300'000 Franken pro Jahr Verfallene Gutscheine finanzieren Luxus bei Berner Innenstadt-Verein

Samuel Walder

8.5.2026

Der Junkergassebrunnen mit dem Muenster, fotografiert am Dienstag, 6. Juni 2023 in Bern. (KEYSTONE/Christian Beutler)
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Beim Berner Innenstadt-Verein Berncity sorgt der frühere Präsident nun für Gesprächsstoff. Recherchen zeigen horrende Löhne, umstrittene Ausgaben und eine wichtige Einnahmequelle durch verfallene Gutscheine. Wie war das möglich?

Samuel Walder

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  • Unter der früheren Berncity-Führung kam es laut Recherchen zu umstrittenen Ausgaben, etwa hohen Löhnen, teuren Kooperationen und fragwürdigen Personalentscheidungen.
  • Kritisiert wurden auch private Nutzungen von Leistungen und mangelnde Kontrolle.
  • Ein zentraler Geldfluss stammt aus verfallenen Geschenkcards, die jährlich rund 300’000 Franken einbringen. 
  • Nach dem Führungswechsel wurden mehr Transparenz und klare Regeln eingeführt, etwa bei Partnerschaften und Ticketnutzung.

Berncity sorgt mit dafür, dass die Berner Innenstadt belebt bleibt. Der Verein verbindet Detailhandel und Gewerbe, rund hundert Betriebe zahlen jährlich zwischen 500 und 9500 Franken – insgesamt rund 400’000 Franken.

Über Jahre hinweg wurde die Organisation massgeblich von einem Mann geprägt, dessen Name hier unerwähnt bleibt. Erst als Direktor, später als Präsident. Ende 2025 zog er sich zurück. Nun zeigen Recherchen der «Berner Zeitung»: Unter der Führung des Präsidenten wurde über Jahre hinweg vergleichsweise locker mit Geldern umgegangen, die viele Betriebe mit kleinen Margen erwirtschaften. Finanziert wurde dies nicht nur durch Mitgliederbeiträge, sondern auch zu einem grossen Teil durch verfallene Gutscheine. Was bisher nicht bekannt war: Jährlich bleiben im Schnitt rund 300’000 Franken an Geschenkcard-Guthaben ungenutzt.

10'000 Franken monatlich für ein 20-Prozent-Pensum

Auch beim Lohnniveau gibt es Kritik. Der Ex-Präsident soll als Direktor rund 190’000 Franken pro Jahr verdient haben – vergleichsweise viel für eine kleine Innenstadtorganisation. Die Geschäftsstelle, die er leitete, umfasste rund 350 Stellenprozente.

In der Kritik stehen zudem Personalentscheide. Seine Ehefrau war zeitweise mit einem 20-Prozent-Pensum angestellt. Ihr Lohn entsprach hochgerechnet über 10’000 Franken pro Monat. Laut mehreren Quellen bestand ihre Hauptaufgabe im Verpacken von Geschenkcards.

Auch nach Abtritt arbeitet er weiter

Für Unmut bei Mitgliedern sorgten auch sogenannte «Kooperationen». Dazu gehörten VIP-Packages bei Berner Sportclubs für jeweils rund 10’000 Franken jährlich. Laut mehreren Quellen wurden diese Tickets hauptsächlich privat genutzt, zudem fehlte eine systematische Kontrolle über deren Verwendung. Der Mann hält dagegen: Alle Entscheide seien von den zuständigen Gremien gefällt worden und hätten dem Nutzen der Mitglieder gedient. Die heutige Präsidentin spricht von «weit verbreiteten» Modellen, die «sehr geschätzt» würden.

Auch nach seinem Rücktritt blieb der Mann eng eingebunden. Für eine Übergangsphase übernahm er weiterhin operative Aufgaben, vertrat den Verein nach aussen und begleitete Projekte. Dafür erhielt er bei einem 40-Prozent-Pensum pauschal 100’000 Franken pro Jahr. Gleichzeitig war er in mehreren Mandaten aktiv und in der Region gut vernetzt.

300'000 Franken durch verfallene Gutscheine

Ein zentraler Pfeiler der Finanzierung bleibt das Gutscheinsystem. Jährlich werden Geschenkcards im Wert von rund 3 Millionen Franken verkauft. Ein Teil davon – rund 300’000 Franken – wird nie eingelöst und fliesst zurück an den Verein.

Die Präsidentin betont, dies sei «ein etabliertes und bewährtes Instrument zur Stärkung des lokalen Gewerbes». Die Regelung sei von den Mitgliedern beschlossen worden und damit «transparent und demokratisch legitimiert». Heute setzt Berncity zudem stärker auf klare Regeln und mehr Transparenz.