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Elefantenbaby eingeschläfert

11 tote Elefanten in 10 Jahren – Tierschützer kritisieren Zoo Zürich scharf

Pflegerinnen und Pfleger versuchen, das Elefantenkalb zu retten – erfolglos.

Pflegerinnen und Pfleger versuchen, das Elefantenkalb zu retten – erfolglos.

Bild: Zoo Zürich

Nach dem Tod eines weiteren Elefantenkalbs geraten die Verantwortlichen des Zoos Zürich unter Druck. Tierschützerinnen und Tierschützer fordern ein Ende der Zucht, der Zoo verteidigt seine Rolle im Artenschutz.

Britta Gfeller

Britta Gfeller

09.06.2026, 04:30•06.07.2026, 11:21

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Im Zoo Zürich wurde vergangene Woche ein Elefantenkalb kurz nach der Geburt eingeschläfert. Seit 2016 sind dort insgesamt elf Elefanten gestorben oder eingeschläfert worden, darunter acht Jungtiere.
  • Tierschützerinnen und Experten kritisieren die hohe Zahl an Todesfällen. Sie stellen die Haltung und Zucht von Elefanten in Zoos grundsätzlich infrage.
  • Der Zoo Zürich widerspricht der Kritik. Die Verantwortlichen sprechen von einzelnen Unglücksfällen und betonen, dass die Tiere unter guten Bedingungen leben würden.
  • Umstritten ist auch die Rolle des Zuchtprogramms. Während der Zoo es als wichtigen Beitrag zum Artenschutz sieht, halten Kritiker*innen den Schutz natürlicher Lebensräume für wichtiger.
Zusammenfassung erstellt mitmyAi

Am 2. Juni wurde ein Elefantenkalb im Zoo Zürich kurz nach der Geburt eingeschläfert. Es hatte laut einer Mitteilung des Zoos seine Hinterbeine nicht belasten können. Seit 2016 sind im Zoo Zürich damit insgesamt elf Elefanten gestorben oder eingeschläfert worden, acht davon waren Jungtiere oder Kälber.

2020 wurde ein Elefantenkalb nach der Geburt von der Herde getötet. 2022 starben drei Jungtiere an einem Virus. Sie wurden zwei, fünf und acht Jahre alt. Ein sechs Monate altes Kalb starb letztes Jahr nach einem Unfall. Zwei weitere 2020 und 2023 geborene Kälber waren, wie das Kalb jetzt, aufgrund einer Fehlentwicklung oder mangelnder Vitalität nicht überlebensfähig.

«Todesfälle bei jungen Elefanten werden in Zürich anscheinend zunehmend zur Regel.»

Keith Lindsay

Naturschutzbiologe

«Solche pränatalen Störungen können bei allen Tierarten sowohl in Zoos als auch in wildlebenden Populationen auftreten und gehören zu den natürlichen Risiken der Fortpflanzung», schreibt der Zoo Zürich in einer Mitteilung zum jüngsten Todesfall.

Zoodirektor: «Extrem frustrierend für uns»

Der Elefantenexperte Keith Lindsay ist anderer Meinung. Der Brite ist für die Schweizer Naturschutzorganisation Fondation Franz Weber als Berater tätig. Die Organisation hat die Haltung von Elefanten in Zoos schon mehrfach öffentlich kritisiert.

«Durch die kontrollierte Umgebung im Zoo müsste das Sterberisiko in Gefangenschaft deutlich geringer sein als in freier Wildbahn, wo Geburtsfehler rar sind», meint der Experte. «Stattdessen werden Todesfälle bei jungen Elefanten in Zürich anscheinend zunehmend zur Regel.»

01:32

Elefantenbaby im Zoo Zürich ist nicht überlebensfähig

«Was in den letzten Jahren passiert ist, ist extrem frustrierend für uns», sagt Zürcher Zoodirektor Severin Dressen auf Nachfrage von blue News. Doch er betont, dass es zwischen den einzelnen Todesfällen keinen Zusammenhang gebe: «2022 starben drei jüngere Elefanten aufgrund einer Viruserkrankung. Diese steht in keinem Zusammenhang mit den Fehlbildungen. Zudem waren es unterschiedliche Kühe, die Kälber mit Fehlbildungen geboren haben. Wäre es immer die gleiche Mutter, wüssten wir, dass wir mit ihr nicht mehr züchten dürfen.»

Der Vater der missgebildeten Kälber sei zwar teilweise derselbe gewesen, doch der hätte mit den Kühen auch lebensfähigen Nachwuchs gezeugt. «Es waren zeitlich kumulierte Einzelfälle, die zwar zeitnah aufeinander, aber völlig unabhängig voneinander erfolgten.»

Vergleich mit anderen Zoos schwierig

Ob im Zoo Zürich verglichen mit anderen Zoos überdurchschnittlich viele Elefanten sterben, lässt sich nicht sagen. Die Europäische Vereinigung von Zoos und Aquarien (EAZA) vertritt rund 400 Einrichtungen in Europa und Westasien. In ihrem Einzugsgebiet leben 265 Asiatische Elefanten in 68 Institutionen und 180 Afrikanische Elefanten in 40 Institutionen.

«Uns liegen keine vergleichenden Sterblichkeitszahlen aller Zoos vor», schreibt die EAZA auf Anfrage von blue News. «Zudem können reine Sterblichkeitsdaten irreführend sein, wenn sie nicht im Zusammenhang mit der Anzahl gehaltener Elefanten, der Geburtenrate, der Altersstruktur der Gruppe und den Todesursachen interpretiert werden.»

Artgerechte Haltung – Meinungen gehen auseinander

«Elefanten gehören nicht in Zoos», sagt Monica Biondo, Leiterin Forschung und Naturschutz bei der Fondation Franz Weber. «Es ist unmöglich, ihnen eine artgerechte Lebensgrundlage zu ermöglichen.»

Die Tiere lebten auf zu engem Raum, unter äusserst restriktiven Bedingungen, die nicht ihrer Natur entsprechen, und in unnatürlichen Gruppenzusammensetzungen. «Dass unter solchen Umständen Probleme auftauchen, ist naheliegend», meint Biondo.

«Wir Menschen schützen nur, was wir kennen.»

Severin Dressen

Direktor Zoo Zürich

«Wir sind da anderer Meinung, natürlich kann man die Tiere gut halten», entgegnet Zoodirektor Dressen. «Es stimmt, dass Elefanten früher in unnatürlichen Gruppen gehalten wurden. Doch heute sind das Familiengruppen weiblicher Tiere mit ihren Jungtieren, die im geschützten Kontakt gehalten werden.»

Geschützter Kontakt bedeutet, dass die Pfleger*innen immer durch eine Barriere von den Elefanten getrennt sind. «Die Tiere leben somit in ihrer natürlichen Sozialstruktur, dem sogenannten Matriarchat.»

Die 40-jährige Elefantenkuh Indi und ihr Jungtier nach der Geburt.

Die 40-jährige Elefantenkuh Indi und ihr Jungtier nach der Geburt.

Bild: Zoo Zürich

Auch die EAZA verteidigt den Zoo Zürich: «Der Zoo zeichnet sich durch sehr hohe Standards in der Elefantenhaltung aus, was sich in der hohen Geburtenrate der letzten Jahre widerspiegelt. Seit der Eröffnung des neuen Elefantengeheges im Jahr 2014 sind in Zürich acht Elefanten geboren worden, vier der Geburten verliefen laut des Zoos erfolgreich. Heute lebt jedoch keines der im Zoo Zürich geborenen Tiere mehr.

«Nur wegen des Jö-Effekts»

Der Asiatische Elefant wird auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten als stark bedroht geführt. Weltweit leben nur noch rund 50’000 Tiere in der Natur – und ihr Bestand nimmt weiter ab.

Der Zoo Zürich betont in seiner Mitteilung, wie wichtig das Zuchtprogramm zum Erhalt der Art sei: «Der Erhalt einer stabilen Reservepopulation in Zoos spielt eine wichtige Rolle.»

Monica Biondo von der Fondation Franz Weber widerspricht dieser Argumentation. «Es wurde noch nie ein im Zoo geborener Elefant in die freie Wildbahn entlassen», sagt sie. «Das wäre auch gar nicht möglich.» In der Natur leben die Tiere in grossen, matriarchal geführten Familienverbunden, in die sich ein in Gefangenschaft geborener Elefant nicht einfügen könnte.

«Das Zuchtprogramm ist keine Naturschutzstrategie, sondern rechtfertigt, Tiere im Zoo zu behalten. Junge Tiere ziehen wegen des Jö-Effekts mehr Besucherinnen und Besucher an», so Biondo.

Teaser image

Keine Eröffnung 2028

Nach Mega-Streit vergibt Zoo Zürich Millionen-Auftrag ins Ausland

Ein moderner Zoo könne auf mehreren Ebenen zum Artenschutz beitragen, entgegnet Zoodirektor Severin Dressen auf die Vorwürfe. An den im Zoo lebenden Elefanten werde geforscht, was den in Freiheit lebenden Elefanten zugutekomme.

Die Elefanten im Zoo stünden als Botschafter für ihre freilebenden Artgenossen. «Unsere Elefanten begeistern die Menschen, die sie im Zoo besuchen. Und wir Menschen schützen nur das, was wir kennen. »

Ausserdem engagiere sich der Zoo Zürich seit 15 Jahren in Thailand für ein Schutzreservat. «Unser Engagement ist dauerhaft und bezieht auch die lokale Bevölkerung mit ein», sagt Dressen. «So schützen wir nicht nur eines der letzten bedeutsamen Rückzugsgebiete für den Asiatischen Elefanten, sondern erhalten einen Lebensraum für viele weitere gefährdete Arten.»

Reserve-Elefanten für Worst-Case-Szenario

Es sei ein Trugschluss, dass Reservepopulation bedeutet, dass Elefanten jetzt ausgewildert werden müssen. «Die Reservepopulation ist für das Worst-Case-Szenario, wenn es in der Wildnis kaum mehr Elefanten gibt. Das ist momentan zum Glück noch nicht der Fall», sagt Dressen. «Doch wir können nicht erst dann mit der Zucht beginnen, wenn es zu spät ist.» Deshalb möchte der Zoo Zürich mit der Elefantenzucht fortfahren.

Falls es in Zukunft sinnvoll sein sollte, Elefanten der Reservepopulationen wiederanzusiedeln, dann würde so eine Wiederansiedlung einer Gruppe drei Generationen dauern, sagt Dressen. Es würden dann keine Einzeltiere in bestehende wilde Gruppen integriert, sondern ganze Gruppen ausgewildert. 

Die Tierschützerinnen und Tierschützer finden nicht, dass es zum Schutz der Elefanten Zoos braucht. Viel wichtiger sei es, den natürlichen Lebensraum der Elefanten zu schützen. Sie fordern, das Zuchtprogramm für Elefanten einzustellen und die verbliebenen Tiere in ein Schutzgebiet zu bringen, wo sie halbwild leben können.

«Ganz in der Wildnis können sie nicht überleben», sagt Biondo. «Aber so könnten sie sich so frei und natürlich wie möglich bewegen.»

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