Juristischer KrimiWird Melania Trump und ihre Beziehung zu Jeffrey Epstein ein Fall für den Richter?
Philipp Dahm
26.1.2026
Donald Trump und Model Melania Knauss am 15. November 1999 bei einer Veranstaltung in Miami, Florida
KEYSTONE
Melania Trump hat versucht, unter Drohung einer Milliarden-Klage ein Thema unter den Teppich zu kehren, das die First Lady belastet: ihre Beziehung zu dem verstorbenen Pädophilen Jeffrey Epstein. Autor Michael Wolff schlägt mit einer Gegenklage zurück – ein Gerichtskrimi beginnt.
Abmahnung, öffentliche Entschuldigung, Klage in Milliarden-Höhe: Melania Trumps Anwälte sorgen dafür, dass nichts Falsches darüber geschrieben wird, wie sie Donald Trump getroffen hat.
Der Autor Michael Wolff macht da nicht mit: Er will mit einer Gegenklage dafür sorgen, dass die First Lady und ihr Umfeld unter Eid über ihre Beziehung zu Jeffrey Epstein sprechen.
Juristische Winkelzüge: So versuchen Trumps Anwälte, zu verhindern, dass es zu so einer Aussage kommt.
Klage über eine Milliarde Dollar? «Nur zu»: Auch Hunter Biden hat Melania Trump abgemahnt, doch der bleibt bei seiner Aussage, Epstein habe sie Donald Trump vorgestellt.
«Die Freunde der Trumps aus den 1990er Jahren, Melanias Model-Kollegen, die Model-Agenten, Epsteins Freunde und Opfer: Wen Wolff gerne befragen würde und wie er die Trump-Justiz sieht.
Wie gut kannten sich eigentlich Melania Trump und Jeffrey Epstein? Wer nach der Art der Beziehung zwischen der First Lady und dem verstorbenen Pädophilen fragt, begibt sich beim Antworten auf dünnes Eis.
Die Anwälte der 55-Jährigen, deren Dokumentarfilm am 30. Januar in den Kinos erscheint, machen keine halben Sachen: Stösst Ihnen etwas sauer auf, verschicken sie eine Abmahnung. Die Adressaten müssen ihre Aussage zurückziehen, sich öffentlich entschuldigen und eine kleine Summe zahlen. Tun sie das nicht, droht ihnen eine Milliarden-Klage.
Das wirkt. Im September zieht «The Daily Beast» ein Interview zurück und bittet auf X um Pardon. In dem Artikel ging es darum, wie sich Melania Knauss und Donald Trump kennengelernt haben. Zuvor ist die First Lady schon gegen den britischen Verlag HarperCollins UK vorgegangen – und auch der linke Polit-Berater James Carville bekam eine Abmahnung.
Jenes Interview hat «The Daily Beast» mit dem Autoren Michael Wolff geführt – und auch der hat Post von Trumps Anwälten erhalten. Doch der 72-Jährige dreht den Spiess um, klagt zurück und treibt nun offenbar die First Lady juristsich vor sich her.
«Klima der Angst»: Wolffs schlägt juristisch zurück
Die gebürtige Slowenin hat sich mit dem Falschen angelegt. Wolff hat für Blätter wie «Vanity Fair» und «New York Magazine» geschrieben, aber vor allem mehrere Treffer in den Bestseller-Listen gelandet. Vier seiner Bücher, verfasst zwischen 2018 und 2025, drehen sich um die Trumps. Auch Epstein hat Wolff über Jahre ausführlich interviewt.
'The View's Ana Navarro sounds off after Republicans subpoena Hillary Clinton in Epstein files investigation: "There are pictures of Melania Trump with Epstein!"
Wolff bedient sich eines besonderen juristischen Instruments, das sich anti-SLAPP nennt. SLAPP steht für strategic lawsuit against public participation – es geht um Klagen, in denen es vereinfacht gesagt nur darum geht, eine Entscheidung herauszuzögern, jemanden mundtot zu machen oder finanziell zu zermürben. Anti-SLAPP ist eine Form der Gegenklage.
RELEASE THE EPSTEIN FILES
Epstein introduced Trump to Melania: Author doubles down
An investigative author vehemently stands by the source who told him predator Jeffrey Epstein was the first person to introduce Trump to his future wife, Melania Trump
knewz.com/jeffrey-epst...
Wolff hat seine Klage bereits am 22 Oktober in Manhattan eingereicht, denn New Yorks Recht erlaubt solche anti-SLAPP-Fälle. Mit ihrer Abmahnung und Drohung wollten die Trumps «ein Klima der Angst in der Nation schaffen, damit die Menschen ihr Rechte [auf Meinunfreiheit und freie Rede] nicht frei und selbstbewusst ausüben können», zitiert die «Seattle Times» aus den 17 Seiten, die am Gericht eingereicht wurden.
Die Trumps: How I Met Your Mother
Zudem sollten weitere Recherchen zum Thema Trump und Epstein verhindert werden, argumentiert Wolff weiter: Die Trumps forderten «ungerechtfertigte Zahlungen, Geständnisse und Entschuldigungen nach nordkoreanischem Vorbild». Und: Wolff bleibt entschieden bei seinen Aussagen, dier er im Interview mit «The Daily Beast» gemacht hat.
Was will Wollf erreichen? Es geht nicht nur um eine Rücknahme der Abmahnung. Vielmehr setzt der Autor auf einen Vorgang, der im englischprachigen Recht Discovery heisst: Die Anwälte der Parteien dürfen noch vor einem Prozess von der Gegenseite Dokumente anfordern, schriftlich Fragen einreichen und auch Personen unter Eid befragen.
Paolo Zampolli, a former modeling agent, brought Melania Trump (then Melania Knauss) to the U.S. in 1996, securing a work visa for her to model professionally. Afterwards, significant issues arose... Zampolli is also involved as a co-conspirator in the Epstein file.
Wolff könnte Melania fragen, wie sie Donald kennengelernt hat und wie ihr Verhältnis zu Epstein war. Offiziell hat sich das Präsidentenpaar erstmals 1998 in New York bei einer Party des früheren Model-Agenten Paolo Zampolli getroffen, wo er ihr seine diversen Telefonnummern gegen habe, zeichnet «Today» die «Zeitleiste ihrer Beziehung» nach.
HarperCollins retracted the claim that Epstein introduced Melania to Trump, but these facts stand: Paolo Zampolli, former modeling agent, introduced Trump to Melania in 1998; he sat on Ghislaine Maxwell’s TerraMar Project board; and he later held U.S. diplomatic and advisory roles under Trump.
Der gebürtige Italiener und Model-Agent Zampolli ist heute übrigens der United States Special Representative for Global Partnerships.
Juristische Winkelzüge
Die Gegenklage zielt darauf ab, diese Geschichte unter Eid zu bestätigen: Die Trumps könnten nun das Gegenteil von dem erreichen, was sie mit ihren Abmahnungen mutmasslich bezweckt haben. Wolff hat aber zunächst ein Problem: Er kann diese Gegenklage nach eigener Aussage zunächst nicht zustellen, weil sich die First Lady rar macht. «Melania Trump versteckt sich vor mir», erzählt er Mitte Dezember «The Daily Beast».
Melania Trump was 28 when she met Donald Trump in 1998 not through a fashion agency, but at a party hosted by Jeffrey Epstein, known for his connections to sex trafficking and elite “modeling” events that were more accurately high end escort parties for billionaires.
So kommt die Mühle der Justiz nur langsam ins Drehen – und gleichzeitig gehen die Trumps zum Gegenangriff über: Statt dem Gericht in Manhattan soll nun ein Bundesgericht den Fall übernehmen. Begründet wird das mit diversity of citizenship: Das New Yorker Gericht ist nur zuständig, wenn beide Parteien in dem Bundesstaat leben. Melania Trump gibt jedoch an, sie lebe inzwischen in Florida.
Das rechtliche Tauziehen kann nun offenbar Monate oder gar Jahre in Anspruch nehmen: Wenn die Trumps damit durchkommen, könnten sie den Fall dem District Court for the Southern District of Florida zuschanzen. Dort arbeitet Aileen Cannon: Die Richterin ist durch meherer Urteile aufgefallen, die äusserst günstig für den Präsidenten waren.
Klage gegen Hunter Biden? «Nur zu!»
Wolffs Seite fechtet die Prämisse an, dass die 55-Jährige den Wohnort gewechselt hat: Sie bitten das Gericht nun erneut um eine Discovery – diesmal, um den Florida-Fall zu klären. Stimmt das Gericht zu, müsste sich die Präsidentengattin Fragen nach ihrem Alltagsleben, nach ihren Reisen oder ihrer Post gefallen lassen. Oder danach, wo sie ihre Steuern einreicht.
"Jeffrey Epstein had sex with Melania a full year before Trump" - Michael Wolff pic.twitter.com/47li4mDIh9
Bemerkenswert ist, dass die Anwälte der First Lady sich auch mit einem Verwandten von einem der Erzfeinde ihres Gatten anlegen: Auch Hunter Biden bekommt im August ein entsprechendes Schreiben von Trumps Kanzlei. Der Sohn von Ex-Präsident Joe Biden habe gesagt, Epstein habe die Trumps einander vorgestellt. Diese Aussage sei «falsch, verunglimpfend, verleumderisch und hetzerisch», zitiert die BBC Melanias Anwälte.
Die Androhung einer Klage auf mehr als eine Milliarde Dollar lässt den 55-Jährigen allerdings kalt: Hunter Biden bleibt bei seiner Aussage und gibt sich gelassen: «Als Trump und Melania mir mit einer Klage gedroht haben, habe ich ihnen geantwortet: nur zu!»
Lautes Schweigen von Melanias Anwälten
Er argumentiert in einem Interview mit «Channel 5 with Andrew Callaghan» ähnlich wie Wolff: «Du willst mit mir einen Discovery-Prozess durchlaufen, in dem ich dich, den Präsidenten und jede Person befragen kann, die mit dir zusammenhängt, während du mit Epstein befreundet warst? Wenn du das tun willst, mache ich es.»
Hunter Biden: "When Trump and Melania threatened me with a lawsuit, my response to them was to bring it on. You want to go through a discovery process with me in which I get to depose you and every person you were friends with in connection to Jeffrey Epstein - bring it on."
Für den Präsidenten müsste es doch sein, als würden Ostern, Geburtstag und Weihnachten auf einen Tag fallen, wenn seine Frau den Sohn seines verhassten Vorgängers in den finanziellen Ruin treiben könnte. Wie also hat seine Gattin auf die Widerworte reagiert? «Ich habe nie wieder von ihnen gehört», sagt Hunter Biden.
Auch bei Wolff ist notabene die angedrohte Milliarden-Klage bisher nicht eingegangen, obwohl sich Melania Trump mit DLA Piper von einer der teuersten Kanzleien vertreten lässt: Wenn die First Lady annimmt, ihr Ruf sei geschädigt worden, müsste sie ihre Forderungen doch durchfechten wollen?
Wolff über mögliche Zeugen und Trump-Richter in der Justiz
Und der Autor bohrt weiter in der Wunde: Wonach würde er die 55-Jähgrige nicht alles fragen? «Die Freunde der Trumps aus den 1990er Jahren, Melanias Model-Kollegen, die Model-Agenten, die sie und andere angeheuert haben, Epsteins Freunde und Opfer – all diese Menschen sprechen unter Eid und sind gezwungen, eine Welt und ein Leben zu beschreiben, das für das amerikanische Volk unverständlich, unvorstellbar und abscheulich ist», stellt sich Wolff das Ganze aus einem Substack vor
🚨HOLY COW: Hunter Biden had two words for Melania Trump's threat to sue him for repeating that she met Trump through Jeffrey Epstein.
Doch der 72-Jährige weiss auch, dass Trump das Justizwesen bereits «extensive» umgekrempelt habe, sagt Wolff «The Daily Beast»: «Es gibt viele [von Trump nominierte] Richter in meinem Melania-Prozess. Im Southern District of New York haben wir einen Trump-Richter. Nun, ich weiss nicht, was das für das Ergebnis heissen wird, aber es ist offensichtlich ein Faktor.»
Doch der Mann ist Kummer und Gegenwind gewohnt: Wolff will's wissen – und zieht nicht zurück. Weil die Trumps so viel klagen würden, erschöpfe sich gleichzeitig die Macht dieser juristischen Attacken. «Es lässt dich dumm und wie ein A******** aussehen», sagt er.
Wolff weiss aber auch, dass das den Präsidenten nicht stoppen wird: «Donald Trump – mit der Unterstützung der Regierung der Vereingten Staaten mit all diesen Anwälten – wird wieder jemanden verklagen. «Yeah, wisst Ihr: F**** euch!»
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