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Nicki Minaj (r.) mit Erika Kirk an der Jahreskonferenz von Turning Point USA. Die Rapperin lobte offen US-Präsident Donald Trump.
Keystone
Noch vor wenigen Jahren positionierte sich Nicki Minaj gegen Donald Trump. Heute steht sie auf einer Bühne der amerikanischen Rechten. Wie es zu diesem Kurswechsel kam – und welche Themen ihn befeuerten.
Vergangenen Sonntag stand Nicki Minaj auf der Bühne von Turning Point USA und lobte Donald Trump. Das war kein Zufallsmoment, sondern der vorläufige Höhepunkt eines politischen Richtungswechsels, der sich seit Längerem abgezeichnet hatte. Die politische Wende der 43-jährigen Rapperin erklärt sich in fünf Punkten.
Eigentlich stand Nicki Minaj, bürgerlich Onika Tanya Maraj, lange politischen Positionen nahe, die eher den US-Demokraten zugeordnet werden, und äusserte sich wiederholt kritisch über Donald Trump.
Nach Trumps Wahl 2016 rappte sie in einem Lied: «Island Girl, Donald Trump will, dass ich nach Hause gehe.» Sie bete, dass ihre ausländischen Freunde nicht abgeschoben würden. Ebenfalls 2016 bezeichnete Minaj Trumps Ehefrau Melania als «hirnlos».
Minaj wurde auf der karibischen Insel Trinidad und Tobago geboren und zog als Kind mit ihren Eltern nach New York. Nach eigener Aussage besitzt sie bis heute keinen US-Pass. 2018 positionierte sie sich erneut klar gegen Trumps Abschiebepolitik und schrieb auf Instagram, sie sei im Alter von fünf Jahren illegal in die USA gekommen. Sie könne sich kaum vorstellen, wie grausam es sei, Kinder in diesem Alter von ihren Eltern zu trennen.
Auch für queere Rechte setzte sich Minaj wiederholt ein. 2019 sagte sie ein geplantes Konzert in Saudi-Arabien ab und begründete dies mit der Menschenrechtslage im Land. Sie wolle ein klares Zeichen für die Rechte von Frauen, der LGBTQ-Community und für die Meinungsfreiheit setzen. Das Jahr darauf trat sie als Gastjurorin bei RuPaul’s Drag Race, der berühmten TV-Dragshow, auf.
Warum Nicki Minaj ihre Positionen gewechselt hat und wie das ganze abgelaufen ist, ist nicht ganz klar. Aber es gab Hinweise: Im September 2021 verbreitete Minaj auf X eine fragwürdige Geschichte über die Covid-Impfung: Ein Freund ihres Cousins habe sich impfen lassen und danach geschwollene Hoden bekommen, schrieb sie. Seine Verlobte habe daraufhin die Hochzeit abgesagt.
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Ein Zusammenhang zwischen Covid-Impfungen und geschwollenen Hoden gilt als äusserst unwahrscheinlich. Diese Symptome gehören nicht zu den bekannten Nebenwirkungen der zugelassenen Impfstoffe.
Minaj erklärte später, sie habe mit dem Tweet dazu anregen wollen, sich selbst eine Meinung zu bilden. Tatsächlich trug die Geschichte jedoch dazu bei, Fehlinformationen, Verschwörungserzählungen und Narrative der Anti-Impf-Bewegung weiterzuverbreiten, wie sie insbesondere im rechten politischen Spektrum kursieren.
Eine weitere Argumentationslinie, die Nicki Minaj aufgriff und die sich in den vergangenen Monaten zu einem zentralen Talking Point im rechten politischen Spektrum entwickelt hat, betrifft eine angebliche Christenverfolgung in Nigeria.
Mitte November 2025 sprach Minaj bei der US-Mission bei den Vereinten Nationen gemeinsam mit dem US-Botschafter Mike Waltz über das Thema. «Ich stehe hier als stolze New Yorkerin und bin zutiefst dankbar, dass wir in einem Land leben, in dem wir Gott frei und sicher verehren können – unabhängig von unserem Glauben, unserer Herkunft oder unserer politischen Einstellung», sagte Minaj. «Keine Gruppe sollte jemals wegen der Ausübung ihrer Religion verfolgt werden.»
Zuvor hatte Minaj einen Beitrag von Donald Trump geteilt, in dem dieser behauptete, das Christentum sei in Nigeria einer «existenziellen Bedrohung» ausgesetzt. «Radikale Islamisten» seien für «Massenmorde» an Christen in dem westafrikanischen Land verantwortlich. Minaj bedankte sich in diesem Zusammenhang bei Trump dafür, dass er das Thema «ernst nehme».

Nicki Minaj bei ihrer Rede vor den Vereinigten Nationen.
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Diese Darstellung wird jedoch von Expert*innen als verkürzt und irreführend kritisiert. Wie unter anderem die Nachrichtenagentur Associated Press berichtet, werden in Nigeria sowohl christliche als auch muslimische Zivilist*innen Opfer extremistischer Gewalt. Analysen zufolge stellen Muslime in den besonders betroffenen Regionen im Norden des Landes sogar einen grossen Teil der Opfer. Berichte über eine systematische Christenverfolgung oder gar einen «christlichen Genozid» gelten als stark überzeichnet.
Auch die nigerianische Regierung weist den Vorwurf einer gezielten Christenverfolgung zurück und spricht von einer «groben Verzerrung der Realität». Die Gewalt lasse sich nicht als systematische Verfolgung einer einzelnen Religionsgruppe einordnen.
Gleichwohl hat sich die Darstellung einer angeblich unverhältnismässigen Christenverfolgung in Nigeria innerhalb der Republikanischen Partei zu einem wichtigen politischen Thema entwickelt. Im September brachte Senator Ted Cruz einen Gesetzentwurf ein, der darauf abzielte, «nigerianische Beamte, die islamistische Dschihad-Gewalt oder die Durchsetzung von Blasphemiegesetzen begünstigen, zur Rechenschaft zu ziehen». Anfang dieses Monats drohte Trump zudem damit, sämtliche Hilfsleistungen für Nigeria einzustellen, sollte die Regierung «weiterhin die Ermordung von Christen zulassen».
Auseinandersetzungen gehören seit jeher zur Rapkultur. Beefs, Diss-Tracks und öffentliche Konflikte sind fester Bestandteil des Genres – von Bushido gegen Sido über Drake gegen Kendrick Lamar bis zu Nicki Minaj gegen Cardi B. Minajs jüngster Gegner kommt allerdings nicht aus der Musikszene, sondern aus der Politik: der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom.
Seit einiger Zeit attackiert Minaj Newsom vor allem auf der Plattform X. «Oh Gavvy Pooh, von hier an wird es für dich nur noch schlimmer, Kumpel», schrieb sie in einem Post und spielte dabei auf Newsoms Interesse an einer Präsidentschaftskandidatur 2028 an. «Das ist das Ende für dich, mein Lieber. Steig auf den nächsten Jetski und lass dein schönes Haar im Wind wehen. Das wird dich glücklicher machen als dieser Wahlkampf, den du nicht gewinnen wirst.»
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Im Zuge der Auseinandersetzung positionierte sich Nicki Minaj auch öffentlich gegen trans Menschen. Newsom hatte zuvor erklärt, er habe mehr für trans Kinder getan als jeder andere Gouverneur vor ihm und wolle ihre Situation weiter verbessern. Darauf reagierte Minaj mit einem Post auf X: «Stell dir vor, du bist der Typ, der darauf aus ist, trans Kinder zu sehen. Haha.» Weiter schrieb sie, «normale» Erwachsene wollten vor allem «gesunde, sichere und glückliche Kinder» sehen.
Der Konflikt zwischen Minaj und Newsom bleibt jedoch weitgehend einseitig. Eine direkte Reaktion auf ihre Angriffe blieb von Newsom aus. Einzig einmal postete er ein Video mit Bildern von Donald Trump und dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein, unterlegt mit dem Song «Hiss» von Megan Thee Stallion – einem Disstrack, der sich gegen Minaj richtet.
Spätestens diesen Dezember wurde Nicki Minajs Unterstützung für Donald Trump unmissverständlich. Anders als andere Künstler*innen – etwa Sabrina Carpenter – reagierte Minaj nicht verärgert, sondern demonstrativ wohlwollend, als das Weisse Haus einen ihrer Songs für einen Beitrag in den sozialen Medien nutzte.
Am Sonntag trat Minaj gemeinsam mit Erika Kirk, der Witwe des im September getöteten rechtsextremen Aktivisten Charlie Kirk, an der Jahreskonferenz von Turning Point USA auf. Während ihres Auftritts lobte Minaj die Trump-Regierung als «voller Menschen mit Herz und Seele» und sagte, sie mache sie stolz. Trump bezeichnete sie zudem als «gutaussehenden Typen», der als Vorbild für junge US-Amerikaner dienen solle.
Kaum hatte Minaj die Bühne verlassen, teilte das Weisse Haus einen Ausschnitt des Auftritts auf Instagram.