«Masslos enttäuscht»Warum sich Europas rechte Populisten von Trump abwenden
Maximilian Haase
17.4.2026
Einst verstanden sie sich noch prächtig, heute haben sich Trump und Meloni voneinander distanziert (Archivbild).
Alex Brandon/AP/dpa
Gerade noch bejubelten sie seine zweite Amtszeit, nun kritisieren sie Trump: Europas Rechtspopulisten distanzieren sich infolge von Iran-Krieg, Papst-Kritik und anderen Entgleisungen immer öfter vom US-Präsidenten.
Viele Vertreter rechtspopulistischer Parteien in Europa distanzieren sich mittlerweile von Donald Trump und seiner Politik.
Feierten sie anfangs noch den Wiedereinzug des US-Präsidenten ins Weisse Haus, kritisieren Meloni, Farage, Le Pen und andere Trump nun wegen dessen Iran-Krieg, Aussenpolitik und Äusserungen.
Weil viele Europäer auch in der Rechten Trump unter anderem für imperialistische Bestrebungen kritisieren, befürchten die Parteispitzen einen negativen «Trump-Effekt» wie in Ungarn.
Als Donald Trump Anfang letzten Jahres zum zweiten Mal ins Weisse Haus einzog, war die Euphorie unter Europas Rechtspopulisten gross, von Rom über Berlin bis London. Nigel Farage, Chef der britischen Partei Reform UK, verglich sein Idol damals mit Winston Churchill und feierte Trumps Rückkehr als «den Beginn eines goldenen Zeitalters».
Heute scheint die Symbiose zwischen Trump und seinen europäischen Freunden jedoch an einem Tiefpunkt angelangt. Immer öfter kritisieren einstige Trump-Verbündete und -Verehrer den US-Präsidenten oder zeigen ihm zumindest die kalte Schulter.
Der Krieg und die Auslöschungsdrohungen gegen den Iran, die Attacken auf Papst Leo XIV. und auch das Scheitern seiner engsten politischen Freunde haben eine Distanzierungswelle ausgelöst. Von Meloni bis Weidel, von Le Pen bis Farage: Viele, die in Trump einen – meist den wichtigsten – Gesinnungsgenossen sahen, geben sich irritiert über sein politisches Handeln, seine aggressive Aussenpolitik und so manche Entgleisung.
Glühende Trump-Fans wenden sich ab
«Ich kenne ihn zufällig, aber das ist nebensächlich», zitiert die «Washington Post» Nigel Farage, der sich infolge der gestiegenen Energie- und Lebensmittelpreise nach den US-Angriffen und der Ernüchterung an der britischen Parteibasis merklich von Trump distanziert. «Ich weiss nicht, wo dieser Krieg endet», kritisierte er den US-Präsidenten. Die Zeiten, in denen Farage als Trumps Statthalter in Europa auftrat, scheinen vorbei, zumal Umfragen – ähnlich wie in Ungarn – einen «Trump-Effekt» zulasten seiner eigenen Popularität zeigten.
Noch weiter von Trump entfernt zu haben scheint sich Giorgia Meloni, die lange Zeit als strategische Brücke zwischen Washington und Brüssel galt. Nach Trumps harscher Papst-Kritik kündigte die italienische Ministerpräsidentin die Zusammenarbeit in Kernbereichen auf; verweigerte den USA etwa die Nutzung italienischer Luftwaffenstützpunkte für Angriffe auf iranische Ziele.
Auslöser war Trumps verbale Breitseite gegen den ersten US-amerikanischen Papst, nachdem dieser auf Trumps Drohung gegen den Iran («ganze Zivilisation wird sterben») zur Mässigung aufgerufen hatte. Trump polterte auf Truth Social, der Papst solle «seinen Laden in Ordnung bringen» und aufhören, «die radikale Linke zu bedienen».
«Ich finde Präsident Trumps Worte gegenüber dem Heiligen Vater inakzeptabel», kommentierte die Katholikin Meloni dies, nachdem sie sich zuvor – wie zuvor gewohnt – mit Kritik zurückgehalten hatte. Auch ihr Stellvertreter Matteo Salvini, einst glühender Trump-Fan, stellte sich offen gegen den US-Präsidenten: «Wenn es eine Person gibt, die nach Frieden strebt, dann ist es Papst Leo.»
«Ich bin masslos enttäuscht von Donald Trump»
Auch aus der deutschen AfD, die sich im Blick auf Trump schon früher in Ost und West unterschied, kommt Kritik von der Parteispitze, die Trump einst als Befreier von globalistischen Zwängen feierte: «Ich bin masslos enttäuscht von Donald Trump», sagte Tino Chrupalla, Co-Vorsitzender der AfD, bei im ZDF bei Markus Lanz. Er sehe «bei diesem ganzen völkerrechtswidrigen Krieg keine Exit-Strategie», man stehe an der «Schwelle, dass wir wahrscheinlich mit Donald Trump den Dritten Weltkrieg begonnen haben».
Alice Weidel, die noch im Vorjahr Trumps Unterstützung für «patriotische europäische Parteien» begrüsst hatte, warnte, dass die Destabilisierung des Nahen Ostens nicht im deutschen Interesse liege. Trump habe «gegen ein elementares Wahlversprechen verstossen, und zwar, sich nicht in andere Staaten einzumischen», so Weidel laut «Handelsblatt» schon im Januar.
Das «Wall Street Journal» zitiert den AfD-Abgeordneten Peter Felser: «Wir können nicht das Schosshündchen einer ‹America First›-Politik sein, wenn sie deutsche Arbeitsplätze zerstört. Wir müssen eine souveräne deutsche Partei bleiben, nicht nur der deutsche Ableger der MAGA-Bewegung.»
Kritik an Trumps «imperialen Ambitionen»
In Frankreich erscheint der Blick der Rechten auf Donald Trump nicht minder kritisch: Marine Le Pen vom Rassemblement National kritisierte gegenüber der Tageszeitung «Le Parisien» die «erratischen» Kriegsziele Trumps im Iran und warnte vor «katastrophalen Folgen» für die Wirtschaft. Ihr politischer Ziehsohn Jordan Bardella ging noch einen Schritt weiter und verurteilte laut «Politico» Trumps «imperiale Ambitionen».
Diese Einschätzung teilt man auch in Nordeuropa. Morten Messerschmidt, Chef der Dänischen Volkspartei, der einst stolz nach Mar-a-Lago reiste, brach mit Trump, nachdem dieser erneut versucht hatte, den dänischen Status Grönlands infrage zu stellen. «Trump sollte eine klare Absage erhalten», schrieb Messerschmidt laut «The Atlantic» auf Facebook. «Das ist die einzige Sprache, die er versteht.»
Einer seiner Parteikollegen sei dem Magazin zufolge im EU-Parlament noch deutlicher geworden und habe Trump mit den Worten adressiert: «Lassen Sie es mich so sagen, dass Sie es verstehen: Mr. Trump, f*** off!».
Wie Trump zu einer «Belastung» wurde
Dass sich die Strategien im Umgang mit Trump ändern, liegt in vielen europäischen Ländern auch an der Stimmung in der Bevölkerung: Die grosse Mehrheit lehnt Trumps Politik Umfragen zufolge ab, oft sind es um die 80 Prozent der Befragten. Schon vor dem Iran-Krieg und den aktuellen Entwicklungen wuchs die Ablehnung infolge des Angriffs auf Venezuela und Trumps Drohungen gegen Grönland.
«Alle rechtsextremen Parteien in Europa distanzieren sich davon, weil sie ihn für zu imperialistisch halten», analysiert Fabienne Hara, Europa-Programmdirektorin bei der International Crisis Group, gegenüber «Newsweek»: «Er greift anderswo militärisch ein, und das gefällt ihnen nicht.» Der Krieg gegen den Iran sei in Europa unbeliebt, auch bei den Wählern nationalistischer Parteien, die dessen negative Folgen in Bezug auf Migration erkennen würden.
«Rechtsextreme Akteure, die Trump zuvor recht nahe standen, beginnen sich nun von ihm zu distanzieren, weil sie erkennen, dass seine Handlungen bei ihren eigenen Anhängern einfach nicht gut ankommen», zitiert «Newsweek» Stijn van Kessel, Professor für Politikwissenschaft an der Queen Mary University in London. «Er ist für die extreme Rechte eher zu einer Belastung als zu einem echten Gewinn geworden».
«Ein Nationalist, der den Nationalismus nicht versteht»
An konkreten Zahlen liess sich diese «Belastung» bei der Wahl in Ungarn ablesen, dem wohl schmerzhaftesten Schlag für die rechtspopulistische transatlantische Allianz. Viktor Orbán, der als Blaupause für das Trump-Modell in Europa galt, verlor die Wahlen gegen Herausforderer Péter Magyar. Weder die Unterstützung durch Vizepräsident JD Vance noch Trumps persönliche Videobotschaft, in der er Orbán als «fantastischen Mann» pries, konnten die Niederlage abwenden.
Die Wahlniederlage zeige «die Grenzen des MAGA-Einflusses auf und lässt Vance und Trump natürlich ein wenig lächerlich dastehen, nachdem sie Orbán so viel Unterstützung gegeben haben», analysierte Fabienne Hara gegenüber «Newsweek».
Was einst als globale rechtspopulistische Front gegen den Liberalismus geplant war, scheint nun der Unberechenbarkeit eines US-Präsidenten zu zerbrechen, der längst auch zuhause den Unmut seines eigenen MAGA-Lagers auf sich zieht.
Der bulgarische Politikwissenschaftler Ivan Krastev fasste die Entwicklung laut «Washington Post» so zusammen: Trump sei «ein Nationalist, der den Nationalismus nicht versteht, insbesondere nicht den Nationalismus der anderen.» Anfangs hätten die europäischen Nationalisten geglaubt, die neue US-Regierung gäbe ihnen Rückenwind, «weil sie ihre Werte, ihre politischen Ziele und ihre politische Agenda teilt», zitiert die Zeitung aus der US-Hauptstadt Mujtaba Rahman von der Politikberatung Eurasia Group – «Das ist inzwischen völlig zusammengebrochen.»