USA, Deutschland und Frankreich pflichten Briten im Fall Skripal bei

SDA

15.3.2018 - 16:48

Deutschland, Grossbritannien, Frankreich und die USA haben in der Affäre um den Giftanschlag auf einen russischen Ex-Spion in Grossbritannien den Druck auf Moskau erhöht. Und die Nato warnte Russland, sie sei zur Verteidigung aller ihrer Mitglieder bereit.

Die Regierungen in Berlin, London, Paris und Washington forderten am Donnerstag in einer gemeinsamen Erklärung die russische Regierung am Donnerstag auf, "zu allen Fragen Stellung zu nehmen". Russland trage mit "hoher Wahrscheinlichkeit die Verantwortung" für die Giftattacke auf den früheren russischen Doppelagenten Sergej Skripal und seine Tochter Julia.

Die vier Staaten zeigten sich "entsetzt" über den Anschlag und verurteilten die Tat scharf. "Es handelt sich um einen Übergriff gegen die Souveränität des Vereinigten Königreichs. Ein solches Vorgehen verletzt eindeutig die Bestimmungen des Chemiewaffenübereinkommens und das Völkerrecht", hiess es in der Mitteilung weiter.

Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg

"Der Einsatz eines militärischen Nervenkampfstoffs eines Typs, wie er von Russland entwickelt wurde, stellt die erste offensive Anwendung eines solchen Nervengifts in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg dar", erklärten die Regierungen in Berlin, London, Paris und Washington. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kündigte am Donnerstag zudem "Massnahmen" als Reaktion auf den Giftanschlag an.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg warnte Russland, das Militärbündnis sei zur Verteidigung aller seiner Mitglieder bereit. Russland verwische auf vielerlei Art "die Grenze zwischen Frieden, Krise und Krieg". Er sicherte London erneut die Solidarität der Nato zu. "Grossbritannien ist nicht alleine."

"Putin fühlt den Geist Stalins"

Der britische Aussenminister Boris Johnson sagte dem Sender BBC, Russland befinde sich derzeit auf einem gefährlichen Weg. "Putin fühlt den Geist Stalins", sagte der Aussenminister. Der russische Präsident sehe die Truppen der Nato an den Grenzen der ehemaligen Sowjetunion. "Deshalb verursacht er Probleme."

Der Kreml kündigte derweil baldige Gegenmassnahmen wegen der von London verhängten Sanktionen an. Entsprechende Massnahmen würden "nicht lange auf sich warten lassen", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Die Position Londons sei "ganz und gar unverantwortlich". Der russische Präsident Wladimir Putin werde eine Entscheidung treffen, die in jeder Hinsicht "den russischen Interessen entspricht".

Grossbritannien macht Moskau für den Giftangriff auf Skripal und seine Tochter am 4. März in der britische Stadt Salisbury verantwortlich und verhängte am Mittwoch Vergeltungsmassnahmen. Unter anderem müssen 23 russische Diplomaten das Land binnen einer Woche verlassen, die bilateralen Beziehungen werden auf Eis gelegt.

May in Salisbury

Am Donnerstag besuchte Premierministerin Theresa May erstmals den Schauplatz des Anschlags in Salisbury. Der Anschlag habe sich in Grossbritannien ereignet, "aber das hätte auch an jedem anderen Ort sein können", sagte May und würdigte die Geschlossenheit der westlichen Verbündeten in dem Fall.

Laut britischen Medienberichten plant London nunmehr Investitionen in die Verteidigung gegen Chemiewaffen in Höhe von 48 Millionen Pfund. Dafür sei der Aufbau eines neuen Forschungszentrums geplant, sagte Verteidigungsminister Gavin Williamson in Bristol. Zudem sollen tausende Soldaten gegen den tödlichen Milzbrand-Erreger Anthrax geimpft werden.

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