Deal mit den USAZölle von 15 Prozent gelten rückwirkend ab 14. November – Trump: «Schweiz bezahlt nun einen fairen Betrag»
Oliver Kohlmaier
11.12.2025
Bundesrat Guy Parmelin informiert am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Bern über die US-Zölle auf Schweizer Waren.
Bild:Keystone/Anthony Anex
Die US-Zölle auf Schweizer Güter sinken von 39 auf 15 Prozent, und zwar rückwirkend ab dem 14. November. Während die Politik gespalten reagiert, ist die Erleichterung in der Wirtschaft gross.
,
Keystone-SDA, Redaktion blue News
11.12.2025, 04:43
Oliver Kohlmaier
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
Die US-Zölle werden rückwirkend auf den 14. November auf 15 Prozent gesenkt.
Im Gegenzug senkt die Schweiz Importzölle auf bestimmten Fisch- und Landwirtschaftsprodukten.
Zudem heben die USA die pauschalen Zusatzzölle für weitere Schweizer Exportprodukte auf, darunter Flugzeuge, Kosmetika und Generika.
Bestimmte Branchen und Waren sind heute den US-Zusatzzöllen ausgenommen.
US-Präsident Donald Trump hat am Mittwochabend an einem Treffen mit Vertretern aus der Privatwirtschaft und Regierungsmitgliedern eine Reihe von Themen besprochen. Dabei äusserte sich Trump unter anderem auch zum Zoll-Deal mit der Schweiz. Trump sprach über Länder, die ihren Reichtum auch dank der starken US-Wirtschaft erlangt hätten und erwähnte dabei auch die Schweiz. Trump sagte: «Die Schweiz hat in der Vergangenheit beinahe nichts in Form von Zöllen, Steuern oder Lizenzen an die USA bezahlt. Doch nun bezahlt die Schweiz einen fairen Betrag.»
Er habe für die Schweiz zunächst einen Zoll in Höhe von 39 Prozent festgesetzt, fuhr Trump fort. «Ich habe aber beschlossen, nett zu sein.» Im Rahmen des mit den USA abgeschlossenen Zoll-Deals wurden der Strafzoll auf die Einfuhr zahlreicher Schweizer Güter in die USA auf 15 Prozent gesenkt.
Dieser Artikel wurde um 20.51 umfassend aktualisiert.
Die pauschalen Zölle der USA auf Schweizer Waren sinken von 39 auf 15 Prozent, und zwar rückwirkend ab dem 14. November. Grundlage dafür ist die an jenem Tag unterzeichnete Absichtserklärung der Schweiz, der USA und Liechtensteins.
Die USA begrenzten den pauschalen Zusatzzoll auf aus der Schweiz importierte Waren auf höchstens 15 Prozent, teilte das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) am Mittwoch dazu mit. Im Gegenzug senkt die Schweiz Importzölle auf bestimmten Fisch- und Landwirtschaftsprodukten.
Bestimmte Branchen und Waren sind heute von den US-Zusatzzöllen ausgenommen, und das soll weiterhin gelten. Solche Ausnahmen gibt es etwa für Pharmazeutika, bestimmte Chemikalien, Gold und Kaffee.
1500 Tonnen Geflügelfleisch im Jahr
Zusätzlich heben die USA die pauschalen Zusatzzölle für weitere Schweizer Exportprodukte auf. Darunter sind Flugzeuge, bestimmte für die Luftfahrt relevante Teile, Gummiprodukte, Kosmetika und Generika. Die Liste wird im Federal Register der USA veröffentlicht. Die Schweiz will sich laut Seco für weitere Ausnahmen einsetzen.
Auf Produkten, die schon vor dem 2. April mit Zöllen von über 15 Prozent belegt waren, werden wieder die ursprünglichen Zölle erhoben. Der 2. April ist der Tag, an dem US-Präsident Donald Trump Zusatzzölle für die Schweiz von über 30 Prozent angekündigt hatte.
Zölle senken für US-Waren wird aber auch die Schweiz. Genannt werden Fisch, Meeresfrüchte sowie bestimmte, agrarpolitisch nicht-sensitive Agrarprodukte. Zollfreie, bilaterale Kontingente setzt die Schweiz für Fleisch in Kraft. Sie gelten für 500 Tonnen Rind-, 1000 Tonnen Bison- und 1500 Tonnen Geflügelfleisch im Jahr.
Chlorhühner gelangten deswegen aber nicht ins Land, sagte Wirtschaftsminister Guy Parmelin am Mittwoch in Bern vor den Medien.
«Wir haben Konzessionen gemacht für zollfreie Kontingente», sagte Parmelin. Das bedeute nicht die Einfuhr von Chlorhühnern. Ohnehin seien 95 Prozent des Geflügelfleischs aus den USA chlorfrei.
Mit Chlor behandeltes Geflügelfleisch dürfe nicht in die Schweiz importiert werden, stellte Parmelin auf die Frage einer Journalistin klar. Hingegen dürfe Fleisch von mit Hormonen oder Wachstumsförderern behandelten Rindern in die Schweiz importiert werden. Hierzulande müsse es aber deklariert werden.
Mit der Begrenzung der pauschalen Zusatzzölle der USA auf maximal 15 Prozent werden die handelsgewichteten US-Zölle gegenüber der Schweiz um durchschnittlich rund 10 Prozent sinken, wie das Seco schreibt. Schweizer Unternehmen hätten im US-Markt wieder ähnliche Bedingungen wie die Konkurrenz aus der EU und anderen Ländern, die mit den USA Handel betrieben und eine ähnliche Wirtschaftsstruktur aufwiesen.
Die SVP begrüsst die Senkung der US-Zölle auf Einfuhren aus der Schweiz als Grosserfolg. SVP-Fraktionschef Thomas Aeschi lobt insbesondere den neu gewählten SVP-Bundespräsidenten Guy Parmelin. Auch für ihn seien die jüngsten Ankündigungen ein grosser Erfolg.
Deutlich verhaltener fällt das Echo bei der politischen Linken aus. Am Zeitplan betreffend Verhandlungsmandat stören sich hingegen die Grünen. Der Bundesrat schaffe Tatsachen, wenige Tage bevor das Parlament überhaupt erst konsultiert worden sei, liess sich Parteipräsidentin Lisa Mazzone zitieren.
Auch bei der SP überwiegt die Skepsis. Zwar seien Zölle von 15 Prozent ein Schritt in die richtige Richtung. Diesen Schritt dürfe man aber nicht um jeden Preis gehen. Offene Fragen sieht auch die FDP, obwohl sie von einer guten Nachricht für die Schweiz spricht. Dies sei jedoch nur der Beginn eines langen Prozesses, der etwa zwei Jahre dauern werde, sagte FDP-Sprecher Christopher Ulmer.
Erleichterung in der Wirtschaft
Gross ist die Erleichterung bei den Wirtschaftsverbänden. «Die rückwirkende Senkung der US-Zölle von 39 auf 15 Prozent entlastet die Wirtschaft deutlich», schrieb der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse. Schweizer Unternehmen hätten damit wieder gleich lange Spiesse wie die Konkurrenz aus den EU-/Efta-Staaten oder auch aus Japan. Mit dem Deal könnten «zahlreiche Arbeitsplätze in der Schweiz gerettet werden».
Die Schweiz schneide nun besser ab als gewisse andere Länder, schrieb der Techindustrie-Dachverband Swissmem auf der Plattform X. Die klare und stabile Ausgestaltung der Massnahme schaffe Planungssicherheit für die Firmen, hiess es bei dem auf KMU der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie spezialisierten Verband Swissmechanic.
Rückwirkend per 14. November: 15 Prozent US-Zölle sind in Kraft!
In die USA exportierte Güter mit Schweizer Ursprung unterliegen seit heute und rückwirkend per 14. November nicht mehr einem Zusatzzoll von 39%, sondern einem pauschalen Zoll von 15% «all in».
Zufrieden ist auch der Bauernverband. Seine Erwartungen bei der Vergabe von Kontingenten sowie seine Anforderungen an die Produktionsstandards seien erfüllt. «Wir erwarten, dass das so bleibt», sagte die Sprecherin Sandra Helfenstein. Zudem sei die Senkung der Zölle auf 15 Prozent für den Schweizer Käsesektor ein wichtiger Schritt.