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Jetzt meldenPluto soll wieder Planet werden – findet zumindest der neue NASA-Chef. Hinter dem kosmischen Vorstoss steckt aber weniger Wissenschaft als purer US-Patriotismus.
Der neue NASA-Chef Jared Isaacman hat eine alte Kontroverse neu entfacht: Er will Pluto wieder als Planet einstufen lassen. Das gab Isaacman Ende April bei einer Anhörung im US-Senat bekannt. Er sei fest davon überzeugt, dass Pluto seinen verlorenen Planetenstatus zurückerhalten solle. Seine Behörde arbeite bereits an Dokumenten, um diese Position «in der wissenschaftlichen Gemeinschaft» voranzubringen.
Der Hintergrund ist allerdings weniger wissenschaftlich als patriotisch. Isaacman machte sein Statement, nachdem ihm der republikanische Senator Jerry Moran (72) eine «Kansas-spezifische Frage» gestellt hatte: «1930 wurde Pluto von einem Bürger aus Burdett, Kansas – Einwohnerzahl: 228 – entdeckt. Ich vertrete diese Ortschaft, seit ich Senator bin. Bitte erklären Sie mir, was die Interessen der NASA an Pluto sind.»
Tatsächlich ist Pluto der einzige Planet, der je von einem Amerikaner entdeckt wurde. Clyde Tombaugh fand ihn 1930 in Arizona. Isaacman erklärte daraufhin, Tombaugh solle «die Anerkennung zurückerhalten, die er einmal hatte und verdient».
Bei der Anhörung ging es eigentlich um etwas ganz anderes: Geld. Trumps Regierung will der NASA das Budget um ein Viertel zusammenstreichen – ausgerechnet jetzt, wo sich die Behörde mit der erfolgreichen Artemis-II-Mission weltweit wieder ins Gespräch gebracht hat.
Isaacman versuchte den Kahlschlag bei den NASA-Finanzen zu verteidigen und sich bei Trump beliebt zu machen. Vergeblich. Stattdessen lenkte er mit der Pluto-Debatte ab.
Und die nimmt nun richtig patriotische Züge an: Einige republikanische Abgeordnete und Trump-nahe Persönlichkeiten machen sich bereits für den Slogan «Make Pluto Great Again» stark. Senator Mike Lee aus Utah forderte Trump sogar auf, «Pluto planetary again» zu machen.
Die Internationale Astronomische Union (IAU) hat 2006 die offizielle Definition festgelegt: Ein Objekt gilt nur dann als Planet, wenn es die Sonne umkreist, hinreichend rund ist und seine Umlaufbahn von anderem Material freigeräumt hat.
Genau diesen letzten Punkt erfüllt Pluto nicht – er liegt im Kuipergürtel, einer Region voller Eis und Trümmer jenseits des Neptun. Seither gilt er offiziell als «Zwergplanet». Die IAU stellt klar: Solche Klassifikationen lassen sich nur durch internationalen Konsens ändern und nicht per Regierungsentscheid oder Dekret.
Auch ein Blick in die aktuelle Forschung zeigt: Die Politik hat momentan kaum gute Argumente auf ihrer Seite. Die NASA-Mission «New Horizons» enthüllte 2015 zwar, dass Pluto geologisch erstaunlich aktiv ist – mit Eisbergen, Gletschern und sogar einer dünnen Atmosphäre. Neue Studien liefern Hinweise auf frühere vulkanische Aktivitäten. Manche Forscher fordern deshalb eine geophysikalische Definition, die alle runden Himmelskörper mit eigener Schwerkraft einschliesst. Damit würden Pluto – und rund hundert weitere Objekte – zu «Planeten».
Eine aktuelle japanische Entdeckung könnte den Pluto-Fans aber gerade einen Strich durch die Rechnung machen. Laut einer Studie in «Nature Astronomy» hat ein Team um Ko Arimatsu auf einem noch viel kleineren Körper – dem Objekt (612533) 2002 XV93 – Hinweise auf eine Atmosphäre entdeckt.
Es wäre nach Pluto erst das zweite bekannte Objekt jenseits des Neptun mit dieser Eigenschaft, wie die AFP berichtet. Das kratzt an Plutos Einzigartigkeit – und stützt jene Forscher, die ihn als Teil einer grösseren Zwergkörper-Familie sehen.
Ein möglicher offizieller NASA-Vorstoss bei der IAU könnte frühestens an deren Generalversammlung 2027 in Rom erfolgen. Bis dahin bleibt Pluto der Zwergplanet mit den meisten Fans.