Möbel-Gigant

Angestellte von XXXLutz erleben «toxisches Arbeitsklima»

smi

6.2.2022

Der österreichische Möbelhändler XXXLutz baut sein Fillialnetz in der Schweiz aus. Er übernimmt die Lipo Einrichtungsmärkte mit ihren 23 Standorten.(Archivbild)
Der österreichische Möbelhändler XXXLutz baut sein Fillialnetz in der Schweiz aus. Er übernimmt die Lipo Einrichtungsmärkte mit ihren 23 Standorten.
KEYSTONE/PATRICK HUERLIMANN (Archivbild)

Der österreichische Möbelkonzern XXXLutz übernimmmt ein Einrichtungsgeschäft nach dem anderen. Angestellte seiner Tochter Mömax (ehemals Interio) beklagen sich über ihre Arbeitsbedingungen.

smi

6.2.2022

Im Möbelladen Mömax hängt der Haussegen schief. Angestellte von berichten von psychischem Stress, diktatorischem Umgang mit Mitarbeitenden und einem toxischen Arbeitsklima. Ihre Kritik teilten sie der «Sonntagszeitung» mit. Mömax heissen sechs ehemalige Interio-Filialen, seit das österreichische Grossunternehmen XXXLutz diese übernommen hatte.

Seit 2018 ist der österreische Möbel-Grosshändler XXXLutz in der Schweiz präsent. In Rothrist betreibt er eine eigene Filiale. Vor allem aber wächst die Kette, indem sie andere Geschäfte für Inneneinrichtung aufkauft: Neben Interio Möbel Pfister und zuletzt Lipo. Diese Übernahme harrt noch der Genehmigung durch die Kartellbehörde.



Die meisten der Befragten seien schon bei Interio angestellt gewesen. Nach der Übernahme seien besonders die Vertragsbedingungen der Möbelverkäufer*innen schlechter geworden. Statt eines Fixlohns wechselte der neue Arbeitgeber auf ein Provisionsmodell.

Umastzbeteiligung statt Fixlohn für Verkaufende

Ein Angestellter rechnet vor: Er habe einen Basislohn von 4000 Franken. Zusätzlich erhalte er 1 Prozent des Preises der von ihm verkauften Möbel. Um wie zuvor bei Interio 5000 Franken im Monat zu verdienen müsse er nun Möbel im Wert von 100’000 Franken verkaufen, was kaum je möglich gewesen sei.

Schlimmer noch: Bringt ein Kunde das gekaufte Stück zurück, verliert der betroffene Angestellte diesen Teil seiner Provision. Der Kampf um die Provisionen habe auch die Stimmung im Team verschlechtert, weil sich die Angestellten zusehends als Konkurrenten gesehen hätten.

Illegal ist die Vergütungspraxis nicht. Dies bestätigt die Arbeitsrechtlerin Sabine Steiger-Sackmann von der Zürcher Hochschule der Angewandten Wissenschaften. Es sei zudem in der Möbelbranche nicht ungewöhnlich, einen Teil des Lohns an den Verkaufserfolg zu knüpfen.

Theoretisch können Angestellte im Provisionssystem sogar mehr verdienen als mit einem fixen Einkommen. Der Arbeitgeber erhofft sich natürlich besonders motivierte Angestellte und höhere Verkäufe. Steiger-Sackmann fügt an, der Arbeitgeber sei aber verantwortlich dafür, auf die psychische Gesundheit der Angestellten zu achten. Dies gehöre zur Fürsorgepflicht des Unternehmens.

Für XXXLutz und Mömax ist alles im normalen Rahmen

Mit den Vorwürfen konfrontiert, erklärt XXXLutz, Mömax sei für ihre Personalpolitik selber verantwortlich. Eine interne Untersuchung habe ergeben, dass die Gehälter im Durchschnitt nicht gesunken seien. Die Zahlen legte das Unternehmen nicht offen, sodass sie sich nicht überprüfen lassen. Mömax selber lässt verlauten, das Unternehmen habe 150 zusätzliche Stellen geschaffen und die Fluktuation bewege sich im Branchen-üblichen Rahmen. 

Die befragten Angestellten berichten hingegen von reihenweisen Kündigungen, einige direkt bei der Übernahme, andere danach. Als Interio-Angestellte habe sie sich wertgeschätzt gefühlt, berichtet eine ehemalige Verkäuferin, bei Mömax sei das nicht der Fall. Sie habe über Eine Angestellte sagt, sie habe über 10 Jahre als Verkäuferin bei Interio gearbeitet. Nach einem Jahr bei Mömax hatte sie genug. Sie habe immer nur geben müssen und nie etwas zurückbekommen, beschreibt sie die Stimmung unter der neuen Eigentümerschaft.

Wer einen Fehler mache, werde zusammengestaucht, heisst es von mehreren anderen Angestellten. Diese passierten aber nicht zuletzt, weil neue Mitarbeitende allein gelassen würden. Schlechte Organisation hätten zudem zu verzögerten Auslieferungen geführt, so die Angestellten. Die Sendung Kassensturz berichtete im November darüber. Die Angestellten seien angehalten worden, die verärgerten Kunden zu besänftigen, während sie selber wussten, wo das Problem lag, dieses jedoch nicht lösen konnten. Die Klagen der Angestellten bestätigen Befürchtungen, welche die Gewerkschaft Unia schon 2019 mit einem Artikel in die Welt setzte.

Mömax selber nimmt keinen Notstand wahr. Das Unternehmen erklärt, Führungspersonen seien präsent, hörten zu und fänden schnell Lösungen für potenzielle Probleme. Die jährliche, anonyme Mitarbeiterbefragung habe 2021 weise auf keine der genannten Probleme hin, jedoch Verbesserungsmöglichkeiten.