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Larry Ellison (r.) mischt zusammen mit Sohn David und ihrer Firma Paramount Skydance die US-Medienlandschaft auf: Sie stehen US-Präsident Donald Trump (l.) nahe, der sich immer wieder über Sender wie CBS News oder CNN beschwert.
Bild: IMAGO/UPI Photo
Star-Journalist Scott Pelley erzählt nach seinem Rauswurf bei der Sendung «60 Minutes», wie mit der frischen Chefredaktorin ein neuer politischer Wind beim Sender CBS News eingezogen ist. Konkret geht es um Anti-ICE-Proteste in Minnesota. Nun wird berichtet: Dasselbe Schicksal blüht CNN.
Milliardär Larry Ellison und sein Sohn David sind die neuen Herren von Paramount Skydance, dem Medien-Riesen, zu dem auch der Sender CBS News gehört. Dessen journalistisches Flaggschiff ist seit 1968 das Format «60 Minutes».
Die Ellisons installieren bei CBS News die neue Chefredaktorin Bari Weiss und bei «60 Minutes» Nick Bilton als neuen ausführenden Produzenten. Das Duo krempelt die Nachrichtensendung um: Führende Köpfe fliegen raus – darunter Scott Pelley, der über Jahrzehnte für «60 Minutes» vor der Kamera stand und aus den Krisengebieten dieser Welt berichtet hat.
Wie geht es dem 68-Jährigen heute? «Es gibt einige Momente am Tag, an denen ich mich gut fühle», sagt Pelley in einem «New York Times»-Interview. «Und es gibt einige Momente, an denen ich ehrlich gesagt einfach auseinanderfalle.»
Es gehe dabei nicht um Selbstmitleid: «Ich bin mir nicht wichtig. Mir geht es gut. Diese Leute, die ich zurückgelassen habe, sind mir wichtig», betont er mit Blick auf die «60 Minutes»-Kollegen. «Diese Leute, die immer noch dort in der Falle stecken.» 37 Jahre sei er in der Redaktion gewesen. «Verheiratet bin ich seit 42 Jahren. So tief geht meine Hingabe.»
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Kollegen «in der Falle»? Ist die Lage wirklich so schlimm? Pelley erzählt, wie Bari Weiss erstmals auf die Redaktion getroffen ist. Die neue Chefredaktorin habe gefragt, warum das ganze Land denke, dass «60 Minutes» voreingenommen ist. «Wir hatten einfach das Gefühl, dass sie Aussagen macht, die sie vielleicht nicht belegen kann», erzählt Pelley.
Und: «Dass sie mit erhärteten, vorgefassten Ansichten in die Redaktion kommt, die nicht durchdacht sind.» Wie Weiss dann einen neuen Kurs einschlägt, erklärt er anhand eines konkreten Beispiels: den Anti-ICE-Protesten in Minnesota im Januar und Februar und die Tötungen der Protestierenden Renee Good und Alex Pretti.
Pelley beschreibt das Niveau, auf dem bei «60 Minutes» gearbeitet wird:
«Ich hielt es für sehr wichtig, deutlich zu machen, dass die Demonstranten selbst sehr aggressiv waren und dass sie die Hälfte dieser Konfrontationen ausmachten, und so wies ich meine Produzenten an, Bilder zu suchen, auf denen man sieht, wie die Demonstranten aggressiv handeln.

Demonstrierende vor einer ICE-Einrichtung am 9. Januar in Minneapolis, Minnesota.
Bild: Keyxtone/
Wir fanden ein Bild, auf dem ein Demonstrant einen Polizisten mit der Brust rempelt. Wir fanden ein Bild, auf dem ein Polizist mit einem Schneeball am Kopf getroffen wird. Wir haben jede Menge Videos zusammengestellt, in denen Demonstranten Polizisten ins Gesicht schreien, weil wir über die Tötung von Pretti und die Tötung von Good sprechen wollten, und es schien mir wichtig, dem Publikum den gesamten Kontext zu vermitteln.
Ich fand, dass wir das wirklich gut gemacht hatten. Wir haben auch ein Bild von Alex Pretti eingebaut, auf dem er, bevor er getötet wurde, ein Rücklicht eines Polizeiautos eintritt, und haben ausdrücklich gesagt: Das ist Alex Pretti, und das hat er getan.»
Scott Pelley, in his own words, spilling the tea on Bari Weiss
— Guardrails of Democracy (@demguardrails.bsky.social) 9. Juni 2026 um 12:17
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Der Beitrag, der in der Sendung am Sonntagabend laufen soll, geht in den Abnahme-Prozess. Alle sind zufrieden, nur kleinere Korrekturen werden gemacht.
«Und etwa vier Stunden nach unserer Deadline schickt Bari Weiss eine E-Mail an meine Chefin Tanya Simon. In der E-Mail geht es unter anderem um zwei Dinge: Können wir die Demonstranten gewalttätiger darstellen? Ich drücke mich jetzt mal etwas umschreibend aus. Ich habe das Zitat nicht, aber das wurde mir so mitgeteilt. Und der andere Punkt: Renee Goods Auto. Du musst beschreiben, dass sie auf den Polizisten zufährt.»

Renee Good in ihrem Wagen am 9. Januar – kurz darauf wird sie erschossen.
via «ABC News»
Pelley hat die Aufnahme von Renee Goods Tod mehrfach gesichtet. Ihr Auto sei von dem ICE-Agenten weggefahren. Weiss habe jedoch darauf bestanden, dass der Präsident etwas anderes gesagt habe. Und das wollte die Chefredaktorin sehen, stellt es Pelley dar. Er sagt:
«Sie hat die Waage zugunsten der Regierung beeinflusst. Sie hat ständig auf die Ansichten des Präsidenten geachtet. Wir berichten über diese Ansichten. Es ist nichts Falsches daran, über diese Ansichten zu berichten. Aber es hat nie gereicht.»
Der Kurswechsel hat Folgen. TV-Journalist Anderson Cooper beschliesst im Februar, sein Engagement nicht zu verlängern. Eigentlich ist der 18-fache Emmy-Gewinner das Gesicht vom Konkurrenzsender CNN, doch in seinem Vertrag hat er sich garantieren lassen, weiter «60 Minutes» machen zu dürfen. 20 Jahre war der 59-Jährige bei dem Format.
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Am 2. Juni muss auch Pelley selbst gehen: Donald Trump nennt den Journalisten «steif» und freut sich öffentlich über seinen Rauswurf. Erst im «New York Times»-Interview erfährt Pelley, dass der Präsident ihn in einem Podcast einer Gang von «dummen, korrupten Leuten» zuordnet, «denen dein Land egal ist».
Das trifft den 68-Jährigen sichtlich. Er sagt:
«Dumm? Das kann ich verkraften. Steif? Ja, wahrscheinlich. Das Land ist mir egal? Ich habe nie die Uniform getragen. Aber ich war für dieses Land im Einsatz, in Afghanistan, im Irak und in Kuwait. Ich wurde beschossen, habe Nächte in Erdlöchern verbracht und in der Wüste Wasser geholt. Mir ist nicht bekannt, dass der Präsident der Vereinigten Staaten jemals irgendetwas davon für sein Land getan hat. Bitte korrigieren Sie mich, wenn ich mich irre.
Scott Pelley responds to Trump saying he doesn’t care about the country: “I’ve never worn the uniform, but I’ve been in combat for this country. In Afghanistan, and Iraq, Kuwait. Been shot at. Spent nights in foxholes filling up with water in the desert. I’m not aware that the… pic.twitter.com/TskersR5Lo
— Marco Foster (@MarcoFoster_) June 7, 2026
Man wird Journalist, weil man [die Redefreiheit] liebt. Man wird Journalist, weil man das Land liebt. Und während all die anderen Beschreibungen, die der Präsident für mich verwendet, vielleicht zutreffen mögen, trifft diese nicht zu.
Ohne Journalismus gibt es keine Demokratie. Das geht einfach nicht. Deshalb bin ich Journalist.»
Das Argument, dass «60 Minutes» nicht mit der Zeit gehe, lässt Pelley übrigens nicht gelten. Er verweist darauf, dass die Online-Zahlen sich sehen lassen könnten. Das Internet-Format «60 Minutes Overtime» habe man schon 2010 eingeführt. Er habe bei jedem Dreh auch TikTok-Videos gemacht, versichert Pelley: «Wir sind da. Wir sind überall.»
Scott Pelley says Bari Weiss needs to be removed from CBS News because she, not he and CBS News, are biased: “She brings an ideology into CBS News where that is just anathema.” And he equates running CBS News to flying a 747.@LuluGNavarro, @NYTimes The Interview podcast host:… pic.twitter.com/gLr6MDXnZw
— Brent Baker 🇺🇲🇺🇦 🇮🇱 (@BrentHBaker) June 7, 2026
Mit Blick auf Chefredaktorin Weiss und Executive Producer Bilton beendet die Journalismus-Legende das «New York Times»-Interview so:
«Wir haben Leute, die in diese Posten gesetzt wurden und die – ohne eigenes Verschulden – keinerlei Erfahrung im Fernsehen haben. Sie wissen nicht, was sie tun. Und es gibt eine subtile politische Voreingenommenheit, die ich bei ‹60 Minutes› oder bei CBS News noch nie zuvor gesehen habe. Das ist also meine Hoffnung: eine Rückkehr zur Vernunft. Wir können das noch retten. Es ist möglich, dieses Flugzeug sicher zu landen. Aber im Moment steht CBS News in Flammen.»
— jillian blue 🎨 (@cre8ivetype) June 4, 2026
Die Entlassung wie auch das Interview schlagen hohe Wellen. Das Nachrichtenportal «Business Insider» lobt mit Blick auf die Kollegen, vor die sich das Urgestein stellt, «Die herzzerreissende Treue von Scott Pelley».
Don Lemon: “Bari Weiss is murdering CBS News. She’s helping to murder and end journalism and the First Amendment and she should be very aware of that especially as someone who owned a news organization called The Free Press” pic.twitter.com/Uc0VyYai6k
— Marco Foster (@MarcoFoster_) June 4, 2026
«Bari Weiss bringt CBS News um», erregt sich Journalist Don Lemon beim TV-Sender MS Now. Sie helfe dabei, den Journalismus und die Redefreiheit zu beerdigen – ausgerechnet sie, die das Medienunternehmen «The Free Press» gegründet habe.
Während der Umbau von CBS News im Gange ist, bahnt sich schon die nächste Baustelle an: Skydance Media ist gerade dabei, für gut 110 Milliarden den Medien-Riesen Warner Bros. Entertainment zu schlucken, nachdem Konkurrent Netflix im Bieterrennen ausgestochen worden ist.
Trump lashes out at NBC News's Kristen Welker and abruptly leaves the interview.
— Clash Report (@clashreport) June 7, 2026
Trump tells her:
You're either crooked or you're stupid... You're crooked, and Meet the Press is crooked, and so is ABC, CBS, and CNN.pic.twitter.com/rynIipTzKG
Wenn die Ellisons den Deal abgeschlossen haben, gehören ihnen Film-Studios wie New Line Cinema oder Castle Rock Entertainment, aber auch Sender wie HBO oder – über Warner Bros. Discovery – auch CNN. Die Berichterstattung des Nachrichtensenders ist Donald Trump immer wieder ein Dorn im Auge.
Trump attacking Kaitlan Collins: CNN's a very corrupt organization, with a corrupt reporter standing right there, never smiles. Young, beautiful woman, never smiles. I never see a smile on her face. I see her standing with such hatred in her eyes. pic.twitter.com/mF2dKWKC48
— Acyn (@Acyn) June 3, 2026
Doch auch bei dem News-Riesen stehen die Zeichen auf Veränderung: Wie das Newsportal «Axios» berichtet, wollen die Ellisons, dass Bari Weiss nach der erfolgreichen Übernahme auch bei CNN mit eisernem Besen auskehrt. Donad Trump dürfte das gefallen: Es würde wohl bedeuten, dass eine kritische Auseinandersetzung mit dem Weissen Haus abnimmt.
Axios reports Bari Weiss — currently CBS News Editor-in-Chief — is positioned to oversee CNN's editorial operations too if the Paramount-Warner Bros.
— Clash Report (@clashreport) June 10, 2026
Weiss was installed at CBS in October 2025 by David Ellison, reports directly to him, and has already overhauled CBS News.
New… pic.twitter.com/rYau0GOVTb
Das Vorgehen erinnert an die Presselandschaft in Ungarn, wo sich reiche Freunde von Viktor Orban zunächst in Medienprodukte eingekauft haben, um sie am 28. November 2018 gemeinsam in eine Stiftung zu überführen: Die Central European Press and Media Foundation hat damit über 400 Newswebsites, Zeitungen, TV- und Radiosender kontrolliert, was knapp 80 Prozent der nationalen Presse entspricht.
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Im Gegenzug für eine vorteilhafte Berichterstattung gab es entsprechende Werbeverträge für die Medienprodukte.