Meet the HuffmansZu woke: US-Familie «flieht» aus Texas nach Russland – und der Vater landet prompt an der Front
Philipp Dahm
9.11.2025
Begeistert von ihrer neuen russischen Heimat: die Familie Huffman in Moskau.
X/@HuffmanTime
Eine konservative, christliche Familie zieht von Texas nach Russland, weil ihr die USA zu woke sind. Über das neue Leben im «amerikanischen Dorf» in Istra berichten sie mit Videos. Dann jedoch landet Vater Derek Huffman in der Armee – und an der Front in der Ukraine.
Die Familie Huffman ist im März von Texas nach Russland ausgewandert, weil die alte Heimat ihnen zu woke sei und sie sich – unter anderem – von der LGBTQ+-Gemeinde bedroht fühlen.
Die Familie zieht in ein «American Village» in Istra unweit von Moskau und sorgt für grosses Hallo bei der russischen Presse.
Die überzeugten Christen dokumentieren ihr neues Leben auf YouTube.
Familienvater Derek landet bei der Armee: Statt in einem Reparaturtrupp zu arbeiten, wird er an die Front geschickt.
Derek überlebt und wird im November russischer Staatsbürger, der bald jedoch wieder zurück in den Krieg ziehen muss.
Eine Familie – die Eltern und drei Kinder – zügelt im März von Texas in die Nähe von Moskau. Im Mai schliesst sich der Vater der russischen Armee an. Die schickt ihn prompt an die Front in der Ukraine. Er überlebt – und ist nun russischer Staatsbürger. Doch der Reihe nach.
Was treibt dieses Quintett aus den USA nach Osteuropa? Dass Derek Huffman weg will, habe schon «vor ein paar Jahren begonnen», erklärt er sich in einem YouTube-Video am 9. März. Ein Grund dafür sei die «LGBTQ-Indoktrination von Kindern».
«Man kann heutzutage nicht mal den Fernseher anmachen, ohne dass in Kinder-Cartoons über Sex und Geschlecht geredet wird», glaubt der Familienvater. Trans Menschen nennt er «geisteskrank». Weil sie Weisse seien, hätten sie in der alten Heimat weniger Chancen. Und auch das Essen sei ungesund.
Derek Huffman erzählt, wie sehr ihm die USA missfallen.
YouTube/Huffman Time
Vor zwei Jahren habe er seine Kinder deshalb aus der Schule genommen und zu Hause unterrichtet. Mit Ehefrau DeAnna hat Derek drei erwachsene Söhne im Alter zwischen 19 und 21 und drei Töchter im Alter zwischen 10 und 12 Jahren. Die Kriminalität auch in Houston im republikanischen Texas habe ihm Sorgen gemacht, sagt er.
«Mir gefällt, dass man sich anpassen muss»
Schliesslich habe er von jenem «amerikanischen Dorf in Russland» erfahren, in dem «englischsprachige Christen» lebten. Das Ganze ist ein Projekt, das Tim Kirby initiiert hat: Der 46-jährige Amerikaner ist selbst nach Russland ausgewandert und arbeitet dort für Wladimir Putins Propaganda. Seit 2018 ist er auch Russe.
Im Oktober 2023 habe er das Land besucht – und sich verliebt. Und nun lebe er in seinem neuen Haus, sagt Derek Huffman Anfang März. Die erwachsenen Söhne sind in den USA geblieben. Die drei Töchter teilen sich das grosse Schlafzimmer, die Eltern belegen das zweite. Es gibt ein Bad, sie wollen noch ausbauen.
So sieht das Haus in Istra aus:
Doch Derek Huffman gibt sich überglücklich. In den USA würden viele in ihrer «Blase» leben, höchstens auf X fände man noch Informationen. In Russland könnten sie nun ihre Töchter so erziehen, wie sie es wollten. Alles sei sicher, die Strassen sauber und die Regierung lasse einen in Ruhe, wenn man sich benehme. «Die strikten Gesetze, ich mag das.»
«Mir gefällt, dass man sich anpassen muss», sagt Derek. «Wir arbeiten daran, uns zu assimilieren.» Doch das ist gar nicht so einfach: Der Auswanderer und seine Familie sind die ersten Westler im «amerikanischen Dorf» – und Englisch ist offenbar nicht weit verbreitet in Istra, das 40 Kilometer westlich von Moskau liegt. Und Russisch ist keine einfache Sprache, weiss Derek.
«Die Ukraine beschiesst, tötet und verfolgt»
Auf ihrem YouTube-Kanal dokumentiert die Familie ihr Leben. DeAnna stellt fest, dass es kalt ist in der neuen Heimat. Die Eltern erklären ihren Töchtern, was es mit Russlands Tag des Sieges auf sich hat. Die Familie fährt in die Natur und besucht den Moskauer Zoo. Für die russischen Medien sind die US-Einwanderer eine willkommene Story.
Aufenthaltsanträge aus «unfreundlichen Ländern» im Jahr 2024 laut russischen Behörden
Und dann sagt die 42-Jährige am 26. Mai in die Kamera, während zwei ihrer Töchter auf dem Sofa sitzen: «Hey Mädchen! Daddy hat mir gerade ein Foto geschickt. Er hat den Vertrag unterschrieben. Es ist offiziell. Er hat seinen Vertrag bei der Armee unterschrieben. Kommentare?» «Toll, ich vermisse ihn», sagt eine von ihnen.
Der Grund: Wenn Derek zur Armee geht, bekommt die Familie die russische Staatsbürgerschaft. Die Schule für die Mädchen, die Krankenversicherung und die Arbeitserlaubnis hängen davon ab. «Eine wichtige Rolle spielt für mich Respekt und sich unseren Platz hier in Russland zu verdienen», sagt DeAnna.
Bizarre Szene mit Mutter und Töchtern: Kinder, der Papa geht zur Armee.
YouTube/Huffman Time
Er glaube an die «russische Sache», sagt Derek: «Die Ukraine beschiesst, tötet und verfolgt ihre einheimische russische Bevölkerung, ihre russisch sprechenden Bürger.» Das sei eine «gerechte Sache»: «Sie tun das Richtige. Das Nazi-Regime in der Ukraine muss gestoppt werden.» Kiew betreibe Bio-Labore. US-Investoren kauften Land im grossen Stil. Alles korrupt.
«Wölfen zum Frass vorgeworfen»: Derekt geht zur Armee
Derek ist nun deutlich seltener auf dem YouTube-Kanal zu sehen. Im Juni schickt er am Vatertag einen Video-Gruss an seine Familie. Im Juli zeichnen die Huffmans ein Telefonat mit ihm auf und stellen es mit Bildern der Familie online. Das Interesse der russischen Medien an den Huffmans ist ungebrochen.
DeAnna räumt ein, dass sie einen Rückfall hatte – und ihre Alkoholsucht sie einzuholen droht. Sie hatte gehofft, ihr Mann würde im Hinterland eingesetzt werden, weil er keine militärische Erfahrung habe. Er ist dennoch an der Front stationiert.
Wenn man dem britischen «Telegraph» Glauben schenkt, sagt DeAnna in einem Video, dass ihrem Mann versichert worden sei, er müsse nicht kämpfen. «Er hat das Gefühl, dass er den Wölfen zum Frass vorgeworfen wird und muss sich auf seinen Glauben verlassen, und das tun wir alle», wird die Ehefrau zitiert. Der Clip sei dann aber gelöscht worden.
Neuer Look: Eine der Töchter feiert im Oktober ihren zwölften Geburtag und darf sich die Nägel machen lassen, während Mama filmt.
YouTube/Huffman Time
Nun werdenMedienweltweit auf den Fall aufmerksam – auch die Putin-kritische Publikation «Meduza» aus Riga. Die stellt Nachforschungen über Derek an: Der 46-Jährige soll 2019 einen finanziellen Offenbarungseid geleistet haben und mehrfach mit dem Gesetz aneinandergeraten sein.
«Mir gefällt der Gedanke nicht, Leben zu nehmen»
«Meduza» zitiert ebenfalls aus dem gelöschten Video: «Sie sagten ihm, dass sie ihn wegen seiner mehr als zehn Jahre als Schweisser in ein Reparaturbataillon stecken könnten [...], aber es sieht nicht so aus, als würde das passieren», sagt DeAnna demnach. Auch das versprochene Geld für den Armee-Eintritt sei noch nicht geflossen.
Derek selbst meldet sich am 26. Juli per Audioaufnahme. «Für alle Leute, die sagen, dass ich ein Christ bin und mich dennoch der Armee angeschlossen habe, damit ich Ukrainer töten kann: Mir gefällt der Gedanke nicht, Leben zu nehmen. Aber ich tue, was ich für richtig halte.»
Sechs Monate bleibt Derek in der Armee, bevor er im Oktober zu seiner Familie zurückkehrt. «Ich bin glücklich, noch am Leben zu sein», sagt er. Die Familie kann sich endlich ein Auto kaufen, weil Russen für sie gespendet haben: Der Bus fährt nur drei Mal wöchentlich durch Istra.
Die Töchter berichten in einem Video vom 22. September über ihren ersten Tag in einer russischen Privatschule. Auch dabei: der Familienhund, der mit den Huffmans ausgewandert ist.
YouTube/Huffman Time
Das Leben in Russland ist hart: DeAnna fährt jeden Tag eineinhalb Stunden zur Arbeit – jeweils hin und zurück. Die Mädchen besuchen seit September eine Privatschule.
«Ich kann diesen ganzen Hass nicht verstehen»
Derek erntet die Früchte seiner blutigen Arbeit: Er bekommt seine russische Staatsbürgerschaft und betont, er sei stolz, in Putins Armee gedient zu haben.
He's on the news ♥️ @DerekHuffmanRU Derek Huffman Family man, Husband, father of 6 and now a Russian citizen. Proud, he joined the Russian army. pic.twitter.com/n9a9aPeYrV
Und weiterhin zu dienen: Er muss bald zu seiner Einheit zurück. Aber er sei glücklich, sagt er. Die Töchter seien glücklich, sicher und hätten schon ganz viele Freunde gefunden, ist sich der Familienvater sicher. Die Bildung sei besser in Russland, der Lebensstandard sei viel besser und alles sei viel günstiger.
«Es fühlt sich an, als hätten wir unseren Platz in der Welt gefunden», sagt Derek. «Wisst Ihr, ich kann diesen ganzen Hass nicht verstehen. Wenn man nie hier war, kennt man es nicht. Es ist verrückt, wie sich Leute gegen dich wenden, weil du an etwas anderes glaubst.»
Können die Amerikaner wirklich in Russland neues Glück finden? Möglich ist das natürlich schon – wenn Derek nicht an der Front erschossen wird oder eine der Töchter eine Liebe zu Frauen entwickelt.
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