Vergiftet in der Türkei Ist das Schicksal der deutschen Familie in Istanbul kein Einzelfall?

dpa

22.11.2025 - 16:09

Es gibt mehrere Vorfälle mit Touristen in der türkischen Metropole Istanbul. 
Es gibt mehrere Vorfälle mit Touristen in der türkischen Metropole Istanbul. 
Symbolfoto: dpa

Der Tod einer Hamburger Familie in Istanbul erscheint vielen wie ein schockierender Einzelfall. Aber auch andere Vorfälle in der Stadt weisen Parallelen zu dem Schicksal der Familie auf.

,

DPA, Redaktion blue News

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Nach dem Tod einer deutschen Urlauberfamilie in Istanbul, mutmasslich durch eine Vergiftung, kommen weitere Todesfälle ans Tageslicht.
  • Schon vor einem Jahr starb eine deutsche Studentin in Istanbul durch eine Pestizidvergiftung.
  • Zuletzt wurde der Fall von 25 Leuten bekannt, die nach einem Restaurantbesuch in Istanbul mit Verdacht auf Lebensmittelvergiftung ins Spital kamen.

Der Tod einer Hamburger Familie in Istanbul wirft noch immer zahlreiche Fragen auf – auch mit Blick auf weitere Vorfälle mit Touristen in der Metropole. Alles purer Zufall oder könnten die Fälle zusammenhängen? Eine Übersicht:

Familie aus Hamburg stirbt im Urlaub

Vater, Mutter und ihre zwei Kinder kommen am 9. November nach Istanbul und sterben zwischen dem 13. und 17. November. Der Anfangsverdacht auf eine Lebensmittelvergiftung als Todesursache erhärtet sich nicht. Ihr Hotel im Stadtteil Fatih rückt in den Fokus, nachdem weitere Gäste aus der gleichen Unterbringung medizinisch behandelt werden. Laut einem von Medien verbreiteten vorläufigen Gutachten der Rechtsmedizin könnte eine Schädlingsbekämpfung im Zimmer unter der Familie deren Tod verursacht haben. Gesichert ist das aber bisher nicht. Eine Lebensmittelvergiftung als Todesgrund wurde als weniger wahrscheinlich bezeichnet.

Rätselhafter Tod: Unternehmer aus Deutschland 

Ein Unternehmer klagt laut Medienberichten in der Nacht auf den 19. November im Hotel über Schweissausbrüche und Atemnot, wird in ein Spital gebracht und verstirbt dort. Laut der Nachrichtenagentur DHA reiste er aus Deutschland in die Türkei. Die Hintergründe seines Todes sind noch völlig unklar. Sein Hotel befand sich in fussläufiger Nähe zu dem Hotel der Hamburger Familie. Es liegt im historischen Zentrum der Stadt, wo jährlich Hunderttausende Touristen unterkommen. Die Besitzer sagen laut Medienberichten, es habe keine Schädlingsbekämpfung in jüngster Vergangenheit gegeben.

Zwei niederländische Geschwister erkranken

Aus den Niederlanden nach Istanbul gereiste Schwestern werden am 19. November wegen Übelkeit, Erbrechen und Durchfall aus ihrem Hotel in Fatih mit dem Verdacht auf eine Lebensmittelvergiftung ins Spital eingeliefert – so die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Eine von beiden wird kurze Zeit später entlassen.

Niederländischer Vater und zwei Söhne – Kinder sterben

Im August werden türkischen Medien zufolge zwei Jugendliche aus den Niederlanden in einem Hotelzimmer in Istanbul tot aufgefunden. Die beiden sollen mit ihrem Vater in die Türkei gereist sein. Der sei ebenfalls im Spital behandelt worden, habe aber überlebt. Als Todesursache der Kinder wurde eine Lebensmittelvergiftung vermutet. Am Vorabend sollen die Söhne laut dem Sender NTV in einem Restaurant im belebten Taksim-Viertel gegessen haben, der Vater jedoch nicht. Die Ermittlungsergebnisse sind nicht öffentlich bekannt. Auch ihr Hotel befand sich laut Medien in unmittelbarer Nähe zu dem Hotel der Hamburger Familie.

Tod einer deutschen Erasmusstudentin

Auch der Tod einer deutschen Erasmusstudentin im November 2024 war zunächst mit einer Lebensmittelvergiftung erklärt worden. Ein in diesem August erschienener forensischer Bericht zum Tod der 21-Jährigen komme jedoch zu dem Schluss, dass sie mutmasslich durch Pestizide gegen Bettwanzen vergiftet wurde, sagte ihr Anwalt der dpa. Das Mittel zur Bekämpfung von Bettwanzen sei im ersten Stockwerk eingesetzt worden, habe sich in Gas verwandelt und im ganzen Gebäude ausgebreitet, hiess es in dem Bericht. Die Studentin habe im zweiten Stock gewohnt.

25 Menschen nach einem Restaurantbesuch im Spital

Zuletzt wurde der Fall von 25 Leuten bekannt, die nach einem Restaurantbesuch in Istanbul mit Verdacht auf Lebensmittelvergiftung ins Spital kamen. Sie seien «bei allgemein guter Gesundheit» und erhielten «die nötigen medizinischen Untersuchungen und Behandlungen», schrieb der Chef der zuständigen Gesundheitsbehörde der türkischen Metropole, Abdullah Emre Güner, auf der Plattform X. Die Betroffenen sollen am Freitagabend (21. November) in einem Lokal im Istanbuler Bezirk Sisli die traditionelle Speise Lahmacun bestellt haben – ein mit Hackfleisch, Gemüse und verschiedenen Gewürzen bestrichenes Fladenbrot. Dem Sender CNN Türk zufolge klagten die Besucher nach dem Essen über Übelkeit und Erbrechen. Die örtlichen Behörden versiegelten das Restaurant, dem laut CNN keine Betriebserlaubnis vorlag.

14 Schüler im Spital

Ebenfalls am Freitag kamen örtlichen Medienberichten zufolge in Istanbuls Nachbarprovinz Kocaeli 14 Schüler nach dem Verzehr eines Hühnchengerichts ins Spital. Laut der Zeitung «Habertürk» plagten die Schüler ebenfalls Übelkeit und Erbrechen kurz nach dem Mittag in der Schulkantine. Die Schüler seien mittlerweile in guter Verfassung, hiess es am Samstag von Behördenseite.

Vorläufiger Bericht: Hamburger Familie in Hotel in Istanbul vergiftet

Vorläufiger Bericht: Hamburger Familie in Hotel in Istanbul vergiftet

Mutter, Vater und zwei kleine Kinder sterben im Türkei-Urlaub: Nach dem Tod der Hamburger Familie in Istanbul belastet ein vorläufiger Bericht der türkischen Gerichtsmedizin laut Medienberichten weiter das Hotel.

22.11.2025