunaler und regionaler Ebene, bevor ihr der Schritt in die nationale Politik gelang.
Auch heute vertritt die Juristin die PLRA und ist seit 2023 Senatorin in Paraguay. Zuvor war sie von 2018 bis 2023 Abgeordnete im paraguayischen Nationalkongress. Über ihr Privatleben ist wenig bekannt, nur: Sie war mit Franklin Rafael Boccia Romañac, ebenfalls ein Politiker, verheiratet und hat eine Tochter.
International aufgefallen ist de Boccia vor dem Mbappé-Vorfall kaum. Das brasilianische Nachrichtenportal UOL beschreibt sie als Politikerin mit einem «kämpferischen Oppositionsstil».
Sie hat sich einen Namen gemacht, indem sie die sozialen Medien gezielt nutzt, um ihre Gegner öffentlich anzugreifen und mutmassliche Missstände anzuprangern. Ihre Anhänger*innen feiern sie für ihre direkte Art, ihre Kritiker werfen ihr Populismus und mangelnde politische Zurückhaltung vor.
Besonders schwer wog ein Vorwurf aus dem Jahr 2020: De Boccia, damals Abgeordnete im paraguayischen Unterhaus, erklärte öffentlich und später auch im Parlament, dass ihrer Einschätzung nach 60 bis 70 Prozent der Abgeordneten ihre Mandate mit Geld fragwürdiger Herkunft erlangt hätten.
Sie sprach von «dinero sucio» (deutsch: «schmutziges Geld) und deutete an, dass Gelder aus Korruption, Schmuggel oder sogar dem Drogenhandel politische Karrieren finanzierten.
Daraufhin beantragten politische Gegner ihre Suspendierung. Am 7. Oktober 2020 stimmte die Abgeordnetenkammer mit 47 Stimmen für eine Suspendierung von 60 Tagen ohne Gehalt. Die offizielle Begründung lautete, de Boccia habe ihre Kolleginnen und Kollegen beleidigt und unbelegte Vorwürfe erhoben.
Daraufhin verteidigte sie sich mit dem Argument, dass sie lediglich ein bekanntes Problem benannt habe. Sie verwies auf frühere Berichte über Verbindungen einzelner Politiker zu kriminellen Netzwerken und erklärte ausdrücklich, sie nehme ihre Aussage nicht zurück. Sie kritisierte das Verfahren als Versuch, kritische Stimmen zum Schweigen zu bringen.
Der Fall sorgte in Paraguay für breite Diskussionen. Kritiker*innen warfen ihr vor, das Parlament pauschal zu diffamieren. Unterstützer hingegen sahen in der Suspendierung politische Zensur und ein Zeichen, dass über Korruptionsvorwürfe besser geschwiegen werden soll.
De Boccia zog später vor das Verfassungsgericht, um gegen die Suspendierung vorzugehen. Sie verlor, die Suspendierung blieb damit rechtsmässig.
Das war aber noch nicht alles: Im März 2022 beschuldigte de Boccia während einer Parlamentssitzung mehrere Abgeordnete, Verbindungen zum Drogenhandel zu haben, beziehungsweise selbst in kriminelle Aktivitäten verwickelt zu sein.
Kurz darauf räumte sie öffentlich ein, dass sie keine ausreichenden Beweise für diese Anschuldigungen habe, und entschuldigte sich. Mehrere der betroffenen Politiker kündigten daraufhin Klagen wegen Verleumdung und übler Nachrede an.
Noch grösser fiel die Kontroverse im Juni 2022 aus: Die heutige Senatorin geriet erneut in die Kritik, nachdem ein Video einer parteiinternen Sitzung veröffentlicht worden war. Darin entstand der Eindruck, sie habe Bestechungszahlunegn im Zusammenhang mit Ausschreibungen für Schulmahlzeiten eingeräumt, wie mehrere Medien, darunter «La Nación», berichteten.
Gegen sie wurde Anzeige erstattet. De Boccia bestritt später, ein Geständnis abgelegt zu haben, und erklärte ihre Aussage als sprachlichen Fehler. Zu einer strafrechtlichen Verurteilung kam es nie.

Mario Abdo Benítez, der ehemalige Präsident von Paraguay.
Wikipedia
Bereits 2019 war de Boccia in die sogenannte «Itaipú-Krise» zwischen Paraguay und Brasilien involviert. Als Oppositionsabgeordnete unterstützte sie ein Amtsenthebungsverfahren gegen den damaligen paraguayischen Präsidenten Mario Abdo Benítez.
Die Krise wurde durch ein geheimes Energieabkommen mit Brasilien ausgelöst, das in Paraguay als nachteilig für das Land galt. Unter starkem politischem Druck wurde das Abkommen schliesslich aufgehoben, wie mehrere Medien berichteten, darunter die brasilianische Zeitung «Folha de S. Paulo».
Spätestens seit dieser Woche dürfte die Politikerin weltweit bekannt sein: Als jene Politikerin, die Kylian Mbappé rassistisch beleidigte. Auch die paraguayische Regierung distanzierte sich inzwischen von de Boccias Äusserungen.
— Ministerio de Relaciones Exteriores (@mreparaguay) July 6, 2026
«Sie stehen im Widerspruch zu den Werten und Prinzipien, die ein friedliches Zusammenleben und die Achtung der Menschenwürde fördern, wie sie unser Land vertritt», erklärte das Aussenministerium.
Diese Äusserungen «liegen allein in ihrer persönlichen Verantwortung» und «spiegeln in keiner Weise die Position der Regierung der Republik Paraguay oder des paraguayischen Volkes wider», hiess es in der Erklärung weiter.
Welche Konsequenzen nun auf Amarilla de Boccia zukommen, wird sich noch zeigen.