Geschäftssinn oder Korruption? Wie Trump rund um den Globus mit Immobilien Milliarden scheffelt

Dominik Müller

13.5.2026

US-Präsident Trump bei einem Besuch seines Golfplatzes in Turnberry, Schottland.
US-Präsident Trump bei einem Besuch seines Golfplatzes in Turnberry, Schottland.
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Donald Trump regiert die USA – und verdient weiterhin an einem globalen Immobilienimperium. Von Dubai bis Indien entstehen neue Luxusprojekte mit seinem Namen. Kritiker sehen darin massive Interessenkonflikte.

Dominik Müller

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Ein geplanter Trump Tower in Australien wurde gestoppt.
  • Gleichzeitig expandiert die Trump Organization weltweit weiter – mit Luxusprojekten im Nahen Osten, in Indien, Südostasien, Europa und Lateinamerika.
  • Kritiker sehen darin massive Interessenkonflikte, weil Donald Trump trotz Präsidentschaft weiterhin finanziell von den Auslandsgeschäften seines Familienunternehmens profitiert.

Man stelle sich vor, Bundesrat Ignazio Cassis würde neben seinem Amt noch eine Firma besitzen, die im Ausland Geschäfte macht – obwohl er als Aussenminister kontinuierlich mit Staatschefs verhandelt. Es braucht keinen Aluhut, um hier die Grenzen zwischen Staatsführung und persönlichem Profit verschwimmen zu sehen.

Hierzulande undenkbar, in den USA Realität: US-Präsident Donald Trumps Trump Organization verwaltet Luxusimmobilien, die auf dem gesamten Globus verteilt sind. Allerdings muss der Konzern nun einen Rückschlag verkraften: Die Pläne für einen milliardenschweren Trump Tower an Australiens Gold Coast sind geplatzt.

Der australische Projektentwickler Altus Property Group begründete den Abbruch mit einer zunehmend «toxischen» Marke Trump und verwies dabei auch auf den Krieg im Iran. Das Projektvolumen lag bei rund 1,5 Milliarden australischen Dollar. Vorgesehen waren Luxuswohnungen, ein Hotel und ein Einkaufsbereich. Inzwischen wurden sämtliche Hinweise auf das Vorhaben von der Website der Trump Organization entfernt.

Die Trump Organization

Die Trump Organization ist ein privater Firmenverbund, der hunderte Einzelgesellschaften unter dem Namen Trump vereint. Das Unternehmen geht auf Fred Trump, den Vater Donald Trumps, zurück und entwickelte sich ursprünglich als klassischer New Yorker Immobilienkonzern. Unter Donald Trump wurde daraus ein internationales Markenunternehmen mit Hotels, Luxusresidenzen, Golfplätzen und Lizenzgeschäften in aller Welt.

Eigentümer der Trump Organization ist Donald Trump. Zwar übergab er nach seinem ersten Wahlsieg 2017 die operative Führung an seine Söhne Donald Trump Jr. und Eric Trump, doch seine Firmenanteile verblieben in einem widerrufbaren Familientrust, dem sogenannten «Donald J. Trump Revocable Trust». Experten betonen deshalb seit Jahren, dass Trump weiterhin finanziell von den Geschäften profitieren kann. 

Führen das operative Geschäft der Trump Organization: Eric Trump (links) und Donald Trump Jr.
Führen das operative Geschäft der Trump Organization: Eric Trump (links) und Donald Trump Jr.
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Vor allem Eric Trump gilt heute als zentrale Figur bei der internationalen Expansion. Er verantwortet als Executive Vice President zahlreiche Auslandsprojekte und tritt regelmässig gemeinsam mit lokalen Investoren auf.

Das Geschäftsmodell funktioniert oft über Lizenzvereinbarungen: Die Trump Organization baut viele Projekte nicht selbst, sondern verkauft den prestigeträchtigen Namen «Trump» an Bauträger und Hotelentwickler. Dadurch fliessen Lizenzgebühren und Managementhonorare an das Unternehmen, ohne dass Trump zwingend eigenes Kapital investieren muss.

Gemäss einer Recherche der US-Antikorruptionsorganisation «Crew» befinden sich derzeit mehr als zwei Dutzend Trump-Projekte im Ausland in Entwicklung oder Planung. Eine Übersicht:

Naher Osten

Besonders stark expandiert die Trump Organization derzeit im Nahen Osten. In Saudi-Arabien, Oman, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten entstehen neue Luxusprojekte mit Trump-Branding.

In Oman entsteht etwa ein Luxusresort mit Hotel, Golfplatz und Villenanlage, das laut «Crew» auf staatlichem Land gebaut wird und in enger Verbindung mit der omanischen Tourismusbehörde steht. Gleichzeitig bestehen Partnerschaften mit einem saudischen Immobilienkonzern, dem Nähe zur Regierung in Riad nachgesagt wird.

Visualisierung des Trump International Hotel, das bis 2028 in der omanischen Hauptstadt Maskat stehen soll.
Visualisierung des Trump International Hotel, das bis 2028 in der omanischen Hauptstadt Maskat stehen soll.
Trump Organization

Auch in Katar und Dubai wurden neue Trump-Projekte angekündigt oder erweitert. Für Kritiker ist das heikel: Staaten, mit denen die USA sicherheitspolitisch und wirtschaftlich eng verflochten sind, können über solche Geschäfte indirekt Einfluss auf den US-Präsidenten gewinnen. «Crew» spricht deshalb von «massiven Interessenkonflikten» – insbesondere aufgrund der Tatsache, dass die Region derzeit von einem durch die USA initiierten Krieg im Iran aufgewühlt wird.

Indien

Stark präsent ist die Trump Organization in Indien. Dort existieren bereits mehrere Trump Towers in Metropolen wie Mumbai, Pune oder Gurgaon. Weitere Projekte sind in Planung oder im Bau. Nach Angaben von «Crew» arbeiten indische Partnerfirmen aktuell an insgesamt acht Trump-Projekten im Land.

Donald Trump Jr. (Mitte) bei der Einweihung von Turm 2 der Trump Towers in Pune am 21. Februar 2018.
Donald Trump Jr. (Mitte) bei der Einweihung von Turm 2 der Trump Towers in Pune am 21. Februar 2018.
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Indien ist damit der wichtigste internationale Wachstumsmarkt für die Trump Organization. Die luxuriösen Wohnhochhäuser richten sich an wohlhabende Käufer und gelten vielerorts als Prestigeobjekte.

Für Trump ist Indien wirtschaftlich hochattraktiv – politisch ist das jedoch sensibel. Denn gleichzeitig zählen die USA Indien zu ihren wichtigsten geopolitischen Partnern im asiatisch-pazifischen Raum. Entscheidungen der US-Regierung zu Handelsfragen oder Sicherheitskooperationen könnten deshalb immer auch wirtschaftliche Auswirkungen auf Trumps Markenimperium haben.

Südostasien

Auch in Südostasien expandiert die Trump Organization weiter. In Vietnam wurden neue Luxusresorts und Golfanlagen angekündigt. In Indonesien wiederum arbeitet Trump mit lokalen Partnern an grossen Resort- und Immobilienprojekten.

In der viatnamesichen Provinz Hung Yen, nahe der Hauptstadt Hanoi, soll dereinst ein riesiger Trump-Golfplatz entstehen.
In der viatnamesichen Provinz Hung Yen, nahe der Hauptstadt Hanoi, soll dereinst ein riesiger Trump-Golfplatz entstehen.
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Europa

Auch in Europa bleibt die Trump Organization aktiv. Bekannt sind vor allem die Golfresorts in Schottland und Irland, die Trump bereits seit Jahren gehören. Besonders das Resort im schottischen Turnberry gilt als Prestigeobjekt der Familie Trump.

Donald Trump begrüsst den britischen Premierminister Keir Starmer und dessen Frau Victoria Starmer im Juli 2025 auf dem Trump-Golfplatz in Turnberry.
Donald Trump begrüsst den britischen Premierminister Keir Starmer und dessen Frau Victoria Starmer im Juli 2025 auf dem Trump-Golfplatz in Turnberry.
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Eine besondere Rolle spielt zudem die Türkei. In Istanbul stehen seit 2012 die Trump Towers Istanbul – zwei Hochhäuser mit Büros, Einkaufszentrum und Luxuswohnungen. Das Projekt wurde gemeinsam mit dem türkischen Unternehmer Aydın Doğan entwickelt. Donald Trump erhielt dafür Lizenzzahlungen für die Nutzung seines Namens.

Die Trump Towers in Istanbul: Einer der Türme ist ein Büroturm, der andere ein Wohnturm mit über 200 Appartments.
Die Trump Towers in Istanbul: Einer der Türme ist ein Büroturm, der andere ein Wohnturm mit über 200 Appartments.
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Während Trumps ersten Amtszeit löste das Projekt mehrfach Debatten aus, weil er als US-Präsident gleichzeitig politische Entscheidungen gegenüber der Türkei und Präsident Recep Tayyip Erdoğan treffen musste. Trump selbst erklärte damals öffentlich, er habe «ein kleines Interessensproblem», weil er in Istanbul ein grosses Immobilienprojekt besitze.

Darüber hinaus werden immer wieder neue Projekte im Balkanraum diskutiert. Besonders Serbien rückte zuletzt in den Fokus. Dort gab es Berichte über Kontakte zwischen Trumps Umfeld und hochrangigen Regierungsvertretern im Zusammenhang mit Immobilienprojekten in Belgrad.

Lateinamerika

Im südlichen Teil des amerikanischen Kontinents zählt Uruguay zu den wichtigsten Standorten der Trump Organization. In der Stadt Punta del Este wurde bereits vor Jahren ein Trump Tower eröffnet. Das Luxusprojekt gehört zu den prominentesten Trump-Immobilien ausserhalb Nordamerikas.

Während des Baus des Trump Tower in Punta del Este war auf Werbebanners ersichtlich, wer hinter dem Projekt steht. Anhand der Farbe im Gesicht wird klar, dass dies nicht jedem gefiel.
Während des Baus des Trump Tower in Punta del Este war auf Werbebanners ersichtlich, wer hinter dem Projekt steht. Anhand der Farbe im Gesicht wird klar, dass dies nicht jedem gefiel.
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Obwohl das Projekt älter ist, zeigt es beispielhaft das internationale Geschäftsmodell der Trump Organization: Der Markenname wird als Luxuslabel vermarktet, lokale Investoren übernehmen Entwicklung und Finanzierung.

Warum sind die Projekte politisch problematisch?

Der zentrale Vorwurf gegen Donald Trump lautet seit Jahren, dass er seine Geschäfte nie vollständig von seinem Präsidentenamt getrennt hat. Anders als frühere US-Präsidenten verkaufte Trump seine Firmenbeteiligungen nicht, sondern überliess die operative Führung seinen Söhnen. Eigentümer blieb er trotzdem.

Dadurch entstehen potenzielle Interessenkonflikte in praktisch jedem Land, in dem Trump geschäftlich aktiv ist. Wenn Regierungen über Baubewilligungen, Steuervergünstigungen oder Infrastrukturprojekte entscheiden, profitieren indirekt die Unternehmen des US-Präsidenten. Umgekehrt könnten politische Entscheidungen Washingtons Auswirkungen auf Trumps private Einnahmen haben.

Kritiker verweisen zudem darauf, dass Trumps Firmenstruktur bewusst schwer durchschaubar ist. Die Trump Organization besteht aus hunderten Tochterfirmen, die Vermögenswerte und Einnahmen bündeln. Dadurch sei oft unklar, welche Projekte direkt Trump gehören und wo lediglich Lizenzvereinbarungen bestehen. Ethikexperten in den USA sprechen deshalb von einem beispiellosen Geflecht zwischen politischer Macht und privatem Geschäftsinteresse.


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