Wie Trump die Rassismusfrage diesmal beantwortet? Voilà! 

Von Philipp Dahm

2.8.2019

Donald Trumps Gesicht bei der Frage, ob er rassistische Sprechchöre unterbinden würde.
Screenshot: YouTube

Vor seinem jüngsten Wahlkampfauftritt in Ohio wird Donald Trump gefragt, ob er diesmal rassistische Rufe zu stoppen gedenke. Seine Antwort ist alles, nur eins nicht: aussagekräftig.

Wer wird bei den Demokraten das nächste Topmodel? Der zweite Teil TV-Kür ist vorbei. «Nach einiger Reflektion, 24 bis 28 Stunden später …», befindet Stephen Colbert in seiner «Late Show», «hat man erst verdaut, was passiert ist. Jetzt kann ich voller Vertrauen sagen ... Was ist passiert?» Als das Gelächter verebbt, legt der Late-Night-Mann nach: «Und: Warum ist es passiert? Es sind 20 Leute, und wenn ich grosszügig bin, sollten es sechs sein.»

Weil die grossen Sender ein Interesse daran hätten, dass sich die Kandidaten zerfleischen, seien die Favoriten von den Aussichtlosen stundenlang  gegängelt worden – «während der Mann, den die Demokraten eigentlich wirklich angreifen wollen, kaum erwähnt wird. Aber wissen Sie, wer den Mut hat, über Donald Trump zu reden? Donald Trump!»

Der US-Präsident hatte gestern Abend einen Wahlkampfauftritt in Cincinnati, Ohio – und es war der erste Anlass dieser Art, nachdem der 73-Jährige in North Carolina rassistische «Schickt sie zurück»-Rufe provoziert hatte. Ab Minute 2:35 ist zu sehen, wie eine Reporterin Trump vor seiner Anreise nach Cincinnati fragt, ob er dem Publikum diesmal Einhalt gebieten würde, wenn sich derlei wiederholte.

Wenn Trump bei Rassismus eingreifen würde, hätte er gar kein Publikum mehr, meint Stephen Colbert.
Screenshot: YouTube

«Ich weiss nicht, was passieren wird. Nur so viel: Ich gehe nach Cincinnati», so seine bis hierhin wenig überraschende Replik. «Die Arena ist eine sehr grosse, und sie ist ausverkauft. Wie ich gehört habe, hätten wir sie wahrscheinlich zehn Mal füllen können.» Well done, Mr. President – aber wie wollen Sie denn nun reagieren? «Trump fährt damit fort, die Frage nicht zu beantworten», spoilert Colbert und übergibt an den Mann aus dem Weissen Haus.

«Ich weiss nicht, ob sie das rufen werden oder nicht. Wenn sie das wieder rufen würden, müssten wir sehen, was passiert», sagt Trump nun. «Würden sie das stoppen, Sir?», will die Reporterin wissen. Und Trump: «Ich weiss nicht, dass man Leute nicht stoppen kann.» Trotz dieser kryptischen Aussage wird der Präsident gefragt, ob er eine Botschaft für sein Publikum habe. «Wisst Ihr, was meine Botschaft ist? Ich liebe sie! Und ich glaube auch, sie lieben mich.»

Colbert übersetzt ab 3:48: «Sie lieben mich wirklich – oder sie hassen Mexikaner. Ihr wisst schon: Kartoffel oder Burrito.» Dabei seien es doch noch 16 Monate bis zur Wahl: Es sei mit Blick auf die Demokraten ganz natürlich, dass es erst viel Kandidaten gebe, die man dann langsam aussiebe – so wie Schildkröten, die bereits am Strand von hungrigen Möwen erwartet würden.

Um im Bild zu bleiben: Colbert kreist im weiteren Verlauf seines Monologs um Demokraten wie Tim Ryan oder Cory Booker und lässt dann und wann einen Tropfen Vogelkot auf sie herabfallen. Trump wird das recht sein. Sch.... der Teufel nicht ohnehin immer auf den grössten Haufen?

Wie dem auch sei: Seine Ohio-Reise hat der Präsident nicht bereuen müssen. Statt «Send her back» skandierte sein Publikum «Lock her up», es ist der Bringt-Hillary-Clinton-in-den-Knast-Schlachtruf aus dem Wahlkampf in 2016.

Tatsächlich könnte Trumps Rede in Cincinnati unter dem Motto «Verkehrte Welt» stehen, denn nicht er treibe einen Keil in die Nation, sondern der politische Gegner: «Die wuterfüllte Demokratische Partei will Amerika spalten», sagte Trump. «[Sie] wird jetzt von vier Linksextremisten angeführt, die alles ablehnen, was recht und lieb ist.»

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