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Jetzt meldenDie 10-Millionen-Initiative der SVP ist deutlich gescheitert. Einig sind sich die politischen Lager nur in einem Punkt: Die Debatte über Zuwanderung, Wohnraum und Infrastruktur ist damit nicht beendet.
Obwohl die SVP-Initiative deutlich gescheitert ist, sind sich die Parteien und Verbände in einem Punkt erstaunlich einig: Die Debatte über Zuwanderung, Wohnraum und Infrastruktur ist damit nicht beendet. Unterschiedlich sind allerdings die Antworten darauf.
Für die SVP ist das Nein kein Freipass für die bisherige Politik. Die Partei argumentiert, ein grosser Teil der Bevölkerung habe mit der Abstimmung seinen Unmut über die Zuwanderung ausgedrückt.
Die Volkspartei fordert deshalb strengere Regeln bei Asyl und Migration. FDP und Mitte müssten nun Hand bieten für bürgerliche Lösungen gegen die aus ihrer Sicht unkontrollierte Zuwanderung.
Kurz gesagt: Die SVP hat die Abstimmung verloren, sieht ihre Problemanalyse aber bestätigt.
In der politischen Mitte und bei den Wirtschaftsverbänden wird das Resultat als Warnsignal verstanden.
Mitte-Fraktionschefin Yvonne Bürgin spricht von einem Auftrag, das Bevölkerungswachstum besser zu steuern. Die Wirtschaft müsse stärker auf das Potenzial älterer Arbeitskräfte und bereits vorhandener Fachkräfte setzen. Ähnlich argumentieren Economiesuisse und der Arbeitgeberverband. Sie sehen im Resultat eine «gelbe Karte» der Bevölkerung und fordern Reformen bei Arbeitsmarkt, Rentenalter, Teilzeitarbeit und Fachkräftemangel.
Die FDP verlangt ebenfalls konkrete Reformen statt weiterer Symbolpolitik. Genannt werden unter anderem Massnahmen gegen den Fachkräftemangel und gegen illegale Migration. Die gemeinsame Botschaft dieses Lagers: Das Problem existiert – aber die Lösung liegt nicht in einem Bevölkerungsdeckel.
SP, Grüne und Gewerkschaften interpretieren das Resultat grundlegend anders.
Für sie ist das Nein vor allem eine Absage an Abschottung und an die von der SVP geforderte Begrenzung der Zuwanderung. Die Bevölkerung habe sich bewusst für eine offene Schweiz und für den bilateralen Weg mit Europa entschieden.
Gleichzeitig betonen auch sie, dass Sorgen über Wohnraum, Kaufkraft und Integration ernst genommen werden müssten. Die Antworten sehen sie jedoch in mehr Wohnungsbau, besseren Arbeitsbedingungen, höheren Löhnen und Investitionen in Infrastruktur und Pflege.
Fast alle Initiativgegner – von den Grünliberalen über die Mitte bis zu Economiesuisse und Scienceindustries – verweisen auf einen gemeinsamen Punkt.
Das Nein wird als Bekenntnis zu den bilateralen Verträgen mit der Europäischen Union gewertet. Viele Beobachter sehen darin ein wichtiges Signal für die kommenden Debatten rund um die Bilateralen III.