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Der Fall eines mutmasslichen Serienmissbrauchs in Deutschschweizer Kitas hat die Debatte über strengere Kontrollen und besseren Kinderschutz neu entfacht. (Archivbild)
Christoph Soeder/dpa
Zwischen 2020 und 2025 wurden in der Westschweiz insgesamt 22 Fälle von sexuellem Missbrauch in Kitas gemeldet. Der Fall wirft grundlegende Fragen zur Wirksamkeit der bestehenden Kontroll- und Schutzmechanismen auf.
Zwischen 2020 und 2025 wurden in der Westschweiz insgesamt 22 Meldungen wegen mutmasslichen sexuellen Missbrauchs in Kindertagesstätten registriert. Dies geht aus einer Recherche des Schweizer Fernsehens RTS hervor. Die betroffenen Kantone verweigern jedoch die Veröffentlichung der Namen der betroffenen Einrichtungen.
Die RTS-Sendung Mise au Point sichtete mehrere Vorfallberichte, die von Kita-Leitungen, Eltern oder ehemaligen Mitarbeitenden an die kantonalen Aufsichtsbehörden übermittelt wurden. Die Dokumente zeichnen ein alarmierendes Bild: Einige Fälle wurden mangels Beweisen eingestellt, andere führten zu Strafanzeigen.
In einem besonders erschütternden Fall berichtete ein dreijähriges Mädchen seiner Mutter nach dem Besuch einer Kita, ein Mann habe sie «mit seinem Speichel gereinigt». Auf Nachfrage zeigte das Kind auf seinen Intimbereich. In einem anderen Fall brachte eine Mutter ihren Sohn ins Kinderspital, nachdem dieser angegeben hatte, ein Betreuer habe sein Geschlechtsteil grob berührt und verletzt. Laut dem Bericht wurden dabei Spuren von Gewalt festgestellt.
Weitere Meldungen betreffen Betreuungspersonen, die sich regelmässig mit Kindern in Toiletten einschlossen oder Kinder während des Mittagsschlafs unangemessen berührten. In den meisten Fällen wurden die beschuldigten Mitarbeitenden während der Untersuchungen suspendiert, zudem überprüften die Einrichtungen ihre Sicherheits- und Schutzkonzepte.
Besonders grosse Aufmerksamkeit erhält derzeit ein Fall aus der Deutschschweiz: Ein Kita-Mitarbeiter soll zwischen 2020 und 2023 in Einrichtungen in Winterthur und im Kanton Bern insgesamt 15 Kleinkinder missbraucht haben.
Die mutmasslichen Taten wurden zufällig im Rahmen einer Hausdurchsuchung wegen Verdachts auf Kinderpornografie entdeckt. Ermittler fanden dabei Videos der Übergriffe, die der Beschuldigte selbst aufgenommen haben soll. Der Mann hat Teile der Vorwürfe eingeräumt, ein Prozess steht noch aus.
Der Fall wirft Fragen zur Wirksamkeit der bestehenden Kontrollmechanismen auf. Zwar überprüfen die Kantone regelmässig die Strafregisterauszüge von Kita-Mitarbeitenden, doch eingestellte Verfahren oder frühere Verdachtsmeldungen erscheinen darin nicht. Zudem sind Schutzkonzepte gegen sexuelle Übergriffe nicht in allen Kantonen verpflichtend.
In der Politik hat die Debatte inzwischen an Fahrt aufgenommen. Bürgerliche Politikerinnen fordern unter anderem eine «schwarze Liste» für auffällige Kita-Mitarbeitende. Linke Parteien verlangen hingegen einen nationalen Aktionsplan zur besseren Kontrolle aller Einrichtungen, die Kinder betreuen.
Fachleute betonen derweil, dass Prävention entscheidend sei. Offene Raumkonzepte, klare Regeln für Körperpflege, Handyverbote für Mitarbeitende sowie mehr Personal und gezielte Schulungen könnten helfen, Risiken frühzeitig zu erkennen und Kinder besser zu schützen.