Vom Vorbildstaat zum Hassobjekt Wie die USA einst durch fehlende Weitsicht Irans Gunst verlor

Christian Thumshirn

14.3.2026

Der Schah des Iran, Mohammad Reza Pahlavi, sitzt im April 1962 zwischen Präsident John F. Kennedy und Vizepräsident Lyndon B. Johnson, während sie durch Ferngläser Marine-Landungsmanöver im Camp LeJeune in North Carolina beobachten.
Der Schah des Iran, Mohammad Reza Pahlavi, sitzt im April 1962 zwischen Präsident John F. Kennedy und Vizepräsident Lyndon B. Johnson, während sie durch Ferngläser Marine-Landungsmanöver im Camp LeJeune in North Carolina beobachten.
Bild: Keystone

Wie wird aus Bewunderung Feindschaft? Über Jahrzehnte galten die USA im Iran als Vorbild für Fortschritt und Modernität. Heute stehen sie für Einmischung und Machtpolitik. Die Wende beginnt 1953 mit einem Putsch.

Christian Thumshirn

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Das Verhältnis zwischen Iran und den USA entwickelt sich in wenigen Jahrzehnten vom Hoffnungsträger zum Feindbild.
  • Mit der Verstaatlichung der iranischen Ölindustrie durch Premier Mossadegh im Jahr 1951 verwandelt sich ein nationaler Konflikt rasch in einen geopolitischen Machtkampf mit Grossbritannien und den USA.
  • Der von CIA und britischem Geheimdienst unterstützte Putsch von 1953 stürzt Mossadegh und bringt den Schah zurück an die Macht – ein Trauma, das das Misstrauen vieler Iraner gegenüber den USA bis heute prägt.
  • Nach Jahrzehnten autoritärer Schah-Herrschaft und enger amerikanischer Unterstützung entlädt sich der aufgestaute Zorn 1979 in der Besetzung der US-Botschaft in Teheran.

Im November 1979 stürmen revolutionäre Studenten die amerikanische Botschaft in der iranischen Hauptstadt Teheran. 52 Diplomaten werden als Geiseln genommen. 444 Tage lang.

Für die Welt ist es ein Schock – und der endgültige Bruch zwischen Iran und den Vereinigten Staaten. Doch für Iraner*innen beginnt diese Geschichte lange vor 1979, als die USA im Iran noch als Hoffnungsträger galt.

Und sie führt zu einer Frage, die im Zentrum dieser Geschichte steht: Wie wurden die Vereinigten Staaten von Amerika vom Vorbildstaat zum Hassobjekt?

Iran als Spielball der Imperien

Um diesen Wandel zu verstehen, muss man weit zurückgehen. Bevor Washington im Iran zum politischen Akteur wird, steht das vorderasiatische Land bereits unter starkem Einfluss ausländischer Mächte.

Im 19. Jahrhundert gerät Persien – wie Iran damals noch heisst – in den geopolitischen Schraubstock zweier Imperien. Im «Great Game» ringen das Britische Empire und das zaristische Russland um Einfluss und Handelswege.

Die Vereinigten Staaten erscheinen den Persern Anfang des 20. Jahrhunderts zunächst als Gegenmodell zu den kolonialen Ambitionen Russlands und Grossbritanniens. Anders als die europäischen Imperien verfügen sie über keine Kolonien.

Als das iranische Parlament 1911 den amerikanischen Finanzexperten Morgan Shuster ins Land holt, um die Staatsfinanzen zu reformieren, bestätigt sich dieses Bild. Shuster stellt sich offen gegen den Druck Russlands und Grossbritanniens, die ihre Privilegien im Iran sichern wollen. Obwohl seine Mission scheitert, wird er in Teheran zum Volksheld – und stärkt den Eindruck, dass die USA ein Partner für eine unabhängige Zukunft sein könnten.

Noch bis in die 1940er-Jahre bleibt dieser Ruf intakt.

US-amerikanische Missionar*innen betreiben Schulen und Krankenhäuser, Berater helfen beim Aufbau staatlicher Institutionen. In der iranischen Öffentlichkeit erscheinen die USA als wohlwollende, vergleichsweise uneigennützige Macht.

Dieses Bild wird nicht von Dauer sein.

Der Aufstieg von Mohammad Mossadegh

In den politischen Konflikten der Nachkriegszeit beginnt sich das Verhältnis zwischen Iran und den Vereinigten Staaten grundlegend zu verändern.

Im Zentrum dieser Entwicklung steht ein Mann, der für viele Iraner*innen bis heute zu den wichtigsten Figuren der modernen iranischen Geschichte gehört.

Er heisst Mohammad Mossadegh.

Der charismatische Politiker aus alter persischer Aristokratenfamilie wird später iranischer Premierminister – und zur Symbolfigur einer potentiellen demokratischen Zukunft des Landes. Mit seinem Aufstieg bahnt sich aber ein Konflikt an, der das Verhältnis zwischen Iran und den Vereinigten Staaten grundlegend neu bestimmen wird.

Mohammad Mossadegh verbringt seine Studienjahre übrigens in der Schweiz. Vier Jahre lebt er in Neuenburg und promoviert dort 1914 in Rechtswissenschaften. Wie viele junge Intellektuelle seiner Generation ist er fasziniert von den politischen Ideen Europas.

Um 1907: Eine seltene Fotografie des jungen Mohammad Mossadegh, hier etwa 25-jährig, kurz vor seiner Studienzeit in Paris und Neuenburg.
Um 1907: Eine seltene Fotografie des jungen Mohammad Mossadegh, hier etwa 25-jährig, kurz vor seiner Studienzeit in Paris und Neuenburg.
Wikipedia

Der Ölkonflikt, der alles verändert

Ende der 1940er-Jahre wird die Ölfrage zum zentralen politischen Streitpunkt im Iran. Die britische Anglo-Iranian Oil Company kontrolliert die gesamte iranische Ölindustrie, während der iranische Staat nur rund 20 Prozent der Gewinne erhält.

Einer der schärfsten Kritiker dieses Systems ist Mohammad Mossadegh, mittlerweile nationalistischer Oppositionspolitiker und Abgeordneter im Parlament in Teheran. Ihm geht es nicht nur um höhere Staatseinnahmen, sondern um Irans wirtschaftliche und politische Souveränität.

Während Premierminister Ali Razmara davor warnt, dass Iran ohne das sogenannte Gass-Golshaiyan-Abkommen wirtschaftliche Risiken drohten und das Land technisch gar nicht in der Lage sei, seine Ölindustrie selbst zu betreiben, fordert Mossadegh eine radikale Lösung: die vollständige Verstaatlichung.

Ein Attentat – und eine historische Entscheidung

Im März 1951 erreicht der Konflikt seinen dramatischen Höhepunkt. Mohammad Mossadegh erklärt öffentlich:

«Wir halten eine Regierung für illegitim, die sich auf solch eine sklavenhafte Erniedrigung einlässt. Es führt kein Weg an der Verstaatlichung des Öls vorbei.»

Gleichentags wird Premierminister Ali Razmara von einem islamistischen Attentäter erschossen.

Wenige Tage später beschliesst das Parlament die Verstaatlichung der iranischen Ölindustrie.

Für Iraner*innen ein historischer Moment – ein Akt nationaler Selbstbestimmung. Für Grossbritannien ein geopolitischer Schock.

Der Westen schlägt zurück

Kurz darauf wird Mossadegh Premierminister. Nun ist es seine Aufgabe, die Verstaatlichung gegen den Widerstand Londons durchzusetzen. Grossbritannien reagiert mit harter Gegenwehr. Britische Kriegsschiffe blockieren den Persischen Golf, iranisches Öl wird international boykottiert.

September 1951: Jubelnde Anhänger tragen Premierminister Mohammad Mossadegh auf den Schultern über den Majlis-Platz vor dem Parlamentsgebäude in Teheran. Gerade hat er seine Forderung nach der Verstaatlichung der Ölindustrie bekräftigt.
September 1951: Jubelnde Anhänger tragen Premierminister Mohammad Mossadegh auf den Schultern über den Majlis-Platz vor dem Parlamentsgebäude in Teheran. Gerade hat er seine Forderung nach der Verstaatlichung der Ölindustrie bekräftigt.
AP

Für den Iran mit gravierenden Folgen: Da ein Grossteil der Staatseinnahmen aus dem Ölgeschäft stammt, gerät die Wirtschaft rasch in eine schwere Krise.

Die politische Lage im Iran wird zunehmend instabil.

Die Wende in Washington

In den USA sieht man Premierminister Mossadegh zunächst nicht als Gegner. Die Regierung von Präsident Harry Truman versucht Anfang der 1950er-Jahre sogar, im Ölkonflikt zwischen London und Teheran zu vermitteln.

Doch mit dem Kalten Krieg beginnt sich die strategische Perspektive der USA zu verändern. In Washington wächst die Sorge, der Iran könnte politisch destabilisiert werden – und in den Einflussbereich der Sowjetunion geraten.

Während die Wirtschaftskrise Mossadeghs Regierung schwächt, unterstützt vor allem die kommunistische Tudeh-Partei zunehmend seinen Kurs. Gleichzeitig wenden sich viele frühere Verbündete von ihm ab – konservative Eliten, Teile der Geistlichkeit und bürgerliche Parteien.

Als 1953 Dwight D. Eisenhower Präsident wird, verschiebt sich die amerikanische Politik endgültig. In der Logik des Kalten Krieges erscheint Mossadegh in Washington zunehmend als Risiko für die Stabilität der Region.

Für die Westmächte rückt damit auch eine andere Option in den Blick: ein politischer Machtwechsel in Teheran.

Teheran vor dem politischen Kollaps

Um handlungsfähig zu bleiben, lässt sich Mossadegh vom Parlament weitreichende Vollmachten übertragen. Doch der Konflikt mit seinen Gegnern verschärft sich weiter.

Schliesslich entscheidet er sich im Sommer 1953 für einen drastischen Schritt: ein Referendum über die Auflösung des iranischen Parlaments, das seine Politik zunehmend blockiert. Mossadegh will damit Neuwahlen erzwingen und sich mehr Handlungsspielraum im Konflikt mit Grossbritannien verschaffen.

1953 gehen Iraner für Premierminister Mohammad Mossadegh auf die Strasse. Trotz breiter Unterstützung führen verdeckte britisch-amerikanische Operationen und eine antikommunistische Kampagne zu seinem Sturz.
1953 gehen Iraner für Premierminister Mohammad Mossadegh auf die Strasse. Trotz breiter Unterstützung führen verdeckte britisch-amerikanische Operationen und eine antikommunistische Kampagne zu seinem Sturz.
Bild: Imago

Mit der Auflösung entsteht ein politisches Machtvakuum. Genau dieses Vakuum wird wenig später entscheidend.

Denn in Washington und London reift die Idee, Mohammed Mossadegh zu stürzen.

Der Schah wird zur Schlüsselfigur

Bis zum Sommer 1953 steht der Schah im politischen Machtkampf eher am Rand. Mohammad Reza Pahlavi ist zwar Staatsoberhaupt – doch politisch agiert er zurückhaltend.

Trotzdem wird er für Mossadeghs Gegner im Ausland zur Schlüsselfigur.

Denn nach der iranischen Verfassung kann nur der Schah einen Premierminister entlassen und einen neuen ernennen. Mit seiner Unterschrift liesse sich ein Regierungswechsel als formaler Staatsakt darstellen. Ohne sie würde der Sturz Mossadeghs wie ein offener Staatsstreich wirken.

Genau hier setzen die Planungen in Washington und London an.

Amerikanische und britische Geheimdienste stützen den Schah. Mit zwei Dekreten soll er Mossadegh entlassen und den prowestlichen General Fazlollah Zahedi zum Premierminister ernennen.

Doch der Schah zögert. Bei den Amerikanern und Briten wächst die Sorge, ihr Plan könnte scheitern.

Der Plan tritt in die entscheidende Phase

In der Nacht vom 15. auf den 16. August 1953 versuchen Armeeeinheiten, Mohammed Mossadegh festzunehmen und ihm ein königliches Dekret über seine Absetzung zu überbringen. Doch der Premierminister ist gewarnt: Der Plan fliegt auf, mehrere Offiziere werden verhaftet.

Der Schah flieht über Bagdad nach Rom.

18. August 1953: Ein Paparazzo fotografiert den Schah von Persien während seiner Flucht in Rom beim Kauf eines Tennisschlägers. Nur vier Tage später kehrt er als neuer Machthaber nach Teheran zurück.
18. August 1953: Ein Paparazzo fotografiert den Schah von Persien während seiner Flucht in Rom beim Kauf eines Tennisschlägers. Nur vier Tage später kehrt er als neuer Machthaber nach Teheran zurück.
Bild: Imago

Für einen Moment scheint Mossadegh den Machtkampf gewonnen zu haben.

Doch schon drei Tage später wendet sich das Blatt.

Die Entscheidung – echt oder orchestriert?

Am 19. August 1953 eskaliert die Lage in Teheran: Auf den Strassen versammeln sich grosse Menschenmengen. Demonstranten ziehen durch die Stadt, greifen Redaktionen und Regierungsgebäude an. Gewalt bricht aus.

Im Laufe des Tages stellen sich Teile des Militärs gegen Mossadegh. Panzer besetzen strategische Punkte der Stadt.

Am Abend ist Mossadeghs Regierung gestürzt. Schah Mohammad Reza Pahlavi kehrt postwendend nach Teheran zurück und übernimmt die Macht im Iran.

Eine neue politische Phase beginnt – unter der Herrschaft des Monarchen.

Der Moment, der das Vertrauen zerstört

Der Putsch von 1953 markiert eine historische Zäsur: Für viele Iraner*innen beginnt hier das tiefe Misstrauen gegenüber den Vereinigten Staaten.

In Teheran kursieren schon damals Gerüchte über eine Beteiligung ausländischer Geheimdienste. Beobachter berichten von organisierten Demonstrationen, Flugblättern und bezahlten Schlägertrupps, die gegen Mossadegh mobilisieren.

Beweisen lässt sich das zunächst nicht.

Im Jahr 2000 wird ein interner CIA-Bericht über den Umsturz geleakt. Der Geheimdienstoffizier Donald Wilber hatte ihn bereits 1954 verfasst – kurz nach der Operation. Darin heisst es:

«Der Militärputsch, der Mossadegh und seine Regierung stürzte, wurde unter der Leitung der CIA durchgeführt.»

Damit bestätigt sich endgültig, was viele Menschen im Iran bereits 1953 vermutet hatten. Für viele Iraner*innen ist dies der Moment, in dem sich das Bild der Vereinigten Staaten grundlegend wandelt – vom bewunderten Vorbildstaat zu einer Macht, die bereit ist, direkt in die Politik des Landes einzugreifen.

Der iranisch-amerikanische Historiker Ervand Abrahamian nennt den Umsturz einen der folgenreichsten US-Eingriffe im Nahen Osten: Er habe eine demokratisch gewählte Regierung gestürzt und das Vertrauen der Iraner in die USA dauerhaft beschädigt.

Der Schah als Partner Amerikas

Mit der Rückkehr von Schah Mohammad Reza Pahlavi beginnt eine neue Phase der Beziehungen zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten.

Der Monarch wird zu einem der wichtigsten Verbündeten Washingtons im Nahen Osten. Für die USA wird der Iran fortan mehr als ein ölreiches Land: ein strategischer Vorposten an der Südflanke der Sowjetunion – und ein zentraler Pfeiler amerikanischer Einflusspolitik in der Region.

1971: Schah Mohammad Reza Pahlavi mit Kaiserin Farah Diba und Kronprinz Reza in vollem Ornat vor dem Thron.
1971: Schah Mohammad Reza Pahlavi mit Kaiserin Farah Diba und Kronprinz Reza in vollem Ornat vor dem Thron.
imago images/United Archives International

Die Herrschaft des Schahs ist eng mit der Unterstützung der Vereinigten Staaten verbunden. Amerikanische Hilfe stabilisiert das Regime politisch, wirtschaftlich und militärisch. Die CIA hilft beim Aufbau des Geheimdienstes SAVAK, der Oppositionelle verfolgt und die Macht des Monarchen absichert.

Auch wirtschaftlich bleibt der Iran eng an den Westen gebunden. Nach dem Sturz Mossadeghs übernimmt ein internationales Konsortium unter Führung amerikanischer und britischer Ölkonzerne die Kontrolle über die iranische Ölindustrie. Zwar erhält der iranische Staat künftig einen grösseren Anteil an den Einnahmen – doch die strategische Kontrolle bleibt weitgehend in westlichen Händen.

Im Kalten Krieg gilt der Schah in Washington bald als verlässlicher Partner. Er soll als eine Art «Gendarm am Golf» Stabilität sichern und sowjetischen Einfluss zurückdrängen.

Diese Rolle zeigt sich besonders in der militärischen Zusammenarbeit. In den 1970er-Jahren kauft der Iran in gigantischem Umfang amerikanische Waffen: Kampfjets, Panzer, Raketen und modernste Radarsysteme. Ein Bericht des US-Kongresses hält fest, dass sich die amerikanischen Rüstungsexporte an den Iran bis 1974 auf mehr als 7,5 Milliarden US-Dollar summierten – eine enorme Summe für damalige Verhältnisse.

Für Washington ist diese Aufrüstung Teil der Strategie der Eindämmung der Sowjetunion. Für den Schah Ausdruck seines Anspruchs, den Iran zu einer regionalen Grossmacht zu machen.

Der wachsende Zorn Irans

Gleichzeitig versucht der Monarch, sein Land zu modernisieren. 1963 startet er die sogenannte «Weisse Revolution» – ein Reformprogramm mit Landreformen, Alphabetisierungskampagnen und der Einführung des Frauenwahlrechts.

International wird der Schah dafür gefeiert. Im eigenen Land wächst jedoch der Unmut.

Während Milliarden in Waffen, Prestigeprojekte und rasante Modernisierung fliessen, erleben viele Iraner ein zunehmend autoritäres Regime. Opposition wird vom Geheimdienst SAVAK verfolgt, politische Kritik kaum geduldet.

Der Abstand zwischen Herrscher und Bevölkerung zeigt sich besonders 1971. Zum 2500-jährigen Jubiläum der persischen Monarchie lässt der Schah bei Persepolis eine gigantische Zeltstadt errichten: Staatsgäste aus aller Welt, Pariser Spitzenköche und pompöse Militärparaden feiern die glanzvolle Vergangenheit Persiens.

13. Oktober 1971: Bei den Feierlichkeiten zum 2500-jährigen Bestehen des Persischen Reiches paradiert die iranische Armee in historischen Kriegergewändern vor Staatsgästen aus aller Welt. Historiker schätzen die Kosten des Spektakels auf mehr als 100 Millionen US-Dollar.
13. Oktober 1971: Bei den Feierlichkeiten zum 2500-jährigen Bestehen des Persischen Reiches paradiert die iranische Armee in historischen Kriegergewändern vor Staatsgästen aus aller Welt. Historiker schätzen die Kosten des Spektakels auf mehr als 100 Millionen US-Dollar.
KEYSTONE

International bewundert, wird das Spektakel im Iran für viele zum Symbol einer abgehobenen Monarchie.

Die Feier ist nicht Auslöser der Revolution – doch sie verdichtet ein Gefühl, das in den folgenden Jahren wächst: Dass ein Regime seine eigene Macht feiert, während der Abstand zur Bevölkerung immer grösser wird.

Als Ende der 1970er-Jahre wirtschaftliche Probleme, politische Repression und soziale Spannungen zusammenkommen, entlädt sich dieser Unmut.

Aus dem Protest gegen den Schah wird eine Revolution.

Und für viele Iraner*innen richtet sich die Wut nicht nur gegen den Monarchen – sondern auch gegen jene Macht, die ihn jahrzehntelang unterstützt hat: die Vereinigten Staaten.

Der Bruch mit Amerika

Einen dramatischen Höhepunkt erreicht dieser Zorn, wie bereits eingangs erwähnt, im November 1979: Revolutionäre Studenten stürmen die US-Botschaft in Teheran und nehmen amerikanische Diplomaten als Geiseln.

Für grosse Teile der iranischen Öffentlichkeit ist die Botschaft mehr als ein diplomatisches Gebäude – sie wird zum Symbol ausländischer Einmischung, vom Sturz Mossadeghs bis zur Unterstützung des Schahs.

Mit der Revolution von 1979 endet nicht nur die Herrschaft des Monarchen. Auch das Verhältnis zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten wird grundlegend neu definiert.

An die Spitze tritt Ayatollah Ruhollah Khomeini, ein schiitischer Geistlicher, der bereits in den 1960er-Jahren zu den schärfsten Kritikern des Monarchen gehört. Wegen seiner oppositionellen Predigten wurde er damals ins Exil gezwungen – zunächst in den Irak, später nach Frankreich.

In Washington unterschätzt die Regierung von Präsident Jimmy Carter die Dynamik der Ereignisse. Noch 1978 kommt die CIA zum Schluss, der Iran befinde sich in keiner revolutionären Situation. Als die Monarchie wenige Monate später zusammenbricht, trifft das die amerikanische Regierung unvorbereitet.

Von seinem Exil aus wird Khomeini zur Symbolfigur der Opposition. Als er im Februar 1979 in den Iran zurückkehrt, wird er von Millionen Menschen empfangen.

Februar 1979, Paris: Ayatollah Ruhollah Khomeini nach 15 Jahren im Exil, kurz vor seiner Rückkehr in den Iran und der Machtübernahme der Islamischen Revolution. Noch im selben Jahr kürt ihn das Time Magazine zum «Man of the Year».
Februar 1979, Paris: Ayatollah Ruhollah Khomeini nach 15 Jahren im Exil, kurz vor seiner Rückkehr in den Iran und der Machtübernahme der Islamischen Revolution. Noch im selben Jahr kürt ihn das Time Magazine zum «Man of the Year».
imago/ZUMA/Keystone

Khomeini gibt der Revolution eine klare Deutung: Der Sturz des Monarchen sei nicht nur ein Sieg über eine Diktatur, sondern auch über ein System ausländischer Einflussnahme, das seit dem Sturz Mossadeghs 1953 bestanden habe.

Viele Iraner*innen verstehen die Revolution deshalb als späte Antwort auf den Putsch von 1953.

Der deutsche Nahost-Kenner Peter Scholl-Latour, der die Revolution 1979 vor Ort erlebte und Khomeini begegnete, bezeichnete den Sturz Mossadeghs später als einen Schlüsselmoment der iranischen Zeitgeschichte.

Zwischen Feindbild und Faszination

In den folgenden Jahrzehnten wird der Konflikt Teil der politischen Identität der Islamischen Republik.

«Tod Amerika» gehört zu den ritualisierten Parolen staatlicher Kundgebungen. Gleichzeitig prägt der Gegensatz zum Westen auch die Aussenpolitik des Landes – vom Atomkonflikt bis zu Stellvertreterkriegen im Nahen Osten.

Doch das Bild der Vereinigten Staaten im Iran ist komplexer, als es die Parolen vermuten lassen. Viele unterscheiden zwischen amerikanischer Politik und amerikanischer Gesellschaft.

Kultur, Technologie und Universitäten aus den USA üben weiterhin grosse Anziehungskraft aus – besonders auf jüngere Generationen.

2026: Der Konflikt eskaliert erneut

Mit der Eskalation Ende Februar 2026 erreicht der Konflikt eine neue Dimension. Der jahrzehntelange Schattenkrieg zwischen beiden Seiten tritt offen zutage.

Für viele Iraner wirkt diese Entwicklung wie eine Bestätigung jener historischen Erfahrung, die seit 1953 das Verhältnis zum Westen prägt: Dass ausländische Mächte versuchen, über die Zukunft ihres Landes zu entscheiden. Andere sehen in der Intervention hingegen eine mögliche Chance: Sie hoffen, dass der Druck von aussen das Regime entscheidend schwächen könnte – eine Hoffnung, die sowohl im Iran selbst als auch in Teilen der Diaspora zu hören ist.

Zugleich zeigt die Krise, wie offen und unklar die politische Zukunft des Landes ist.

Am 8. März wurde Mojtaba Chamenei, der Sohn des getöteten Ajatollahs Ali Chamenei, zum neuen Obersten Führer des Iran gewählt. Der 56-Jährige dürfte den harten Kurs seines Vaters fortführen. US-Präsident Donald Trump machte bereits klar, dass er den neuen Machthaber nicht anerkennt.

Ein politischer Nachfolger, der für den Westen akzeptabel wäre, ist nicht in Sicht. Manche Exilgruppen setzen Hoffnungen auf den Sohn des letzten Schahs – doch im Iran selbst bleibt sein Einfluss begrenzt.


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