Trump vs. Kuba Wiederholt sich das Desaster der Schweinebucht – oder das im Iran?

Stefan Michel

29.5.2026

Die kubanische Armee demonstriert, dass sie hinter Ex-Staatschef und Revolutionsheld Raul Castro steht. 
Die kubanische Armee demonstriert, dass sie hinter Ex-Staatschef und Revolutionsheld Raul Castro steht. 
Bild: Keystone

Druck, Drohungen, Kriegsschiffe: Die Beziehungen zwischen den USA und Kuba eskalieren. Expert*innen diskutieren inzwischen offen Szenarien – vom Regimewechsel bis zum Wirtschaftskollaps – und warnen vor historischen Fehlern.

Stefan Michel

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Die USA erhöhen den Druck auf Kuba mit militärischen Signalen, diplomatischen Offerten und juristischen Schritten gegen Castro.
  • Beobachter sehen Parallelen zu früheren Aktionen gegen Venezuela und Iran.
  • Die Erinnerung an die gescheiterte Schweinebucht-Invasion von 1961 prägt die aktuelle Debatte.

Seit Monaten erhöhen die USA den Druck auf Kuba kontinuierlich: Drohungen in den Sozialen Medien, Aufklärungsdrohnen, Operationen der US-Marine, zuletzt der Flugzeugträger Nimitz, der seit einer Woche in der Karibik kreuzt, im Verband mit Lenkwaffen tragenden Zerstörern. 

Mitte Mai reiste CIA-Direktor John Ratcliffe nach Kuba und traf sich mit Regierungsvertretern und dem Enkel des ehemaligen Staatschefs Raúl Castro, «Raúlito» Rodríguez Castro. Laut CBS News begleitete ihn ein Offizier, der bei der Festnahme Maduros eine Rolle gespielt habe.

Laut mehreren Quellen habe Ratcliffe den Mann seinen kubanischen Gesprächspartnern vorgestellt als «derjenige, der ihre Leute in Venezuela getötet hat». 32 kubanische Leibwächter Maduros sollen bei der Intervention der US-Spezialkräfte getötet worden sein. Vielleicht wollte der CIA-Direktor den Kubanern damit ein Signal senden, mutmasst CBS News.

Die USA unterbinden Öl-Transporte nach Kuba fast vollständig, so dass die Insel ihren Energiebedarf nur noch zu einem Drittel decken kann. Die Folge sind Stromausfälle von bis zu 22 Stunden am Tag. Hinzu kommt «Nahrungsmittelknappheit», die die Preise selbst für Grundelmente der kubanischen Küche wie Reis hat explodieren lassen.

CIA-Direktor John Ratcliffe überbrachte Regierungsvertretern ein Angebot der Trump-Regierung, Voraussetzung sei, dass sie ihre Beziehungen zu Russland und China lockerten. Aussenminister Marco Rubio, Sohn von Exil-Kubanern, wandte sich in Spanisch an die Bevölkerung. Trump sagte in eine TV-Kamera, Kuba sein ein gescheiterter Staat, die USA wollten «den Familien, den Leuten» helfen.

Wenig später machte Axios bekannt, dass Kuba 300 Kampfdrohnen beschafft habe – laut Axios, um im Fall eines US-amerikanischen Angriffs dessen Basis in Guantanamo zu attackieren. Der kubanische Präsident Miguel Díaz-Canel warnt vor einem Blutbad, sollten die USA Kuba angreifen.

Vorerst letzter Akt: Die USA klagen den früheren Staatschef Raul Castro an, für den Abschuss von zwei amerikanischen Sportflugzeugen 1996 im internationalen Luftraum verantwortlich zu sein.

Inzwischen meldet «Politico» die Armada sei zwar ein bisschen kleiner als jene, die vor Venezuela aktiv war, bevor US-Spezialkräfte Präsident Maduro entführten, aber alle Einheiten seien in Position und bereit. Es brauche nur noch das Go ahead des Oberbefehlshabers, dann könne die Intervention beginnen.

Parallelen zu Venezuela, Iran

Das weckt verschiedene Assoziationen. Vor den Angriffen auf den Iran hatten die USA dessen Bevölkerung Hilfe zugesagt, sollten sie sich gegen ihre Regierung erheben. Anklage hatten sie gegen Nicolas Maduro erhoben.

Die Fortsetzungen sind bekannt: Spezialkräfte entführten Maduro und händigten ihn der US-Justiz aus. Die US-Armee griff im Verband mit Israel den Iran an.

Weil Trump 2026 bewiesen hat, dass er nicht mehr nur droht, sondern auch Befehle zum Angriff erteilt, fragen sich Medien und Beobachter*innen, ob oder bereits wann die USA in Kuba zuschlagen.

Das lässt eine Erinnerung aufkommen an eine weiter zurückliegende Zeit: die Invasion in der Schweinebucht im April 1961.

Aussenpolitisches Desaster: Schweinbucht-Invasion

Zwei Jahre nach der kubanischen Revolution, die eine USA-freundliche, aber alles andere als demokratische Regierung beseitigt hatte, lancierten die USA einen Angriff, mit dem sie einen Aufstand gegen die neuen, kommunistischen Führer auszulösen hofften.

US-Bomber aus dem Zweiten Weltkrieg waren zu kubanischen Maschinen umbemalt worden, um eine Revolte im Innern zu suggerieren und zu verheimlichen, dass die USA das Unterfangen orchestrierten. John F. Kennedy persönlich hatte kurz nach seiner Amtseinsetzung den Befehl zum Start der Operation gegeben, drei Monate später erfolgte der Angriff.

Der Plan war, die kubanische Luftabwehr auszuschalten, damit 1400 von US-Kräften auf die Invasion vorbereitete Exil-Kubaner am 15. April 1961 möglichst ungestört in der abgelegenen Bahía de Cochinos, der Schweinebucht, an Land gehen konnten. 

Doch die Bomben verfehlten mehrheitlich ihre Ziele, die kubanische Armee trat den Invasoren mit 20'000 Mann entgegen und beendete den Einmarsch, bevor er richtig begonnen hatte. 

Kuba-Optionen 2026

Wie könnte eine US-Operation gegen die kubanische Führung 2026 aussehen? Naheliegend ist die Entführung Raúl Castros nach dem Vorbild Maduros. Das wäre folgerichtig, schliesslich läuft in den USA ein Verfahren gegen Castro.

In Kuba wäre damit aber wenig gewonnen, denn der 94-Jährige ist seit 2018 nicht mehr Staatsoberhaupt der Insel. «Sie würden es lieben, einen der Castros zu erniedrigen und einen der Revolutionäre von 1959 hinter Gitter zu bringen», ist Adam Isacson überzeugt, der für die NGO «Washington Office on Latin America» arbeitet. Die aktuelle kubanische Regierung würde deshalb aber kaum an Macht verlieren.

Als zweite Möglichkeit bringt die BBC einen Regimewechsel ins Spiel. In Venezuela hat die Nummer zwei der alten Diktatur übernommen und agiert offenbar zur Zufriedenheit ihrer US-Auftraggeber.

Äusserungen Ratcliffes und Rubios lassen sich dahingehend deuten, dass die USA auch in Kuba Gespräche mit möglichen Führungsfiguren führen. Zuletzt hat der kubanische Botschafter bei der UNO der «New York Times» erklärt, Kuba sei bereit, mit den USA über alles und ohne Tabuthemen zu verhandeln.

Darauf schränkte er ein: «Es trägt natürlich nicht zu einem Klima des Dialogs und des Vertrauens bei, wenn alle paar Tage Äusserungen wie ‹Wir sind bereit, Kuba zu übernehmen› zu hören sind.»

Die BBC schreibt, mehrere Expert*innen, mit denen sie gesprochen habe, sähen kein Pendant zu Delcy Rodriguez in Kuba. Möglicherweise würde sich die Administration Trump damit begnügen, wenn die kubanische Regierung mehr US-Investitionen in ihr Land liesse, die chinesische und russische Spionage reduzierte, die von der Insel ausging und Exil-Kubanern Einfluss in ihrer alten Heimat geben würde. Ein Richtungswechsel ohne Regimewechsel sozusagen.

Die USA könnten auch die Blockade Kubas so intensivieren, dass die Wirtschaft der Insel zusammenbricht. Dass dies das Ende der kommunistischen Regierung bedeuten würde, ist aber mehr als unsicher. Die BBC zitiert einen Beobachter, der überzeugt ist, der Sicherheitsapparat werde auch nach einem wirtschaftlichen Kollaps weiter funktionieren.

Schweinebucht 2.0

Ein US-Angriff auf Kuba wird auf stärkeren Widerstand treffen als jener auf Venezuela, ist Helen Yaffe überzeugt, Professorin für Lateinamerikanische Politische Ökonomie an der Universität of Glasgow. Jede Person im Land habe eine Militärische Ausbildung erhalten, erklärt sie «Al Jazeera».  

«Sogar Trump sei Beeindruckt gewesen vom Widerstand der 32 kubanischen Leibwächter Maduros. «Die denken, das sei heftiger Widerstand. Das waren 32 Kubaner. Wenn sie hierherkommen, werden es 10 Millionen sein!» So beschreibt Yaffe das Narrativ der Regierung, das in der Bevölkerung durchaus ebenfalls verbreitet sei. Zwei weitere Beobachter erklären Al Jazeera, dass US-Truppen in Kuba härtere Gegenwehr erwarte als in Venezuela, auch wenn die Insel militärisch unterlegen sei. 

Mehr als fraglich ist, dass die Administration Trump eine kubanische Flüchtlingswelle in die USA begrüssen würde. Professor Michael Shifter, Professor für Latein-Amerika-Studien an der Georgetown-Universität, erklärt der BBC, die USA würden Instabilität in Kuba ebenso vermeiden wollen, wie sie sie in Venezuela vermieden.

Ein weiteres Szenario scheint sehr unwahrscheinlich: Eine neuerliche Invasion mit Exil-Kubanern. «Schweinebucht 2.0 wird es nicht geben» zitiert das Magazin «Politico» einen anonymen Pentagon-Insider.  

Denn wenn Trump eines nicht brauchen kann, dann ist es ein weiteres militärisches Ausland-Abenteuer, das nicht mit einem schnellen Erfolg endet.

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