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Problem mit Hitze

28 Grad in moderner Minergie-Wohnung – und immer mehr beschweren sich

Wenn sich auch in Minergie-Gebäuden die Hitze staut, können bauliche Massnahmen oder eine Klimaanlage helfen.

Wenn sich auch in Minergie-Gebäuden die Hitze staut, können bauliche Massnahmen oder eine Klimaanlage helfen.

KEYSTONE

28 Grad in der Wohnung trotz Lüften und geschlossenen Storen: Mit diesem Problem kämpfen während der Hitzewelle viele Menschen in modernen Gebäuden. Experten erklären, wieso Minergie-Häuser im Sommer an ihre Grenzen geraten und wann eine Klimaanlage sinnvoll sein kann.

Samuel Walder

Samuel Walder

06.08.2026, 04:30•06.08.2026, 08:37

Darum geht’s

  • Auch moderne Minergie-Wohnungen können sich im Sommer stark aufheizen.
  • Betroffene berichten von Innentemperaturen von über 28 Grad trotz konsequentem Lüften und Beschatten.
  • Laut dem Schweizerischen Baumeisterverband schützen Minergie-Standards allein nicht vor Sommerhitze.
  • Entscheidend sind unter anderem wirksame Beschattung, geeignete Baumaterialien und eine gute Nachtauskühlung.
  • Mit zunehmenden Hitzewellen gewinnt das Problem an Bedeutung. Der Baumeisterverband fordert deshalb bessere bauliche Lösungen und einfachere Bewilligungsverfahren für Klimaanlagen.
Zusammenfassung erstellt mitmyAi

Die Sonne brennt, draussen sind es 35 Grad, Wiesen, Bäume und Flüsse trocknen langsam aus. Die Hitze ist aktuell überall in Europa ein grosses Thema. Doch nicht nur die Natur leidet unter den Hitzewellen. Auch die Menschen. Vor allem die Menschen, die in einer Wohnung leben, welche sich im Laufe des Tages stark aufheizt.

Das betrifft nicht nur Menschen in Altbauwohnungen, sondern auch immer mehr Bewohner*innen von Minergie-Wohnungen, wie die Immobilienplattform «Immoinvest» schreibt.

«Ich hatte bis zu 28,3 Grad in der Wohnung»

Dani R.* aus dem Kanton Zürich wohnt in einer Minergie-Wohnung und leidet unter der Hitze. Zu blue News sagt er: «Seit die ersten warmen Frühlingstage begonnen haben, sank die Temperatur in meiner Wohnung nicht unter 25 Grad.» Dani lebt in einem Wohnblock. Seine Wohnung ist etwa sechs Jahre alt. «Ich freute mich zuerst, weil ich hoffte, dass das ganze Jahr durch die Temperatur in der Wohnung gleich bleiben würde.»

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Doch Dani musste feststellen, dass das Gegenteil der Fall ist. «Jetzt mit den Hitzewellen war es mörderisch heiss. Ich hatte bis zu 28,3 Grad in der Wohnung.» Und den «Schlaumeiern» da draussen sagt Dani: «Ich habe teilweise morgens um 5.30 Uhr gelüftet, als es nur 23 Grad draussen war, und dann alle Fensterläden runtergelassen.» Auch das habe nicht geholfen.

Damit er überhaupt schlafen kann, legte sich Dani eine Klimaanlage zu. «Ich hatte Glück, da meine Eltern noch eine portable Klimaanlage im Keller hatten.» Bereits Anfang Sommer seien die Geräte in den Geschäften und Onlineläden ausverkauft gewesen. «Ich weiss, es ist nicht die umweltfreundlichste Art, die Wohnung zu kühlen. Aber bei 28 Grad musste ich nun halt etwas machen», sagt er.

Klimaanlage kann helfen

Für den Schweizerischen Baumeisterverband ist das kein Einzelfall. «Hohe Sommertemperaturen können auch moderne Gebäude stark aufheizen», sagt Johanne Stettler, Mediensprecherin des Verbands. Problematisch seien insbesondere grosse Fensterflächen ohne ausreichende Beschattung und Gebäude mit geringer Wärmespeicherfähigkeit. «Minergie allein garantiert deshalb noch keinen ausreichenden sommerlichen Wärmeschutz.»

Eine Klimaanlage kann bei überhitzten Wohnungen helfen.

Eine Klimaanlage kann bei überhitzten Wohnungen helfen.

sda

Minergie-Gebäude seien grundsätzlich darauf ausgelegt, wenig Energie zu verbrauchen. «Minergie-Gebäude verfügen über eine gut gedämmte Gebäudehülle und benötigen dadurch wenig Energie», sagt Stettler weiter. Im Sommer würden eine wirksame Beschattung, ein ausgewogener Fensteranteil und ausreichend Speichermasse, also Bauteile, um Wärme zu speichern, dafür sorgen, dass die Wärme möglichst lange draussen bleibt.

Aus Sicht des Baumeisterverbands braucht es deshalb vor allem bauliche Massnahmen. «Prioritär sind bauliche Lösungen wie eine wirksame Aussenbeschattung, angepasste Fensterflächen, mineralische Baustoffe wie Beton und Naturstein mit hoher Speichermasse sowie eine wirksame Nachtauskühlung», erklärt die Sprecherin. Reichen diese Massnahmen nicht aus, könne eine aktive Kühlung beziehungsweise eine Klimaanlage notwendig sein.

Komfortables Wohnen schliesst Klimazielerreichung nicht aus

Dass sich das Problem verschärft, überrascht den Verband nicht. «Das Problem gewinnt aufgrund des Klimawandels an Bedeutung.» Gebäude müssten heute so geplant und modernisiert werden, dass sie auch den klimatischen Bedingungen der kommenden Jahrzehnte standhielten.

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Deshalb spricht sich der Verband auch für einfachere Bewilligungsverfahren aus. «Wo bauliche Massnahmen nicht ausreichen, sollte der Einbau von Klimaanlagen einfacher möglich sein», sagt Stettler. Der Schweizerische Baumeisterverband unterstützt deshalb politische Vorstösse, welche die kommunalen Bewilligungsverfahren abschaffen oder deutlich vereinfachen wollen.

Für den Verband ist die Modernisierung des Gebäudeparks deshalb doppelt wichtig. «Die Offensive bei der Modernisierung des Gebäudeparks ist nicht nur der Schlüssel, um Klimaziele zu erreichen und die Ressource Boden zu schonen, sondern auch, um Wohn- und Gewerberaum mit idealen Innentemperaturen zu jeder Jahreszeit zu schaffen.»

*Name der Redaktion bekannt


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