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In der Hitzewelle werden Schulzimmer zu Treibhäusern.
Armin Weigel/dpa (Symbolbild)
Fenster öffnen, Geräte ausschalten, Unterricht nach draussen verlegen: Die Tipps der Kantone gegen die Hitze sorgen bei vielen Lehrpersonen für Kopfschütteln. Angesichts von Temperaturen von über 35 Grad in Schulzimmern fordert der Dachverband der Lehrerinnen und Lehrer konkrete Investitionen.
Bist du Lehrperson und kämpfst im Klassenzimmer gegen die Hitze? Oder leiden deine Kinder in der Schule, weil es zu heiss zum Lernen ist? Wie geht deine Schule mit der Hitzewelle um? Wir möchten deine Geschichte erzählen! Melde dich bei uns via WhatsApp oder Mail.
«Es ist nicht nur ein bisschen warm in den Schulzimmern. Manche werden regelrecht zu Treibhäuser. Das ist gesundheitsschädlich für die Kinder und die Lehrpersonen», sagt Beat A. Schwendimann, Leiter Pädagogik beim Dachverband der Lehrerinnen und Lehrer (LCH).
Für die Temperatur in Schulzimmern gibt es keine gesetzlich festgelegte Obergrenze. Deshalb wird die Raumtemperatur nicht flächendeckend gemessen oder von Gesundheitsinspektor*innen geprüft. Bei Messungen im Kanton Basel-Landschaft zeigte sich aber: In jedem einzelnen Klassenzimmer lag der Wert über 35 Grad, in einem war es gar 42 Grad heiss.
«Wir haben eine rekordmässige Hitzewelle und es ist zu erwarten, dass solche Hitzeperioden in Zukunft noch länger und noch heisser werden. Bund, Kantone und Gemeinden müssen jetzt reagieren», fordert Schwendimann im Namen des LCH. Der hat bereits im Mai ein Positionspapier veröffentlicht, in dem er Massnahmen gegen Hitze an Schulen fordert.
Als Erstes empfiehlt der Dachverband passive Massnahmen. Dazu gehören entsiegelte und begrünte Pausenplätze, schattenspendende Bäume oder Sonnensegel im Pausenbereich, Jalousien an Schulzimmerfenstern sowie das nächtliche Durchlüften der Schulhäuser.
Falls das nichts nützt, sollen Klimaanlagen installiert werden dürfen, am besten betrieben mit erneuerbarer Energie. «Einige Kantone sind aus Klimaschutzgründen restriktiv bei der Bewilligung von Klimaanlagen in den Schulhäusern», erklärt Schwendimann. Auch sind die Installation und der Betrieb teuer. «Doch wenn die Schulträger nichts unternehmen, wird man in Zukunft jeden Sommer mehrere Wochen lang nicht unterrichten können.»
Wie eine Schule mit der Hitze umgeht, entscheidet zurzeit jede Schulleiterin und jeder Schulleiter selbst. Manche stellen Sprinkleranlagen und Sonnenschirme auf dem Pausenhof auf, manche kontrollieren, dass die Kinder genug trinken. An manchen Schulen wurden bereits Sporttage oder Schulfeste aufgrund der Hitze abgesagt.
Die Bildungsdirektion des Kantons Zürich hat ein Merkblatt für Lehrpersonen veröffentlicht mit Tipps, wie sie während der Hitzeperiode unterrichten sollen. «Unterricht in kühlere Räume (z.B. Kellergeschoss) oder wenn möglich nach draussen verlegen», steht dort etwas. Oder «Wärmequellen abschalten (elektrische Geräte, z.B. PCs und Beamer etc.)».
«‹Unterricht in kühlere Räume verlegen› – klar! Unser Schulhaus hat einen Werkraum und eine Aula im Keller. Für 300 Kinder. Die sich dort natürlich auch nicht aneinander vorbeidrücken und Wärme produzieren», kritisiert eine Lehrerin das Merkblatt auf Linkedin. Weiter schreibt sie: «‹Wärmequellen abschalten› – PCs und Beamer aus. Kein Problem. Unterrichten wir halt analog.» Für ihren Post erhält sie massenhaft Zustimmung anderer Lehrpersonen in den Kommentaren.
Auch Beat A. Schwendimann hält solche Merkblätter, wie sie mehrere Kantone herausgegeben haben, für wenig zielführend. Lehrpersonen einfach zu empfehlen, doch das Fenster zu öffnen, werde der Problematik aus seiner Sicht nicht gerecht.
Er stört sich auch an der immer wieder vorgeschlagenen Lösung, man solle während der Hitze den Unterricht in den Wald oder die Badi verlegen. «Das kann man einmal machen», sagt er. «Aber wir können nicht mehrere Wochen lang jeden Tag in die Badi, dann haben die Schülerinnen und Schüler keinen regulären Unterricht mehr.» Auch wäre es logistisch nicht möglich, mit allen 500 oder 1000 Kindern aus dem Schulhaus gleichzeitig den Wald zu stürmen.
Manche Schulen stellen kurzfristig Ventilatoren zur Verfügung. Doch das sei auch nur ein Tropfen auf den heissen Stein, sagt Beat A. Schwendimann. «Die Bedingungen während starker Hitzewellen sind in vielen Klassenzimmern nicht annehmbar. Wir fordern, dass die Bildungsdirektionen als Arbeitgeber tätig werden, um Kinder und Lehrpersonen nachhaltig zu schützen und einen regulären Schulbetrieb sicherzustellen.»