Baldiger Einsatz in Ohio 5 ICE-kalte Fakten, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen

Philipp Dahm

30.1.2026

Bericht zu Minneapolis bringt US-Regierung in Bedrängnis

Bericht zu Minneapolis bringt US-Regierung in Bedrängnis

Ein interner Bericht bringt die US-Regierung in Bedrängnis: Nach den tödlichen Schüssen auf Alex Pretti widersprechen Ermittler der Darstellung von Notwehr.

29.01.2026

Auch wenn sich die Lage in Minnesota zu beruhigen scheint, wirkt der ICE-Einsatz in dem Bundesstaat nach. Ungeheuerliche Fakten kommen ans Tageslicht – etwa zu den Todesschützen oder der Legalität der Operationen. Inzwischen scheint auch klar, wo ICE als Nächstes zuschlägt.

Philipp Dahm

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Zwei Beamte der Border Patrol, die tödliche Schüsse auf Alex Pretti abgaben, wurden beurlaubt, während sich Heimatschutzministerium und Weisses Haus gegenseitig für die voreilige Terrorismusbezichtigung verantwortlich machen.
  • Ein Richter kritisiert scharf, dass ICE in Minnesota Dutzende richterliche Anordnungen ignoriert habe, und droht dem ICE-Chef mit Sanktionen.
  • Trotz möglichem Regierungs-Shutdown könnte ICE als «essenzieller Dienst» weiterarbeiten und plant offenbar neue Razzien gegen Haitianer in Springfield, Ohio.

Bezahlte Ferien für Todesschützen

Die zehn Schüsse, die Alex Pretti am Samstag, 24. Januar, das Leben genommen haben, sind nach Behördenangaben von zwei Schützen abgegeben worden. Diese beiden Beamten des Heimatschutzministeriums sind nun nicht mehr im Dienst, werden aber weiterhin bezahlt.

«Die beiden beteiligten Beamten sind seit Samstag beurlaubt. Das ist das Standardprotokoll», heisst es von Seiten der Border Patrol, berichtet «Newsweek». Dabei ist die Rede von administrative leave, also bezahlten Ferien. Die Identität der Betroffenen wird bisher geheimgehalten.

Heimatschutzministerium und Weisses Haus belasten sich gegenseitig

Die Trump-Administration steht im Kreuzfeuer, weil Alex Pretti vorschnell als «Terrorist» abgestempelt worden ist, dessen Plan es gewesen sei, mit seiner Pistole diverse ICE-Agenten zu «massakrieren». Doch diese Vorwürfe sind unhaltbar, wenn man die verschiendenen Videos der tödlichen Szene in Minneapolis sieht.

Judge blocks ICE arrests of Minnesota refugees who were ‘subjected to terror’

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— The Independent (@the-independent.com) 29. Januar 2026 um 01:28

Das haben nun auch die Verantwortlichen eingesehen – und schieben sich nun gegenseitig die Schuld in die Schuhe.

Heimatschutzministerium-Chefin Kristi Noem etwa sagt, sie habe das Opfer nur wegen des Weissen Hauses einen «Inlandsterroristen genannt»: «Alles, was ich getan habe, habe ich auf Anweisung des Präsidenten und von Stephen getan», soll sie laut «Axios» gesagt haben. Sie meint damit Trumps Top-Berater Stephen Miller.

Ice Barbie on thin ICE.. Kristi Noem impeachment: 140 lawmakers sign on—full list www.newsweek.com/kristi-noem-...

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— Angry Donkey News (@angrydonkeynews.bsky.social) 28. Januar 2026 um 04:14

Der wehrt sich dagegen – und spielt den Ball zurück zu Noem. Miller habe Pretti nur deshalb als «Möchtegern-Attentäter» bezeichnet, der ICE-Agenten umbringen wollte, weil das Heimatschutzministerium ihm entsprechende Informationen gegeben habe, berichtet «Politico».

Die Border Patrol habe zudem nur ICE-Einsätze absichern – und nicht selber tätig werden sollen, heisst es weiter. «Wir untersuchen gerade, warum sich das [Border-Patrol-Team] möglicherweise nicht an das Protokoll gehalten hat», erklärt Miller sogar.

ICE missachtet 96 richterliche Abordnungen

ICE hat in Minnesota seit dem 1. Januar 96 richterliche Anordnungen missachtet, die 74 unterschiedliche Fälle betreffen. Das hat laut «New York Times» der Oberste Richter des Bundesstaates, Patrick J. Schiltz, bekanntgemacht. Und die Zahl liege wahrscheinlich noch höher, ärgert er sich. Er habe das Ganze nur flüchtig kontrollieren können.

Judge blocks ICE arrests of Minnesota refugees who were ‘subjected to terror’

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— The Independent (@the-independent.com) 29. Januar 2026 um 01:28

«Diese Liste sollte jedem zu denken geben, dem die Rechtsstaatlichkeit am Herzen liegt – unabhängig von seiner oder ihrer politischen Überzeugung», wird Schiltz zitiert, den der republikanische Präsident George W. Bush ins Amt gehievt hat. ICE habe damit zum Teil mehr Urteile ignoriert als «andere Bundesbhörden, seit sie existieren».

Die Worte des Richters sind eindeutig: «ICE ist nicht das Gesetz an sich. ICE hat jedes Recht, die Anordnungen dieses Gerichts anzufechten, aber wie jeder Prozessbeteiligte muss auch ICE diese Anordnungen befolgen, bis sie aufgehoben oder aufgehoben werden.»

BREAKING: Judge Patrick Schiltz cancels contempt hearing Friday where ICE chief Todd Lyons was to be forced to testify, but excoriates ICE for defying almost 100 court orders in last month. "ICE is not a law unto itself," Schiltz writes. Doc: www.documentcloud.org/documents/26...

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— Josh Gerstein (@joshgerstein.bsky.social) 28. Januar 2026 um 23:24

Schiltz ist offenbar ziemlich genervt von der Behörde: Der Richter hat den amtierenden ICE-Boss Todd Lyons eine Strafe angedroht, falls dieser weiter seine Vorladungen ignoriert. Doch der ICE-Mann wird nun doch nicht vor Gericht aussagen: Der festgenommene Eingewanderte, zu dem sich Lyons äussern sollte, wurde kurzerhand entlassen.

ICE würde selbst bei Shutdown wohl weiter arbeiten

Die Demokraten im US-Kongress drängen auf ein Ende der rigorosen Razzien gegen Einwanderer und wollen dafür auch einen Teilstillstand der Regierungsgeschäfte riskieren. Die demokratischen Vertreter im Senat legten vorgestern Mittwoch ihre Forderungen an das Heimatschutzministerium vor. Dazu gehören ein verbindlicher Verhaltenskodex für Bundesbeamte sowie die Pflicht für Beamte, sich auszuweisen.

EISEN: Don't you think Democrats are tapping into something in the mood of the country when it comes to the funding of ICE? BESSENT: President Trump has brought down the temperature on the situation. He is urging them not to shut down the government.

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— Aaron Rupar (@atrupar.com) 28. Januar 2026 um 16:27

Die Einwanderungsbehörde ICE müsse «gezügelt und grundlegend reformiert» werden, betonte vorgestern Chuck Schumer. Der demokratische Mehrheitsführer im Senat ist allerdings im Gespräch mit dem Weissen Haus, um einen Shutdown abzuwenden, meldet die «New York Times». Der Präsident und Schumer haben Zeit bis zum 31. Januar, 12.01 Uhr Eastern Time, um einen Kompromiss zu finden.

Doch was passiert mit ICE, wenn es doch zu einem Shutdown kommt? Das «Time»-Magazin hat dazu eine ernüchternde Information: Die Arbeit der Einwanderungsbehörde gilt demnach als «essenzieller Dienst». Diese essential services werden auch dann fortgeführt, wenn das Budget der Regierung blockiert wird. Bei einem Shutdown wäre der Druck also vor allem ein politischer, der sich aber nicht unmittelbar auf ICE auswirkt.

Ohio ist als Nächstes dran

Während sich die Lage in Minnesota zu entspannen scheint, plant die Einwanderungsbehörde ICE offenbar bereits ihren nächsten Grosseinsatz: Angeblich steht nun der Bundesstaat Ohio ganz oben auf der Liste – und dort insbesindere die Stadt Springfield.

Dort «fressen illegal Eingewanderte Hunde und Katzen» – das hat zumindest Donald Trump gesagt, als er sich im letzten Präsidentschaftswahlkampf ein TV-Duell mit Kamala Harris geliefert hat. Gerade Haitianer seien dort ein Problem, hat der New Yorker im Mai 2025 erzählt.

Der Hintergrund des möglichen Springfield-Einsatzes: Am 3. Februar läuft eine Übergangsregelung aus, die Geflüchteten aus Haiti vorübergehend einen Schutzstatus eingeräumt hat. Die «Springfield News-Sun» berichtet, dass nach diesem Datum wohl ein 30-tägiger ICE-Einsatz ansteht – das soll aus einer Nachricht an die Schulbehörde der Stadt hervorgehen.

Demnach gebe es bereits eine «Liste des Bundes mit individuellen Abschiebungsanordnungen in Springfield». Die Stadt ist offenbar ein Zentrum für Eingewanderte aus Haiti: 330'000 Bewohner der Insel leben in den USA, davon 30'000 in Zentral-Ohio und 12'000 bis 15'000 in Springfield, weiss das «Ohio Capital Journal».

«Die Leute sind ängstlich», sagt Viles Dorsainvil vom Haitian Support Center dem Blatt. «Sie sind nur hierher gekommen, um zu arbeiten, ihre Kinder zur Schule zu schicken und friedlich zu leben. Plötzlich finden sie sich in einem anderen Szenario wieder, in dem sie nicht akzeptiert werden.» Er berichtet: «Sie sind in Panik und das Schlimmste ist, dass sie nicht einmal ihr Leben für die nächsten drei Monate planen können.»


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