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Bild: zvg/Fundsachenverkauf
Bei Fundsachen weiss in der Schweiz wohl kaum einer so gut Bescheid wie er: Roland Widmer gründete vor über 20 Jahren den Fundsachenverkauf, der heute einen Laden in Zürich Wollishofen und einen in Luzern betreibt. Hier landen Fundgegenstände aus dem ÖV oder von den Flughäfen, die nicht innerhalb der vorgeschriebenen Frist von ihren Besitzer*innen zurückgefordert wurden.
200'000 Dinge kommen jeden Monat neu dazu. «Es ist unglaublich, was die Leute alles liegen lassen», sagt Widmer, der sein Geschäft letztes Jahr verkauft hat, jedoch noch immer als Assistent des neuen Chefs tätig ist. Am häufigsten vergessen werden Brillen aller Art und Cases für In-Ear-Kopfhörer, erzählt er. «Davon haben wir kistenweise.»
Doch immer wieder lassen Passagier*innen auch Kurioseres im ÖV liegen. Einiges davon seht ihr in der Bildergalerie oben. Bei einzelnen Gegenständen drängt sich der Verdacht auf, dass diese nicht vergessen, sondern absichtlich zurückgelassen wurden.
«Ich weiss gar nicht wo anfangen», sagt Roland Widmer auf die Frage, was das Aussergewöhnlichste war, das je in der Schweiz im Zug, Tram oder Flugzeug vergessen und dann nicht mehr abgeholt wurde. Er zählt einige auf:
Mehrmals wurden auch Brustimplantate abgegeben. «Eine Frau hat zwei originalverpackte Implantate bei uns gekauft und sie zu ihrem Arzt gebracht», erzählt Roland Widmer. «Der Arzt hat uns daraufhin angerufen, um sich zu vergewissern, dass mit den Implantaten alles in Ordnung ist. Da sie verpackt waren und auch das Ablaufdatum noch nicht überschritten war, hat er sie der Frau danach eingesetzt.»
Einmal fand Roland Widmer in einem verwaisten Koffer ganze 6.9 Kilo Kokain. «Der Koffer war bereits mit einem Preis versehen und bereit für den Verkauf», erzählt er. «Doch als ich ihn angehoben habe, habe ich mich über das Gewicht gewundert.» Als er den Boden des Koffers entfernte, entdeckte er die Päckchen und alarmierte die Polizei. «Einige Wochen später kamen ein paar Polizisten bei uns vorbei und schenkten uns zum Dank eine Flasche Wein», erinnert er sich.
Gerade bei persönlichen Gegenständen wie mit Asche gefüllten Urnen setzt Widmer alles daran, die Verwandten ausfindig zu machen. «Urnen wollen wir natürlich nicht verkaufen und auch nicht in den Container werfen», sagt er. Für Urnen, deren Ursprung er nicht herausfindet, hat er eine Abmachung mit einem befreundeten Pfarrer getroffen, der die Urnen zu sich nimmt und anonym auf einem Friedhof beerdigt.
Dadurch, dass die Menschen heute mobiler seien, wüssten sie oft gar nicht, wo sie denn jetzt die Brille oder das Schächtelchen mit Omas Gallensteinen zuletzt in den Händen hatten, erklärt Roland Widmer die Flut an Fundgegenständen. Da es in der Schweiz aus Kostengründen kein einheitliches System für Fundgegenstände gibt, sondern jede Stadt und jedes Transportunternehmen ein eigenes Fundbüro betreibt, komme es vor, dass die Menschen am falschen Ort nachfragen.
Was erstaunen mag: Auch viele Gemälde und Skulpturen werden im ÖV oder am Flughafen vergessen und nie wieder abgeholt. «Kunstkennerinnen und Kunstkenner verirren sich kaum in den Fundsachenverkauf», sagt Roland Widmer. Deshalb organisiert der 67-Jährige bis zum 20. Juni die Ausstellung «Fundkunst» in Luzern. Mit dem Pop-Up-Store möchte er auch für einige dieser Schätze ein neues zu Hause finden.
Ausstellung Fundkunst, bis 20. Juni, Kapellenplatz 5, Luzern
Jeden Monat landen Hunderttausende verlorene Gegenstände in Fundbüros. Einige werden nie abgeholt. Darunter sind immer wieder Objekte, die selbst erfahrene Mitarbeitende staunen lassen.