Polizeieinsatz bei PersonalgesprächAn Ustermer Schule brodelt es – Gemeinderat fordert Untersuchung
Samuel Walder
4.3.2026
Der Schauplatz für das absurde Szenario ist das Schulhaus Pünt in Uster.
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An der Primarschule Pünt in Uster ZH sorgt ein ungewöhnlicher Vorfall für Kritik. Bei einem Personalgespräch wurde die Polizei beigezogen. Gleichzeitig steht die Schule wegen zahlreicher Kündigungen und Vorwürfen gegen die Verwaltung unter Druck.
An der Primarschule Pünt in Uster sorgt ein interner Konflikt für politischen Wirbel. Wie der «Tages-Anzeiger» berichtet, wurde bei einem Personalgespräch im November 2023 Polizei aufgeboten. Der Leiter der Schulverwaltung hatte eine Mitarbeiterin zu dem Gespräch vorgeladen. Ohne ihr Wissen sollen sich zwei zivile, bewaffnete Polizisten vor der Tür aufgehalten haben.
Der Vorfall hat nun auch die Lokalpolitik beschäftigt. Mehrere Gemeinderäte stellten eine Anfrage und wollten wissen, was an der Schule vor sich geht. Sie verweisen darauf, dass in den vergangenen zwei Jahren insgesamt 22 Lehrpersonen und Mitarbeitende die Primarschule verlassen haben oder krankgeschrieben wurden.
In ihrer Anfrage äussern die Politiker deutliche Kritik an der Schulverwaltung. Sie werfen dem Leiter der Schulverwaltung vor, wiederholt in Personalfragen eingegriffen zu haben, obwohl er dafür keine formelle Zuständigkeit gehabt habe. Zudem sei Lehrpersonen teilweise untersagt worden, direkt miteinander oder mit der Schulleitung zu kommunizieren.
Behörden weisen Vorwürfe zurück
In der Anfrage wird auch kritisiert, dass Mitarbeitenden Haus-, Rede- oder Kontaktverbote erteilt worden seien. Teilweise sei dies unter Androhung arbeitsrechtlicher Konsequenzen geschehen.
Die Stadt Uster und die Primarschulpflege weisen diese Vorwürfe zurück. Die in der politischen Anfrage formulierten Anschuldigungen seien teilweise pauschal und vermischten persönliche Einschätzungen mit überprüfbaren Fakten. Ein grosser Teil der Lehrerschaft unterstütze die Schulleitung weiterhin.
Zur hohen Zahl von Abgängen erklärt die Schulpflege, diese hätten unterschiedliche Gründe. Dazu gehörten etwa Wohnortswechsel, befristete Arbeitsverträge oder fehlende Lehrdiplome.
Auch der Polizeieinsatz wird von der Schulführung verteidigt. Schulpflegepräsidentin Patricia Bernet und Gesamtschulleiter Markus Zollinger erklären laut «Tages-Anzeiger», dass die Polizei vorsorglich beigezogen worden sei, um bei einer möglichen Eskalation für Sicherheit zu sorgen. Ein solches Vorgehen komme in der Stadtverwaltung gelegentlich vor, sei jedoch selten.
Zwei Rekursverfahren laufen
Im Gemeinderat stösst diese Erklärung allerdings auf Kritik. Der Ustermer Politiker Paul Stopper (BPU) bezeichnete die Antworten der Schulführung gegenüber der Zeitung als Zeichen von «Überheblichkeit und fehlender Selbstkritik». Den Polizeieinsatz nennt er eine «missbräuchliche Machtdemonstration».
Die Primarschulpflege bestätigt zudem, dass derzeit zwei Rekursverfahren aus den Jahren 2024 und 2025 laufen. Für juristische Unterstützung und externe Beratung seien bisher rund 37'000 Franken ausgegeben worden.
Schulverwaltung nimmt ebenfalls Stellung
Nach der Veröffentlichung des Berichts nahm auch die Schulverwaltung gegenüber blue News Stellung. Man weise den Eindruck zurück, dass die Leitung der Schulverwaltung persönlich einen bewaffneten Polizeieinsatz gegen eine Mitarbeiterin veranlasst habe. «Das trifft nicht zu», erklärte die Schulverwaltung. Der Beizug der Polizei sei im Zusammenhang mit einem Personalgespräch erfolgt und habe auf einer vorgängigen sicherheitsrelevanten Einschätzung der Polizei basiert.
Die Schulverwaltung verweist zudem auf die Antwort des Stadtrats auf die politische Anfrage. Demnach habe eine Mitarbeiterin am 24. November 2023 von der Schulleitung eine Anweisung erhalten, ein bestimmtes Verhalten zu zeigen. Diese Anweisung sei nach dem Vier-Augen-Prinzip auch von der Leitung der Schulverwaltung unterzeichnet worden.
Dabei handle es sich jedoch nicht um eine Mahnung oder eine personalrechtliche Massnahme, sondern lediglich um eine Anweisung. Diese sei der Mitarbeiterin zudem nicht unter Verletzung ihres Anhörungsrechts übergeben worden. Laut Stadtrat und Schule seien sämtliche Schritte im Einklang mit den rechtlichen Vorgaben erfolgt.