RekordentschädigungZwei Männer sassen 16 Jahre unschuldig in Haft – jetzt sind sie Multimillionäre
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12.3.2025
Anthony Mitchell, hier im Jahr 2020, sass ebenso wie John Fulton 16 Jahre lang unschuldig im Gefängnis. (Archivbild)
KEYSTONE/Erin Hooley/Chicago Tribune via AP
Nachdem sie 16 Jahre lang unschuldig wegen Mordes inhaftiert waren, erhalten zwei Männer in den USA nun eine Rekordentschädigung von insgesamt 120 Millionen Dollar.
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12.03.2025, 14:20
Maximilian Haase
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
Nach 16 Jahren Haft erhalten zwei unschuldig Verurteilte in den USA eine Rekordentschädigung.
John Fulton und Anthony Mitchell wurden 2006 für einen Mord verurteilt, den sie nicht begangen hatten.
Nun sprach eine Jury in Chicago den Männern je 60 Millionen Dollar Schadensersatz zu, die höchste je festgelegte Summe.
Erst sassen sie jahrelang zu Unrecht wegen Mordes im Gefängnis, nun erhalten sie deshalb mehrere Millionen Dollar Entschädigung: John Fulton und Anthony Mitchell verbrachten 16 Jahre ihres Lebens in Haft für ein Verbrechen, das sie nicht begangen haben. Eine Jury sprach ihnen deshalb jetzt insgesamt 120 Millionen Dollar zu – die höchste Summe, die unschuldig Verurteilte in den USA jemals erhielten.
Wegen eines 2003 verübten Mordes waren Fulton und Mitchell 2006 zu 31 Jahren Haft verurteilt worden. Die damals 17- und 18-Jährigen wurden unter Druck gesetzt, ein Geständnis abzulegen, das ihnen zum Verhängnis wurde: Sie sollen Christopher Collazo umgebracht haben, dessen Leiche damals in einer Gasse gefunden wurde, mit Klebeband gefesselt, sein Mund zugeklebt. Ein Feuer hatte seinen Körper grösstenteils verbrannt.
Keine Beweise, keine Augenzeugen
Ein Anrufer hatte den Brand damals gemeldet. Er habe zwei Männer wegrennen sehen, konnte aber keine genaue Beschreibung liefern. Obwohl es keine überzeugenden Beweise oder Augenzeugen gab, wurden Fulton und Mitchell verhaftet und verurteilt. Eine Verbindung gab es jedoch: Einen Monat zuvor soll Fulton beim späteren Opfer versucht haben, eine Waffe zu kaufen, sei jedoch von ihm und seiner Gang ausgeraubt worden.
Die zentrale Grundlage der Verurteilung war allerdings ein Geständnis von John Fulton, das er nach tagelangen Verhören abgelegt hatte und in dem er sich selbst sowie Mitchell und eine dritte Person belastete. Später stellte ein Richter fest, dass dieses unter massivem Druck zustande gekommen sei und nicht hätte verwertet werden dürfen. Erst 2019 hob ein Gericht die Urteile wegen Mordes auf.
«Gerechtigkeit ist endlich da»
«Die Gerechtigkeit ist endlich da, aber wir haben noch eine Menge Arbeit vor uns», erklärte Fulton nach dem nun folgenden Urteil, das beiden Männern je 60 Millionen Dollar Entschädigung zusprach. Er wies darauf hin, dass es viele weitere unschuldig Verurteilte gibt, die noch immer auf ihre Freilassung warten.
Mitchell und Fulton hatten 2020 Klage gegen die Stadt Chicago und das zuständige County eingereicht. Sie warfen den Ermittlern vor, Fulton unter Druck zu falschen Aussagen gezwungen zu haben. Die Jury folgte dieser Argumentation und setzte nun die Rekordsumme fest. Die Stadt Chicago will das Urteil anfechten, heisst es.
Die Millionen können die verlorenen Jahre nicht wieder gutmachen, erklärte derweil Fulton. «Ich hätte es vorgezogen, dass alle beteiligten Polizisten 16 Jahre im Gefängnis verbringen und erleben, was ich durchmachen musste», wird er von der «Chicago Sun Times» zitiert. «Sie sollten sehen, wie sich Freunde und Familie von ihnen abwenden, weil sie den Anschuldigungen glauben.»