5 PunkteWie kann eine Trump-Aussage den Ölpreis um ein Viertel drücken?
Philipp Dahm
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Sicherlich hat das Wort des US-Präsidenten Gewicht. Aber wie bringt es Donald Trump fertig, den Ölpreis von fast 120 Dollar auf weit unter 90 Dollar mit nur einem Satz zu senken? Und: Ist das nachhaltig?
Was macht der Öl-Preis? Willkommen auf der Achterbahn: In weniger als drei Monaten steigt der Preis von unter 60 auf fast 120 Dollar pro Barrel Brent – und sinkt dann wieder auf unter 90.
Was hat Trump gesagt? Mit diesen quasi 1,5 Statements gelingt es dem US-Präsidenten, die Märkte zu beeinflussen.
Warum hat das solche Auswirkungen? Die Strasse von Hormus im Blickpunkt.
Wie nachhaltig ist das Ganze? Kurze Antwort: Taten sagen mehr als Worte.
Sind Minen wirklich ein Problem? Und ob! Frappant: Washington und London haben gerade ihre Minenräume abgezogen.
Willkommen auf der Achterbahn: Wegen des Iran-Krieges ziehen die Energiepreise kontinuierlich an. So kostet die in Europa gängige Marke Brent Crude am 16. Dezember 2025 noch unter 59 Dollar. Am 16. Januar sind es gut 64 Dollar, am 16. Februar sind es 68,65 Dollar.
Entwicklung des Preises für ein Barrel Brent-Öl über ein Jahr.
Oilprice.com
Am 27. Februar – es ist der Vortag des Kriegsausbruchs – schliessen am Freitag die Märkte bei einem Preis von 72,87 Dollar. Am folgenden Montag springt der Wert auf 77,74 und am 3. März auf 81,4 Dollar. Der Höhepunkt wird am 8. März erreicht: Der Preis steuert stramm darauf zu, die 120-Dollar-Marke zu stürmen.
Am 6. März liegt der Preis für ein Barrel Brent-Öl noch bei unter 85 Dollar. Er schwillt am 8. März auf knapp 117 Dollar an, nur um am Folgetag wieder bis auf zeitweise unter 90 Dollar zu purzeln.
Oilprice.com
Am Folgetag dann der jähe Sturz: Am Montag, dem 9. März, rauscht der Wert wieder nach unten. Nun muss nur noch 87,21 Dollar für ein Barrel gezahlt werden. Am 10. März sinkt der Wert zwischenzeitlich sogar auf unter 85 Dollar.
Und das alles nur, weil Donald Trump – sagen wir – 1,5 Sachen gesagt hat, die den Markt sichtlich beeinflusst haben.
Was hat Trump gesagt?
Es gibt vor allem eine Aussage von Donald Trump, die am 9. März Wirkung zeigt: «Ich denke, der Krieg ist so ziemlich vollständig». Der 79-Jährige führt beim Sender «CBS News» aus, dass Teherans Militär geschlagen sei: «Wenn man sich das anschaut, haben sie nichts übrig. Es ist nichts übrig im militärischen Sinne.»
«I think the war is very complete, pretty much»
Donald Trump bei «CBS News»
Dieses Statement flankiert der US-Präsident am 10. März mit einem Post auf seiner Plattform Truth Social: «Wenn der Iran irgendetwas tut, das den Öl-Fluss in der Strasse von Hormus stoppt, werden die Vereinigten Staaten von Amerika ihn zwanzigmal härter treffen als bisher.»
«Tod, Feuer und Rage» habe Teheran zu erwarten, falls das Regime den Seeweg schliesse, legt Trump nach. Das Ganze sei auch ein Geschenk an China, das auf Energie-Importe aus dem Nahen Osten angewiesen ist.
Warum hat das solche Auswirkungen?
Die Märkte reagieren mit Erleichterung auf die präsidiale Ankündigung, dass der Krieg nicht mehr lange dauere: Durch die Strasse von Hormus verläuft 20 Prozent des weltweiten Energie-Handels.
Während die USA selbst nicht so sehr auf Importe aus dem Nahen Osten angewiesen sind, hätte eine Sperrung des Seeweges für China etwa gravierende Folgen. Peking und andere Betroffene müssten ihr Öl und Gas anderswo auf dem Weltmarkt einkaufen, was wiederum den starken Preis-Abstieg erklärt.
Grundsätzlich lohnt es sich, weniger darauf zu hören, was Politiker sagen, und mehr darauf zu schauen, wie sie handeln.
Donald Trump mag zwar erklären, dass schon viel erreicht worden ist, aber sein Verteidigungsminister kündigt am selben Tag die bisher schwerste Bombardierung des Iran an. «Besser als jemals zuvor», verspricht Pete Hegseth und lässt durchblicken, dass der Krieg gerade erst begonnen habe.
Gleichzeitig hat der Iran nun damit begonnen, die Strasse von Hormus zu verminen, berichtet CNN unter Berufung auf US-Geheimdienstkreise. Die US-Streitkräfte haben nach eigenen Angaben bisher 16 Minenleger versenkt.
U.S. forces eliminated multiple Iranian naval vessels, March 10, including 16 minelayers near the Strait of Hormuz. pic.twitter.com/371unKYiJs
Der Öl-Preis zieht in der Folge am 11. März wieder an und übersteigt erneut die 90-Dollar-Marke.
Sind Minen wirklich ein Problem?
Und ob: Minen haben seit dem Zweiten Weltkrieg mehr Schiffe der US Navy ausgeschaltet als alle anderen Waffen zusammen, weiss der deutsche Militär-Enthusiast Torsten Heinrich – und berichtet von einem Dilemma.
Sources say Iran has begun laying mines in the Strait of Hormuz
Noch bis zum September haben die USA Minenräumboote der Avenger-Klasse in der Region stationiert, doch diese sind dann abgezogen worden, weil sie ihr Lebensende erreicht haben. «The War Zone» bestätigt den Sachverhalt.
Vier Minenräumer der Avenger-Klasse – die USS Devastator, USS Dextrous, USS Gladiator und USS Sentry – werden per Schiff von Bahrein zum Verschrotten in die USA gebracht.
US Navy
Vier solcher Minenräumer gebe es noch auf einer Basis in Japan, doch das Pentagon könne – wenn auch weniger effektiv – mit den drei Littoral Combat Ships am Persischen Golf Minen räumen, so Heinrich.
Mines are cheap — they cost as little as a few thousand bucks — and they can do serious damage.
So you know who historically has had trouble clearing them? The U.S. of A.
In den Golfstaaten verfüge nur Saudi-Arabien über drei Minenräumboote. Frappant, ergänzt der YouTuber: Grossbritannien hat sein letztes derartiges Spezialschiff – die HMS Middleton – Ende 2025 aus der Region abgezogen.
HMS Middleton (M34) Hunt-class Mine Countermeasures Vessel being towed into Portsmouth, England - March 8, 2026 SRC: X-@MichaelJWC626
Moderne Minen sind deutlich patenter als jenes Gerät, das im Zweiten Weltkrieg eingesetzt worden ist: Heute können sie so programmiert werden, dass sie etwa erst nach 20 Kontakten explodieren. So können sie auch in einer vermeintlich geräumten Wasserstrasse den Tod bringen.
Anderes Gerät ist mit Sensoren ausgestattet, die nur auf die Geräusche ganz bestimmter Schiffsschrauben reagieren, wie sie etwa schwere Tankschiffe abgeben. Die Minen können auch am Grund im Schlamm versteckt lauern: Die Wucht ihrer Explosion kann Boote aus dem Wasser heben, so dass sie zerbrechen.
Kein Zeichen für Frieden im Iran: Sorgen um Energiesicherheit wachsen
Kein Zeichen für Frieden im Iran: Während US-Präsident Donald Trump ein baldiges Ende des Kriegs im Iran in Aussicht stellt, gehen die Angriffe in der Region in unverminderter Härte weiter. Auch Israel macht keine Anstalten, seine Attacken einzudämmen. Berichte über angeblich vom Iran in der Strasse von Hormus verlegte Seeminen befeuern derweil die Sorge um die Sicherheit der internationalen Energieversorgung.