Es gibt nur einen Ausweg284 Zürcher Haushalte erhalten auf einen Schlag die Kündigung
Sven Ziegler
13.3.2025
Die Vita-Siedlung in Langnau am Albis ZH soll teilweise verschwinden.
Bild:Screenshot Google Maps
In Langnau am Albis ZH erhalten 284 Haushalte in der Vita-Siedlung am selben Tag die Kündigung. Die Zürich Versicherung will das Areal verdichten – doch viele Mieter*innen fühlen sich überrumpelt.
In der Vita-Siedlung in Langnau am Albis ZH hat sich am Mittwoch eine brisanter Vorfall abgespielt: 284 Mietparteien erhielten zeitgleich die Kündigung.
Die Eigentümerin der Überbauung, die Zürich Versicherung, will das rund 65’000 Quadratmeter grosse Areal modernisieren und dichter bebauen. Für die Bewohnerinnen und Bewohner bedeutet das: Bis Ende September müssen sie eine neue Bleibe finden – es sei denn, sie verzichten vertraglich auf jegliche rechtliche Schritte gegen das Bauprojekt.
Das hat bei vielen Betroffenen für Empörung gesorgt. «Seit neun Jahren wird über Renovationen gesprochen, und jetzt sollen wir plötzlich innerhalb von sechs Monaten raus?», sagt ein 63-jähriger Mieter, der seit über 20 Jahren dort lebt, gegenüber «20 Minuten».
Besonders stört ihn, dass der Umbau ursprünglich etappenweise erfolgen sollte – so hätten einige Mieter nach und nach in neue Wohnungen umziehen können.
Verlängerung nur mit Unterschrift – und Verzicht
Laut einem Kündigungsschreiben, das der Redaktion von «20 Minuten» vorliegt, wird den Mieter*innen eine Fristverlängerung um ein Jahr angeboten – unter der Bedingung, dass sie eine Verzichtserklärung unterschreiben:
Keine weiteren Fristverlängerungen, kein Widerstand gegen das Bauvorhaben.
«Ich unterschreibe das nicht», sagt der langjährige Mieter entschlossen. Gemeinsam mit anderen will er eine Interessengemeinschaft gründen und hat bereits den Mieterverband eingeschaltet.
Sanierung: Verbleib der Mieter sei nicht möglich
Die Verwaltung Apleona Schweiz AG betont, dass eine Bleibe der Mieter*innen während der Arbeiten nicht möglich sei. Zu umfangreich seien die Eingriffe in die Bausubstanz – betroffen seien sämtliche Leitungen, Fassaden, Dächer, Fenster, Küchen, Bäder und mehr.
Dennoch gibt es Unmut: Die Baueingabe sei noch nicht einmal erfolgt, und doch seien bereits Kündigungen ausgesprochen worden.
Für viele Bewohner*innen, darunter auch armutsbetroffene Menschen, ist die Kündigung eine existenzielle Belastung. «Ich finde nie wieder eine 3-Zimmer-Wohnung für 1160 Franken mit Parkplatz», so ein Mieter.
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