WHO will bei Corona-Forschung Langzeitfolgen im Blick behalten

SDA

2.2.2021 - 05:46

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und ihr Generaldirektor, Tedros Adhanom Ghebreyesus, richten den Blick auch auf Covid-19 geschädigte Personen, die an Langzeitfolgen der Pandemie leiden. (Archivbild)
Bild: Keystone

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie ist nicht nur die Entwicklung von Impfstoffen und Erforschung neuer Virus-Varianten wichtig, sagt die WHO-Expertin Janet Diaz. Auch über die langfristigen Folgen mancher Corona-Infektionen müsse geforscht werden.

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie liegt derzeit das Hauptaugenmerk auf Impfstoffen und der Erforschung neuer Virus-Varianten. Doch nach Einschätzung der WHO-Expertin Janet Diaz sind Forschungen über die langfristigen Folgen mancher Corona-Infektionen genauso wichtig. «Wir haben immer noch nicht vollständig ergründet, was Long Covid ist», sagte Diaz in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP in Genf. Es gebe da noch einiges zu lernen, sagte die Long-Covid-Beauftragte im WHO-Notfallprogramm für die Corona-Pandemie.

Die Weltgesundheitsorganisation richtet daher am 9. Februar das erste globale Long-Covid-Seminar mit Wissenschaftlern und Ärzten aus. Danach soll der Austausch zu dem Thema in regelmässigen Abständen fortgesetzt werden.

Bezeichnenderweise gibt es noch keinen offiziellen Namen für das Auftreten von Langzeitfolgen nach einer Corona-Infektion – obwohl Millionen Menschen unter ihnen leiden, chronisch müde sind beispielsweise oder rasch die Puste verlieren.

Laut Diaz legen Studien aus Grossbritannien und anderen Ländern nahe, dass etwa jeder Zehnte nach einer Ansteckung mit Sars-CoV-2 noch mindestens einen Monat später unter Symptomen leidet.



Langzeit-Symptome im Zentrum

Während bei der akuten Corona-Infektion alte Menschen und Patienten mit Vorerkrankungen besonders gefährdet sind, stellt sich die Lage bei Long Covid anders dar: Die Langzeitfolgen treffen Menschen mit unterschiedlicher Schwere der Covid-19-Erkrankungen und offenbar auch jüngere Menschen – und sogar Kinder, sagte Diaz.

Die Medizin müsse sich nicht nur mit der Vorbeugung gegen Corona-Ansteckungen und der Behandlung akuter Infektionsfälle beschäftigen, sondern auch mit der Folgebehandlung bis zur vollständigen Genesung. Die häufigsten Langzeit-Symptome scheinen Erschöpfung und Müdigkeit zu sein, hinzu kommen Kurzatmigkeit, Herzrasen, aber auch neurologische und kognitive Probleme.

Mittlerweile gibt es laut Diaz einen intensiven Austausch zwischen den Betroffenen sowie mehrere Studien, für die Covid-19-Patienten über einen längeren Zeitraum beobachtet wurden. Ferner hätten Wissenschaftler begonnen, sich mit den zugrundelegenden Faktoren zu befassen. «Jetzt haben wir wahrscheinlich genügend Anschauungsmaterial und Daten, um damit zu beginnen, das alles zusammenzubringen», sagte Diaz mit Blick auf die geplante Fachtagung kommende Woche.

Dort soll eine Definition und ein offizieller Name für die Corona-Langzeitfolgen gefunden und Standards für die Erhebung von Daten dazu festgelegt werden. Ausserdem soll die Teilnahme von Geldgebern an der Veranstaltung der Long-Covid-Forschung einen Schub geben. Für Betroffene hat Diaz eine ermutigende Nachricht: «Es kann lange dauern, aber letzten Endes werden sie wieder ganz gesund.»

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