China macht's den USA nach Werden See-Blockaden zum neuen «Sport für Grossmächte»?

Andreas Fischer

18.4.2026

Hormus-Blockade: Machtspiel zwischen USA und Iran

Hormus-Blockade: Machtspiel zwischen USA und Iran

Blockade der Strasse von Hormus: Diese Massnahme wollen die USA nach den gescheiterten Friedensverhandlungen mit dem Iran am Montag umsetzen. Ab 16:00 Uhr MESZ wird die Passage für Schiffe gesperrt, die iranische Häfen ansteuern oder verlassen.

13.04.2026

Die USA blockieren die Strasse von Hormus, und China schaut genau hin. Peking interpretiert das Vorgehen von Donald Trump als grünes Licht, um selbst Seewege zu sperren. Der Anfang ist bereits gemacht.

Andreas Fischer

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Die US-Blockade der Strasse von Hormus könnte zu einem gefährlichen Präzedenzfall werden.
  • Vor allem China schaut genau hin: Schliesslich liefert Donald Trump eine Blaupause, wie man sich ungestraft über internationales Seerecht hinwegsetzt.
  • Experten befürchten, dass Peking seine Interessen im Südchinesischen Meer nun ungehindert durchsetzt: Das könnte vor allem für Taiwan gefährlich werden.

Dass die Strasse von Hormus eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt ist, dürfte in den vergangenen Wochen auch dem letzten klar geworden sein. Erst blockiert der Iran das Nadelöhr der Weltwirtschaft und lässt kein Öl mehr durch. Dann drohen die USA, die Strasse freizubomben. Also gibt der Iran lieber ein bisschen nach.

Und dann das: US-Präsident Donald Trump lässt seinerseits eine Blockade einrichten. Die Folge der Doppelblockade: Es kommt noch weniger Öl aus dem Persischen Golf auf dem Weltmarkt an.

Die US-Blockade trifft vor allem China, dem grössten Abnehmer von iranischem Öl. Präsident Xi Jinping mahnt folgerichtig die Autorität des Völkerrechts an. «Wir können nicht zulassen», sagt er bei einem Treffen mit dem Kronprinzen von Abu Dhabi, «dass die Welt zum Gesetz des Dschungels zurückkehrt».

Doch eigentlich dürfte Xi Jinping gar nicht so unglücklich darüber sein, dass sich Donald Trump nach dem Gesetz des Dschungels richtet. Vorausgesetzt, es gilt gleiches Recht für alle.

China probt schon mal die Blockade

Denn während alle Augen auf die Strasse von Hormus gerichtet sind, bahnt sich 3700 Seemeilen weiter östlich ein potenziell noch brisanteres Problem an. Im Südchinesischen Meer zieht China eine militärische Schlinge um das Scarborough-Riff zu: Das Riff liegt in der Wirtschaftszone der Philippinen, was Peking aber nicht sonderlich zu interessieren scheint.

Seit Jahren kommt es zu militärischen Spannungen, nun hat Peking den Zugang offenbar mit Schiffen und einer schwimmenden Barriere blockiert. Dies belegen aktuelle Satellitenbilder, die der Nachrichtenagentur Reuters vorliegen. Das Gebiet ist praktisch unter chinesischer Kontrolle. Das hat nicht nur für die Fischer vor Ort weitreichende Folgen.

Wer soll China davon abhalten, das Scarborough-Riff und weitere wichtige Seewege zu blockieren? Die USA haben mit der Blockade von Hormus deutlich gemacht, dass sie sich das Recht nehmen, internationale Wasserwege auch ohne UN-Mandat zu blockieren und zu kontrollieren. Die offizielle Begründung sind nationale Sicherheitsinteressen. 

Unter Fachleuten besteht die Sorge, dass die USA China damit faktisch ein rechtliches Instrumentarium an die Hand geben. Peking könnte argumentieren, dass Washington die internationalen Normen de facto geändert habe, was es China ermögliche, eigene Interessen durch ähnliche Blockadetaktiken durchzusetzen.

Experten befürchten, dass dieses Vorgehen zu einer gefährlichen Eskalation führen könnte. Carlyle Thayer, Professor an der Australian Defence Force Academy, warnt im «Time»-Magazin vor einem Präzedenzfall, «bei dem China das Recht auf Blockaden und die Kontrolle über den Zugang zu internationalen Wasserwegen geltend machen könnte». Das Prinzip des freien Seehandels, das im internationalen Seerechtsübereinkommen (UNCLOS) verankert ist, würde untergraben werden.

China schaut, wie weit es gehen kann

Durch das Südchinesische Meer, in dem sich China mit fast allen Anrainerstaaten um Einflusssphären streitet, wird ein Drittel des Welthandels verschifft. Würde Peking mit seiner imposanten Marine ernst machen, hätte das eine ganz andere Dimension auf den weltweiten Warenverkehr als die Blockade von Hormus. Und dann ist da auch noch die Taiwan-Frage ...

China könnte Donald Trumps Politik des Stärkeren als Modell nehmen und Blockaden in den Gewässern rund um Taiwan durchsetzen – aus nationalen Sicherheitsinteressen. Die Folgen für Taiwan und den internationalen Handel wären gravierend. Peking betrachtet Taiwan als Teil seines Territoriums und hat bereits mehrfach mit militärischer Gewalt gedroht, die Insel unter seine Kontrolle zu bringen.

Die USA hätten kaum Argumente gegen ein solches Vorgehen. Zumindest keine glaubwürdigen, da sie selbst in der jüngsten Vergangenheit militärische Interventionen und Zwangsmassnahmen durchgeführt haben. «Ich glaube, die Chinesen gehen davon aus, dass die Bereitschaft der internationalen Gemeinschaft, sie zu ‹bestrafen›, derzeit wahrscheinlich geringer ist», analysiert Oriana Skylar Mastro, Professorin und Expertin für Chinas Militär an der Stanford University, im «Time»-Magazin.

Prof. Klemens Fischer von der Universität Köln sieht in Pekings aktueller Blockade des Scarborough-Riffs einen Testfall, wie er der «Bild» sagt. Man wolle schauen, ob man mit derartigen Sperren durchkommt. Die Sorge des Experten ist, dass Peking Erfolg hat und – Schritt für Schritt – die Kontrolle über die Seewege der Region übernimmt.

Chinesische Boote blockieren aktuell den Zugang zum Scarborough-Riff im Südchinesischen Meer. (Archivfoto)
Chinesische Boote blockieren aktuell den Zugang zum Scarborough-Riff im Südchinesischen Meer. (Archivfoto)
EPA

Europa zahlt für den neuen Sport der Grossmächte

Gelackmeiert wären am Ende übrigens die Europäer, die besonders abhängig von den Handelsrouten sind. Übernimmt China die Kontrolle, steigen die Transportkosten, was sich in höheren Preisen für viele Produkte niederschlagen würde. Fischer warnt: «Wenn China hier den Zugang zu wichtigen Seewegen kontrolliert, könnten die Auswirkungen für den globalen Handel gravierend sein.»

Europa könnte wenig tun, um sich zu wehren. Fischer zieht ein düsteres Fazit: «Wenn das Sperren von Seewegen, die für die Weltwirtschaft lebensnotwendig sind, zum Sport der Grossmächte wird, sind die Europäer diejenigen, die die Zeche bezahlen, ohne in der Lage zu sein, zu intervenieren.»

Die internationale Gemeinschaft, insbesondere aber Europa, steht nun vor  einer grossen Herausforderung, sagen Experten. Sie muss verhindern, dass das US-Vorgehen an der Strasse von Hormus als Blaupause für China dient und das Blockieren von Seewegen zur neuen Norm wird. Andernfalls kann sich die Welt bald auf ein Blockade-Zeitalter einstellen. Mit der internationalen Zusammenarbeit wäre es dann wohl erst einmal vorbei.

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